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Gunter Völker hat die Reisefreiheit kreativ genutzt. Mit Bratwurst und Bier beglückt er seit dem Mauerfall Krisengebiete: vom Luftkurort Tabarz im Thüringer Wald ist der erfolgreiche Ex-Soldat über das Kosovo und Kabul inzwischen in Erbil im Irak gelandet.
Von Ulrich Leidholdt, ARD-Hörfunkstudio Amman
Wäre es nach dem Willen der DDR-Führung gegangen und gäbe es ihren Staat noch, dann hätte Gunter Völker bis zum Jahr 2029 auf eine Westreise warten müssen, bis zur Rente. Das blieb ihm erspart. Der massige Thüringer nutzte nach dem Mauerfall nicht nur die Reisefreiheit mit damals 25 ausgesprochen kreativ.
[Bildunterschrift: Gunter Völker (l.) im Jahr 2005 mit seinem Koch Boris Wojahn vor dem "Deutschen Hof" in Kabul ]
"Ich hab irgendwann immer die richtigen Entscheidungen getroffen. Ich habe, nachdem das gesamte Restaurantgeschäft in Ostdeutschland zusammengebrochen war, die Entscheidung getroffen, mich bei der Bundeswehr als Küchenchef zu bewerben", sagt Völker. Er habe Karriere gemacht, von unten angefangen und sich zum Hauptfeldwebel hochgearbeitet. Nach der Bundeswehr sei er nicht zum Arbeitsamt gegangen und habe gesagt,"ich mach jetzt zwei Jahre Übergang, gebt mir dann Hartz IV", sondern er habe geguckt, wo was geht. "Die Welt ist wirklich groß und so lange die Gesundheit stimmt und der Geist einigermaßen klar ist, kann man überall hingehen und sein Glück versuchen."
So kam Gunter aus Tabarz im Thüringer Wald ins Kosovo und merkte, was den Deutschen dort fehlt: Bier und Bratwurst. Es entstand die Idee vom "Deutschen Hof", einer Gaststätte, die er erst nach Kabul und dann weiter nach Erbil im Irak exportierte. "Ich bin etliche Jahre in Afghanistan gewesen und hatte dann den Drang, mich weiter zu entwickeln. Eine Nichtregierungsorganisation, die mit mir in Afghanistan zusammengearbeitet hat, hat hier das Office aufgemacht und gesagt, guck dir doch mal die Stadt an. Und so bin ich dann hier hängen geblieben, und das war eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe. "
Seit dem 9. November 1989 hat Gunter mehr erlebt als viele andere in ihrem ganzen Leben. Dennoch bleibt die Erinnerung an die dramatische Zeit der Wende bei ihm wach. "Ich selber war genau sechs Tage Wehrpflichtiger bei der NVA, als die Mauer gefallen ist. Ich find's schlimm, dass es heute immer noch Leute gibt, die sagen, es müsste rückgängig gemacht werden, es war alles besser." Ganz besonders schlimm findet er, dass Leute immer noch von Ost- und West-Deutschland und von Ossis und Wessis sprechen.
Tabarz, Kosovo, Kabul und nun seit vier Jahren Irak, genau gesagt Erbil in Irakisch-Kurdistan. Der bekennende Ostdeutsche pflegt einen Sinn fürs Ausgefallene. Doch als verrückt bezeichnet nicht er sich, sondern andere, die ihre Möglichkeiten nicht nutzen.
[Bildunterschrift: Gunter Völker in Kabul. ]
"Ich bin immer schon ein Zugvogel gewesen. Ich bin schon damals in der DDR viel unterwegs gewesen und hab immer hier und da gearbeitet. Es hat mich nie irgendwo lange gehalten. Für mich war die DDR zu klein. Ich war auch einer der ersten, die die Hand hochgehoben haben, als dann die Auslandseinsätze losgingen bei der Bundeswehr." 2400 Einsatztage im Balkan hat er hinter sich.
45 ist Gunter Völker heute - bestes Alter. Mit der Ehe hat's allerdings nicht so geklappt. Einer wie er ist nicht eben pflegeleicht. Flagge zeigen will Gunter weiter, die schwarz-rot-goldene natürlich. Ein "Deutscher Hof" in Bagdad, warum nicht. Doch dafür ist es selbst ihm derzeit noch zu gewalttätig. Auf's Risiko, wenn's aber kalkulierbar bleibt, will er so schnell jedenfalls nicht verzichten. Für ihn ein "Markenzeichen erfolgreicher Ossis."
"Wir können besser improvisieren, stecken nicht so schnell den Kopf in den Sand und geben nicht zu schnell auf. Wir erwarten nicht das Beste und kommen damit gut klar."
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