Einwohner von Barzeh in Damaskus verlassen ihr Viertel. | Bildquelle: AFP

Krieg in Syrien Erstmals Rebellenviertel in Damaskus evakuiert

Stand: 08.05.2017 15:54 Uhr

In Damaskus wird offenbar ein Rebellenviertel evakuiert - ein Novum im Syrien-Krieg. Staatsmedien berichten, dass Kämpfer und Zivilisten in die Provinz Idlib gebracht werden. Der Großteil der Hauptstadt steht unter Kontrolle der Regierungstruppen.

Zum ersten Mal seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien vor mehr als sechs Jahren ist offenbar in der Hauptstadt Damaskus eine Evakuierungsaktion für Rebellen angelaufen. Die ersten bewaffneten Männer und einige ihrer Angehörigen hätten in 40 Bussen das Viertel Barseh im Nordosten verlassen, meldete das syrische Staatsfernsehen. Die Aktion werde fünf Tage dauern. Wie viele Einwohner insgesamt das Viertel verlassen werden, ist unklar.

Rebellen sollen nach Idlib

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sollten zunächst bis zu 1500 Rebellenkämpfer und ihre Familien in die von Aufständischen kontrollierte Provinz Idlib im Nordwesten des Landes gebracht werden. Die Vereinbarung zur Evakuierung von Barseh war am Sonntagabend geschlossen worden.

Der Großteil von Damaskus steht unter Kontrolle der Regierungstruppen, lediglich sechs Viertel am Stadtrand sind in Rebellenhand. Präsident Baschar al-Assad sieht die Evakuierungen als Mittel, um die Gewalt in dem jahrelangen Bürgerkrieg einzudämmen. Die Vereinten Nationen kritisieren dagegen nicht nur die Belagerungen von Rebellengebieten im Vorfeld, sondern auch die Evakuierungen selbst als Vertreibung. Der nun geräumte Bezirk Barseh im Nordwesten von Damaskus war in den vergangenen Monaten Schauplatz heftiger Kämpfe.

Die jetzt angelaufene Evakuierungsaktion ist nicht die erste ihrer Art: In den vergangenen Jahren waren die Rebellen gezwungen, immer mehr Städte zu räumen. So wurde im Mai 2014 nach jahrelanger Belagerung die Altstadt der einstigen Rebellenhochburg Homs evakuiert. Ende Dezember 2016 waren die Rebellen gezwungen, auch die letzten Viertel im Ostteil der Wirtschaftsmetropole Aleppo aufzugeben. Regierung und Rebellen hatten sich in den vergangenen Monaten auch auf die Evakuierung von vier weiteren belagerten Städten verständigt.

Regime gegen UN-Truppen in Schutzzonen

Unterdessen hat die syrische Führung einen Einsatz von UN-Friedenstruppen in den neu eingerichteten sogenannten Schutzzonen abgelehnt. Russland habe deutlich gemacht, dass Militärpolizei in den vier Zonen eingesetzt werde und keine Friedenstruppen unter UN-Aufsicht, sagte Syriens Außenminister Walid al-Muallim in Damaskus. Offen blieb, welche Militärpolizei gemeint ist.

Vergangenen Donnerstag hatten Russland, die Türkei und der Iran im kasachischen Astana ein Memorandum unterzeichnet, dass die Schaffung von vier Zonen vereinbart, in denen Zivilisten in dem Bürgerkriegsland sicher sein sollen. Die Regierung und die Rebellen sind nicht direkt an dem Memorandum beteiligt. Mehrere Rebellengruppen und auch die US-Regierung kritisierten die die Vereinbarung. wegen der Beteiligung Irans.

Der syrische Außenminister betonte, seine Regierung werde scharf auf jeden Verstoß in den Zonen reagieren. Es sei noch zu früh, um zu sehen, ob die Einrichtung der Zonen ein Erfolg sei, sagte Al-Muallim. Am Wochenende hatten Aktivisten von Verstößen gegen die vereinbarte Waffenruhe berichtet. Allerdings habe die russische Luftwaffe keine Angriffe mehr geflogen. Der genaue Grenzverlauf der Schutzzonen soll noch festgelegt werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. Mai 2017 um 17:30 Uhr.

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