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Ein Jahr nach der Räumung der Dale Farm

Der Millionen-Flop von Basildon

Nach langem erbitterten Streik war im vergangenen Oktober die Wohnwagen-Siedlung Dale Farm in Großbritannien gewaltsam geräumt worden. 80 Familien der Irish-Traveller-Bewegung wurden vertrieben, die Aktion kostete Millionen. Ein Jahr später gleicht das Grundstück, das renaturiert werden sollte, einer Müllkippe.

Von Sebastian Hesse, ARD-Hörfunkstudio London

Nach der Räumung der Dale Farm in Essex blieb Müll zurück. (Foto: Sebastian Hesse)
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Ein Jahr nach der Räumung gleicht die ehemalige Caravan-Siedlung einer Müllkippe.

"Noch kann ich kein grünes Feld entdecken", sagt Nora Sheridan, halb scherzend, halb bitter. Wir sitzen im Wohnwagen der alleinerziehenden Mutter. Hier lebt sie mit ihren vier Kindern in einem Raum. Wie so viele der 80 Familien, die heute vor einem Jahr aus ihrer Caravan-Siedlung vertrieben wurden, ist sie trotzig dageblieben, hat einfach ihren Wohnwagen an den Straßenrand gestellt.

"Andere Traveller sind dazugekommen, wegen der lieblichen Landschaft, der hübschen Strände, des tollen Nachtlebens", scherzt sie. In Wahrheit ist das ehemalige Dale Farm-Gelände zu einer Müllhalde verkommen, auf der sich die Ratten tummeln. Und hat sich nicht in einen renaturierten Grüngürtel verwandelt, wie die Gemeinde Basildon versprochen hatte.

Das war der Grund für die Zwangsräumung: Die Irish Traveller hätten ihre Caravan-Siedlung ohne Baugenehmigung auf einem Flurstück errichtet, das laut Flächennutzungsplan ein Grüngürtel hätte sein sollen. Bei der Räumung wurden Wasser- und Abwasseranschlüsse sowie die Elektrizitätsversorgung, die man den Travellern zuvor verkauft hatte, kurzerhand abgeklemmt.

Ein Jahr nach Räumung des Irish Traveller-Lagers Dale Farm
S. Hesse, MDR London
19.10.2012 02:05 Uhr

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"Es ist zum Verzweifeln"

"Das Leben ist ein Elend", klagt Nora. "Kein Wasser, kein Strom, keine Duschen, keine Toiletten." Wie ihre Nachbarin Mary und die übrigen Vertriebenen holt sie Wasser bei Nachbarn, die in einem konventionellen Haus leben. Sie betreibt einen Notstrom-Generator und schickt ihre Kinder zum Duschen ins örtliche Schwimmbad.

Mary geht's ganz ähnlich: "Es ist zum Verzweifeln." Doch keine der Traveller-Familien ist weitergezogen: Weil sie nicht wissen wohin. Weil sie als Gemeinschaft nicht auseinander gerissen werden wollen. Und vor allem, weil ihre Kinder weiter in die benachbarte Cray's Hill-Grundschule gehen sollen. Sie sind die erste Traveller-Generation, die lesen und schreiben lernt. "Deswegen wollen wir dahin zurück, wo wir waren. Oder irgendwo in der Nähe eine neue Wohnwagen-Siedlung errichten - legal!"

Gemeinde will Thema totschweigen

Räumung der Dale Farm in Essex. (Foto: Sebastian Hesse)
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Die Polizei hatte die Dale Farm 2011 gewaltsam geräumt.

Doch die Gemeinde Basildon fühlt sich nicht in der Pflicht: Sie hat die illegale Dale Farm-Siedlung beseitigt, viel Kritik einstecken müssen und eine aberwitzige Millionensumme dafür ausgegeben. Jetzt will sie am liebsten nichts mehr darüber hören. Für den Verbleib der Vertriebenen jedenfalls interessiert sich die Stadtverwaltung nicht: "Niemand ist in den vergangenen 12 Monaten vorbeigekommen", klagt Mary. Und Nachfragen der Bürger, warum die Stadt nicht den versprochenen Grüngürtel anlegt, wurden mit dem Argument abgeschmettert, das Land gehöre ja den Travellern und die seien verantwortlich. "Außer für die, die mal hier gewohnt haben, ist das Ganze echt ein schlechter Scherz", meint Mary.

Die größte Ironie aber liegt darin, dass der erbittertste Dale Farm-Gegner von einst inzwischen die Gemeinde Basildon verklagt hat. Len Gridley, ein unmittelbarer Nachbar, hatte wie kein anderer für die Zwangsräumung gestritten. Aus Angst um den Wert seines Grundstücks. Jetzt, ein Jahr später, sehnt er sich nach den Travellern zurück: "Damals war Dale Farm wenigstens ein Dorf, wenn auch ein illegales", sagt er. "Heute ist es eine Müllkippe!" Sein Grundstück bewerten Makler als unverkaufbar - dafür will Gridley jetzt von der Gemeinde entschädigt werden.

Stand: 19.10.2012 02:39 Uhr

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