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Nach Deutschland und den USA hat auch Kanada offiziell den Dalai Lama empfangen und damit Verärgerung in China ausgelöst. Der kanadische Premierminister Stephen Harper traf das Oberhaupt der Tibeter in seinem Büro in Ottawa zu einem 40-minütigen Gespräch, wie der kanadische Staatssekretär für multikulturelle Angelegenheiten, Jason Kenney, sagte. Bei der Begegnung sei es um Themen wie Menschenrechte, die Geschichte Tibets und die Not des tibetischen Volkes, aber auch um den Nato-Einsatz in Afghanistan gegangen. Der Dalai Lama wurde bei seinem Besuch zum kanadischen Ehrenbürger ernannt.
[Bildunterschrift: Trafen sich zu einem 40-minütigen Gespräch in Ottawa: Der Dalai Lama und Kanadas Premier Stephen Harper ]
Kenney wies die Warnung Chinas zurück, wonach ein Empfang des Dalai Lamas die chinesisch-kanadischen Beziehungen belasten würde. Die Handelsbeziehungen seien auch in der Vergangenheit trotz Harpers Kritik an der Menschenrechtslage in China stetig gewachsen, sagte er. Das chinesische Außenministerium hatte in einer kanadischen Zeitung eine Erklärung veröffentlicht, in der es dem Dalai Lama "separatistische Aktivitäten unter dem Deckmantel der Religion" vorwarf. Auch die chinesische Botschaft kritisierte den Empfang scharf: "Das ist eine eklatante Einmischung in Chinas innere Angelegenheiten, die die Gefühle des chinesischen Volks schwer verletzt und dem Verhältnis zwischen China und Kanada schwer schadet", erklärte Generalkonsul Sun Lushan. Kenney sagte, es sei "kontraproduktiv, einen 72 Jahre alten, pazifistischen buddhistischen Mönch anzugreifen, der nichts als die kulturelle Unabhängigkeit seines Volkes verlangt."
Der Dalai Lama nannte seinen Besuch in Kanada "unpolitisch". Sein wichtigstes Anliegen sei das Werben für "menschliche Werte und religiöse Eintracht", sagte er. Kanada sei ein Vorbild für das Zusammenleben verschiedener Völker. Die chinesische Regierung könne von Kanada lernen, wie ein Gefühl der Zusammengehörigkeit auf der Basis gegenseitigen Respekts geschaffen werden könne.
Der im Exil lebende Friedensnobelpreisträger setzt sich für die Autonomie Tibets ein, nicht für die Unabhängigkeit von China. Trotzdem wertet China einen Empfang des Dalai Lama als Einmischung in innere Angelegenheiten. Erst vor rund zwei Wochen hatte der gemeinsame öffentliche Auftritt von US-Präsident George W. Bush mit dem Dalai Lama in Washington schwere Verstimmungen in den amerikanisch-chinesischen Beziehungen ausgelöst. Bush würdigte das Oberhaupt der Tibeter vor dem US-Kongress, der ihn mit seiner höchsten Medaille auszeichnete. Tags zuvor hatte Bush den Dalai Lama in einer als privat deklarierten Begegnung im Weißen Haus empfangen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte den Dalai Lama im September in Berlin empfangen und sich scharfe Kritik aus Peking eingehandelt.
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