Das "House of Parliament" in London

Britisches Parlament Hackerangriff auf Abgeordnete

Stand: 25.06.2017 02:21 Uhr

Das britische Parlament ist von Hackern attackiert worden. Wegen "ungewöhnlicher Aktivitäten" sperrte die Parlementsverwaltung den Fernzugriff auf E-Mails von Abgeordneten. Ein Minister nannte den Angriff "nicht überraschend".

Das britische Parlament ist Ziel einer Cyberattacke geworden. Es habe einen "anhaltenden und entschlossenen" Hacker-Angriff auf alle Nutzerkonten gegeben, informierte die Parlamentsverwaltung die Abgeordneten in einer E-Mail. Eine Parlamentssprecherin sagte, es seien umgehend Gegenmaßnahmen eingeleitet worden.

In der Nachricht an die Abgeordneten hieß es, am Samstagmorgen seien "ungewöhnliche Aktivitäten entdeckt worden und Hinweise auf eine versuchte Cyberattacke auf unser Computernetzwerk". "Nähere Untersuchungen haben bestätigt, dass Hacker einen anhaltenden und entschlossenen Angriff auf alle Nutzerkonten des Parlaments vornahmen", hieß es weiter.

Henry Smith MP @HenrySmithUK
Sorry no parliamentary email access today - we're under cyber attack from Kim Jong Un, Putin or a kid in his mom's basement or something...

"Keine Überraschung"

Angreifer hatten versucht, Zugang zu Nutzerkonten von Abgeordneten und Mitarbeitern des Unterhauses zu bekommen. Als Reaktion sei der externe Zugang zum Parlaments-Netzwerk gesperrt worden. Abgeordnete hatten damit außerhalb des Parlaments keinen Zugriff mehr auf ihre E-Mail-Konten. Britische Medien, darunter die "Times", hatten zuvor berichtet, Hacker hätten Passwörter von Abgeordneten im Internet zum Verkauf angeboten. Bislang ist unklar, wieviele Abgeordnete von dem Hackerangriff betroffen waren.

Die Attacke sei keineswegs überraschend, sagte der Minister für internationalen Handel, Liam Fox, der BBC. Es sei bekannt, dass Hacker britische Behörden attackieren. Für Fox ist der Cyberangriff eine "Warnung an alle, dass wir mehr Sicherheit und bessere Passwörter brauchen".

Labour-Chef Jeremy Corbyn forderte höhere Investitionen in die Cyber-Sicherheit. Dies sei ein riesiges Problem.

"WannaCry" traf zuerst Großbritannien

Vergangenen Monat hatte es einen groß angelegten internationalen Hackerangriff gegeben, der insbesondere auch das britische Gesundheitswesen traf. Mehrere Krankenhäuser in Großbritannien mussten ihren Betrieb vorübergehend einstellen. In Deutschland war die Bahn betroffen, in Spanien der Konzern Telefónica, in Russland das Innenministerium. Betroffen waren hunderttausende Computer in 150 Ländern. Die Angreifer hatten die Schadsoftware "WannaCry" genutzt, um Computerdaten zu verschlüsseln. Sie verlangten ein Lösegeld, um die Daten wieder freizugeben.

Auch der Bundestag war in der Vergangenheit bereits das Ziel von Hackerangriffen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Juni 2017 um 04:53 Uhr.

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