Mars-Roboter "Curiosity" entdeckt organische Teilchen Zweifelhafter Fund auf dem Roten Planeten

Stand: 04.12.2012 05:11 Uhr

Seit vier Monaten sucht der Rover "Curiosity" auf dem Mars nach Spuren von Leben. Jetzt hat der Forschungsroboter dort auch tatsächlich organische Kohlenstoff-Moleküle entdeckt. Die Wissenschaftler stellen aber ihren eigenen Fund infrage - es könnte sein, dass "Curiosity" die Teilchen selbst mitgebracht hat.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Hörfunkstudio Los Angeles

Es ist ein bisschen wie ein Kind, das im Sandkasten spielt: Mit einer Schaufel hat der Mars-Erkundungsroboter "Curiosity" Proben eingesammelt. Staub und Sand, mit Körnchen etwas feiner als Zucker, aber nicht so fein wie Mehl. Daraus hat "Curiosity" eine Art Sandkuchen gebacken, sprich: Die Substanz auf fast tausend Grad erhitzt.

Leben auf dem Mars?
W. Stuflesser, ARD Los Angeles
04.12.2012 03:44 Uhr

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Die Gase, die dabei entweichen, zeigen, woraus der Mars-Schmutz besteht: Mineralien, klar, außerdem Sauerstoff, Chlorgas - aber eben auch Kohlenstoffverbindungen. Und beim Kohlenstoff, da geht es für die Wissenschaftler um Leben und … naja, nicht Tod, aber zumindest Nicht-Leben. Denn sie sind die Grundlage allen irdischen Lebens. Der Stengel einer Pflanze, der Muskel eines Tieres: Immer ist Kohlenstoff drin.

Gab es also Leben auf dem Mars? John Grotzinger, Chef des Curiosity-Forscherteams am California Institute of Technology, ist eher zurückhaltend: Es sei eine Substanz, sagt er, die übereinstimme mit biologischem Material. Wohlgemerkt: "Übereinstimmt mit", das heißt nicht, dass es sich wirklich um biologisches Material handelt. Die Kohlenstoffverbindungen könnten nämlich auch durch ganz andere chemische Reaktionen entstanden sein.

Mars-Roboter "Curiosity" bei der Arbeit auf der Marsoberfläche | Bildquelle: dapd
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Wie ein Kind, das im Sandkasten spielt: Mars-Roboter "Curiosity" bei der Arbeit auf der Marsoberfläche

Spuren von Mars-Roboter "Curiosity" im Mars-Sand | Bildquelle: AFP
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Spuren im Sand: Abdrücke von "Curiosity". Die einzelnen Schichten im Marsboden sind deutlich zu erkennen.

Das wäre aber gar nicht so schlimm, sagt Grotzinger: "Wir bewegen den Rover durch die Gegend und versuchen die Orte zu finden, wo organische Substanzen sich erhalten konnten. Und auch wenn sie nichts mit Leben zu tun haben, dann zeigen sie uns wenigstens: Das ist die Art Umgebung, wo sich auch biologisches Material erhalten könnte." Leben oder die Möglichkeit zu leben - das ist aus wissenschaftlicher Sicht fast schon dasselbe.

Deutlich genauer nehmen es die Forscher mit der Herkunft der Substanzen. Es könnte nämlich sein, dass der Kohlenstoff gar nicht vom Mars stammt, sondern dass "Curiosity" ihn von der Erde mit eingeschleppt hat - wie ein Kind, das sich nicht richtig die Hände gewaschen hat. "Curiosity" habe halt eine große Oberfläche, sagt Chef-Wissenschaftler Grotzinger, und sei schmutzig. Natürlich wurde "Curiosity" mehrmals gereinigt, aber es geht hier halt um kleinste Mengen einer Substanz, da kann sich schon mal was in einer Ritze verstecken.

Jetzt wollen die Wissenschaftler also ganz genau prüfen, woher die gefundenen Kohlenstoff-Moleküle stammen - und das kann noch eine Weile dauern. Kein Wunder, dass die Marsmission auf zwei Jahre angelegt ist und zweieinhalb Milliarden Dollar kostet.

Aber der Mars ist es uns offenbar wert, er fasziniert uns Menschen eben mehr als andere Planeten. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Science" berichten Wissenschaftler zum Beispiel, dass sie fast sicher große Kohlenstoff-Vorkommen auf dem Merkur entdeckt haben - und trotzdem schauen jetzt alle wieder nur auf den Mars.

Dieser Beitrag lief am 4. Dezember 2012 um 10:38 Uhr auf NDR Info.

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