Proteste vor Prozess gegen Cumhuriyet-Mitarbeiter | Bildquelle: dpa

Prozessbeginn in der Türkei "Cumhuriyet"-Mitarbeiter vor Gericht

Stand: 24.07.2017 10:29 Uhr

"Cumhuriyet"-Chefredakteur Engin hat schon so einiges erlebt - mehrfach saß er im Gefängnis. Doch was seinen angeklagten Mitarbeitern vorgeworfen wird, ist für ihn beispiellos. Heute hat ihr Prozess begonnen, auf dem Spiel steht die Zukunft der Oppositionszeitung.

Von Reinhard Baumgarten, ARD-Studio Istanbul

Aidyn Engin, der Chefredakteur von Cumhuriyet | Bildquelle: REUTERS
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Aidyn Engin, der Chefredakteur von Cumhuriyet

Aydin Engin ist 77 Jahre alt und der praktizierende Chefredakteur der Tageszeitung "Cumhuriyet". "Jeden Tag führe ich drei bis vier Interviews mit internationalen Medien. Wenn das so weitergeht, werde ich noch prominent. Vielleicht bekomme ich noch ein Angebot für einen Spielfilm, wer weiß?", sagt er.

Der Mann mit den blitzenden Augen und dem wachen Geist ist eigentlich schon seit 15 Jahren im Ruhestand. Aber Journalismus ist für ihn mehr als ein Beruf - es ist seine Berufung, seine Leidenschaft, seine Mission. Und die Zeitung? Eine anhaltende Liebesgeschichte.

Die türkische Tageszeitung Cumhuriyet: Interview mit Chefredakteur Engin
23.07.2017

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"Dreieinhalb Militärputsche erlebt"

"17 Republikaner auf der Anklagebank" - das ist der Titel seines jüngsten Leitartikels. Es geht um den Prozess gegen die Mitarbeiter seiner Zeitung. Am 31. Oktober vergangenen Jahres stürmten Polizisten die "Cumhuriyet"-Redaktion im Istanbuler Stadtteil Şişli und nahmen zahlreiche Menschen fest. Darunter war zwischenzeitlich auch Engin.

"Ich bin daran gewöhnt", erzählt er. "Ich habe dreieinhalb Militärputsche erlebt. Insgesamt war ich sechs Jahre und sieben Monate im Gefängnis. Nicht einmal, sondern ratenweise saß ich im Gefängnis. Deshalb hat der 31. Oktober 2016 bei mir nichts geändert."

Auch nach dem Putsch von 1980 wurde Engin ins Gefängnis gesteckt. Durch ein Missverständnis kam er frei und setzte sich nach Deutschland ab. In Frankfurt am Main schlug er sich als Taxifahrer durch.

Aktuell würden mit jedem Tag die Sicherheitsmaßnahmen verschärft, berichtet Engin. Sonderkommandos der Polizei stünden um das Gebäude herum. Es gebe Hinweise auf einen geplanten Anschlag durch die IS-Terrormiliz, heißt es.

Die "Cumhuriyet" ist eine Einzelkämpferin in der Türkei

"Die Arbeitsbedingungen sind schwieriger geworden. Ich habe seit Juli vergangenen Jahres keinen Urlaub mehr gemacht. Die jüngeren Kollegen sind kurz vor einer Erschöpfungsdepression. Aber wir können uns nicht den Luxus leisten, uns zu beschweren."

50.000 bis 70.000 Exemplare ist die Auflage stark. Ein Fels in der Brandung? Nein, das sei sein Blatt nicht, sagt Aydın Engin schmunzelnd. Die "Cumhuriyet" sei in der heutigen Medienlandschaft der Türkei eine Einzelkämpferin. "Heute kontrollieren Erdogan und die AKP 70 Prozent aller Medien in der Türkei. Und man darf nicht annehmen, die restlichen 30 Prozent seien unabhängig und einem Berufsethos verpflichtet. Sie sind in gewisser Weise sterilisiert", erklärt Engin.

Prozess gegen Cumhuriyet-Journalisten hat begonnen
tagesthemen 22:55 Uhr, 24.07.2017, Katharina Willinger, ARD Istanbul

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"Unverschämte Anklageschrift"

Unterstützung und Propaganda für Terrororganisationen - so lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. "Ich bin ein erfahrener Journalist und habe mehrere Prozesse erlebt. Solch eine unverschämte Anklageschrift habe ich noch nie gesehen", sagt der Journalist.

Elf der angeklagten "Cumhuriyet"-Mitarbeiter sind in U-Haft, sechs unter Auflagen frei oder flüchtig. Nach den Plädoyers Ende der Woche muss der Richter entscheiden, ob die U-Haft aufgehoben, verlängert oder gegebenenfalls sogar auf alle Beschuldigten ausgedehnt wird.

Aydin Engin müsste dann zurück ins Gefängnis. Das Oppositionsblatt "Cumhuriyet" ist eine der letzten unabhängigen Zeitungen in der Türkei. Seit dem Putschversuch sind an die 180 türkische Medien geschlossen oder unter Zwangsverwaltung gestellt worden. Dieses Schicksal könnte je nach Ausgang des Gerichtsverfahrens auch der "Cumhuriyet" drohen.

Christian Mihr, Reporter ohne Grenzen, im Gespräch
tagesschau24 12:00 Uhr, 24.07.2017

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Juli 2017 um 05:30 Uhr.

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