Ein Polizist vor dem dem Verlag der Cumhuriyet | Bildquelle: AFP

Nach Einreise in die Türkei "Cumhuriyet"-Herausgeber festgenommen

Stand: 11.11.2016 12:01 Uhr

Bei seiner Einreise in die Türkei ist der Herausgeber der Zeitung "Cumhuriyet", Atalay, festgenommen worden. Die Regierung geht seit dem gescheiterten Putsch im Juli gegen kritische Medien vor. Erst vergangene Woche wurden neun Mitarbeiter des Blattes inhaftiert.

Eine Woche nach der Festnahme von neun Mitgliedern der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" ist nun der Herausgeber der Zeitung, Akin Atalay, festgenommen worden. Er sei aus Deutschland kommend am Atatürk-Flughafen von Istanbul festgenommen worden, berichtete die Zeitung auf ihrer Homepage. Polizisten hätten ihn in einem Fahrzeug mitgenommen, das bereits auf dem Flugplatz bereitstand.

Fahndung nach Atalay seit mehreren Tagen

Bei der Festnahmewelle (darunter Chefredakteur Murat Sabuncu und weitere Führungsmitglieder) gegen "Cumhuriyet" am 31. Oktober hatte die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtet, dass nach Atalay gefahndet werde. Die türkische Staatsanwaltschaft wirft der Zeitung vor, in ihrer Berichterstattung den gescheiterten Militärputsch Mitte Juli "legitimiert" und Straftaten zugunsten der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen begangen zu haben. Gülen wird von der türkischen Regierung für den Putschversuch verantwortlich gemacht. Er lebt in den USA. Die Türkei hat einen Auslieferungsantrag gestellt.

Seit dem gescheiterten Putsch wurden mehr als 110.000 Richter, Lehrer, Polizisten und Beamte suspendiert oder entlassen, 36.000 Menschen wurden festgenommen. Zudem wurden mehr als 130 Medieneinrichtungen geschlossen. Laut der Türkischen Journalistenvereinigung (TGC) wurden 170 türkische Medien geschlossen, 105 Journalisten festgenommen und 777 Presseausweise für ungültig erklärt. Auf einer Skala der Organisation "Reporter ohne Grenzen" belegt die Türkei bei der Pressefreiheit für das Jahr 2016 den 151. Platz von 180 Ländern - zwei Plätze schlechter als im Jahr zuvor.

Prozess gegen Vertreter von "Reporter ohne Grenzen"

Seit Dienstag müssen sich der türkische Vertreter von "Reporter ohne Grenzen", Erol Önderoglu, und zwei weitere Aktivisten wegen "terroristischer Propaganda" vor einem Gericht in Istanbul verantworten. Zusammen mit Önderoglu sind die Vorsitzende der türkischen Menschenrechtsstiftung (TIHV), Sebnem Korur Fincanci, sowie der Schriftsteller und Journalist Ahmet Nesin angeklagt. Die Staatsanwaltschaft forderte 14 Jahre Haft für die drei Angeklagten. Ihnen wird zur Last gelegt, sich an einer Aktion für die prokurdische Zeitung "Özgür Gündem" beteiligt zu haben.

Bereits im Mai war der frühere "Cumhuriyet"-Chefredakteur Can Dündar nach der Veröffentlichung eines Artikels über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" in Syrien zu fünf Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden. Im Februar wurde er bis zum Berufungsverfahren auf freien Fuß gesetzt. Im Juli verließ er die Türkei und lebt seither in Deutschland.

Cumhuriyet-Herausgeber Atalay festgenommen
C. Buttkereit, ARD Istanbul
11.11.2016 13:49 Uhr

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Über dieses Thema berichteten u.a. tagesschau24 am 11. November 2016 um 11:00 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.

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