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10.02.2010

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Ausland
Drogenanbau in Afghanistan (Foto: dpa)
Afghanistan: Debatte um NATO-Antidrogenstrategie
NATO-Einsatz in Afghanistan

Craddock will die Drogenhändler jagen - alle

NATO-Oberbefehlshaber Craddock sieht sich im Recht: Mit seinem Befehl, Jagd auf alle afghanischen Drogenhändler zu machen, halte er sich an den Beschluss der Verteidigungsminister. Die hätten festgestellt: Die Händler finanzieren die Taliban.

Von Michael Becker, MDR-Hörfunkstudio Brüssel, zzt. Kabul

NATO-Oberbefehlshaber John Craddock wundert sich - die Aufregung in Deutschland über seinen vermeintlichen Tötungsbefehl kann er nicht verstehen. Er habe "nie einen ungesetzlichen oder illegalen Befehl erteilt", betont er. Beim Kampf gegen den Drogenhandel in Afghanistan gehe es vielmehr darum, "Leben zu retten".

Afghanische Bauern bei der Ernte in einem Mohnfeld in der Nähe von Kandahar (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Afghanische Bauern bei der Ernte in einem Mohnfeld in der Nähe von Kandahar (Archivbild vom 26.04.2005). ]
Craddock sagt auch, es gebe auch keinen Streit innerhalb der NATO über die Anti-Drogenstrategie in Afghanistan - so wie in deutschen Medien in der vergangenen Woche berichtet. Die Regie beim Kampf gegen den Drogenhandel liege bei den Afghanen - so wie es die politischen Vorgaben verlangten. "Es gibt eine afghanische Antidrogeneinheit - ihr Job ist es, die Drogeneinrichtungen zu zerstören und ihnen die Mittel wegzunehmen - und wir handeln auf ihre Anfrage - so funktioniert das", sagt er.

Einsätze könnten gemeinsam mit den afghanischen Kräften durchgeführt werden oder ohne sie - je nach dem, wie die Afghanen es wünschten.

"Es geht um Drogenhandel und Drogenlabore"

Ziel der Einsätze sei der geschäftsmäßige Drogenhandel - nicht etwa der Bauer, der Mohn anbaue, betont Craddock. "Hier geht es nicht um Mohnhändler, oder um die Vernichtung von Mohnfeldern, denn dann bringen wir die Bauern gegen uns auf. Es geht um den Drogenhandel und um Drogenlabore - ausschließlich".

Verbrennung von Drogen in Kandahar (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Verbrennung von Drogen in Kandahar, Afghanistan. (14.11.2008) ]
Allerdings: Bei den Drogenhändlern macht der NATO-Oberbefehlshaber keinen Unterschied. Für ihn steht fest, dass der Drogenhandel generell die Taliban finanziert. Craddock geht davon aus, dass diese Verbindung grundsätzlich besteht - dafür gebe es "erdrückende Beweise".

Diesen Zusammenhang hätten auch die NATO-Verteidigungsminister im Oktober in Budapest festgestellt, meint Craddock - als sie beschlossen, dass die Afghanistan-Schutztruppe auch gegen den Drogenhandel zum Einsatz kommen kann: "Der NATO-Rat hat bestätigt, dass es eine Verknüpfung gibt zwischen Drogenhandel und Taliban."

Guter Drogenhändler, schlechter Drogenhändler?

Das sehen nicht alle so: Genau genommen hatten die Verteidigungsminister festgelegt, dass Einsätze gegen Drogenhändler möglich sind, vorausgesetzt es gibt eine Verbindung zu den Taliban. Im Umfeld des NATO-Oberbefehlshabers heißt es, es sei häufig schlicht unmöglich festzustellen, ob ein Drogenhändler die Taliban finanziere oder nicht. Eine Trennung zwischen guten und schlechten Drogenhändlern sei absurd, meinte ein ranghoher Offizier im Stab des NATO-Oberbefehlshabers.

Craddock betonte, er habe die Einsatzregeln für die Soldaten bei Antidrogeneinsätzen vor wenigen Tagen genehmigt. Ausgearbeitet habe sie der deutsche NATO-General Egon Ramms, NATO-Kommandeur in Brunssum, wo der Afghanistan-Einsatz koordiniert wird.

Es sei nun an der Zeit, sagte Craddock, endlich mit dem Kampf gegen den Drogenhandel anzufangen. Mitte des Monats will er den NATO-Verteidigungsministern in Krakau über die Fortschritte berichten.

Stand: 03.02.2009 05:14 Uhr
 

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