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Ein Jahr nach dem Schiffsunglück
Giglio gedenkt der Opfer der "Costa Concordia"
Mit Sirenengeheul und Gebeten sind am späten Sonntagabend die Gedenkfeiern zum Jahrestag des Untergangs der "Costa Concordia" beendet worden. Auf der italienischen Insel Giglio hatten sich im Hafen Überlebende und Angehörige der 32 Todesopfer des Unglücks versammelt.
Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom
Um 21.45 Uhr wird es ganz still auf der Insel. Es ist der Moment, in dem die "Costa Concordia" vor genau einem Jahr einen Felsen vor Giglio rammte und dann wenig später manövrierunfähig vor der Hafeneinfahrt liegen blieb.
Mit Sirenen erinnert Giglio in der Nacht an diesen dramatischen Moment, in dem die kleine Insel mit einer gigantischen Katastrophe konfrontiert wurde. Bürgermeister Sergio Ortelli blickt zurück: "Vor einem Jahr war unsere Insel die Bühne für eine schlimme Tragödie, die viele Nationen betraf. Und das hat unsere Geschichte und unser Leben einschneidend verändert."
Angehörige und Überlebende gedenken der Opfer
T. Kleinjung, ARD Rom zzt. Giglio
13.01.2013 12:22 Uhr
Das Trauma bleibt
Auch das Leben von Bernhard Sperger aus Kelheim in Niederbayern hat sich mit der Kreuzfahrt auf der "Costa Concordia" einschneidend verändert. Er und seine Frau haben die Havarie zwar ohne Verletzungen überstanden, das Trauma aber bleibt.
Auch deshalb sind die Spergers noch einmal an den Ort des Unglücks zurückgekehrt, sagt Sperger: "Das ist unheimlich aufwühlend, das geht einem bis ins Mark. Auf der Herfahrt, als das Schiff erkennbar war, war das ein ganz schlimmes Gefühl. Das war so ein prächtiges Schiff und jetzt ist es nur noch ein rostiger Eisenhaufen."
Gedenkfeiern zum Unglück der "Costa Concordia" beendet
ARD-Morgenmagazin, 14.01.2013
Schwimmende Stadt an der Unglücksstelle
Noch immer liegt die Costa Concordia dort, wo sie am 13. Januar 2012 strandete. Rundherum ist eine schwimmende Stadt entstanden, von der aus Arbeiter rund um die Uhr versuchen, die Costa Concordia zu entfernen. Im September soll es spätestens soweit sein.
"Wir haben das gebraucht, um abzuschließen. Es ist gut zu sehen, dass etwas passiert und etwas getan wird für das Meer, das Schiff und die Leute", sagt Bernhard Sperger.
Die Gedenkfeiern haben viele Menschen wieder auf die Insel geführt, die vor einem Jahr bereits dort waren - unter anderen Umständen: Die Rettungskräfte der Feuerwehr, die rund um die Uhr nach Vermissten gesucht hatten, die Journalisten aus aller Welt, die über die Rettungs- und Bergungsarbeiten berichtet hatten und Menschen wie Marco Baccani aus Florenz, der als Schiffbrüchiger aus dem kalten Wasser gezogen worden war: "Ich möchte vor allem den Menschen danken, die uns geholfen haben: ser Apothekerin, die meiner Frau Schuhe geliehen hatte - Sie hatte ihre verloren. -, und den Leuten von der Bar, die uns auf einen Capuccino eingeladen hatten. Wir hatten ja gar nichts mehr."
Angehörige und Überlebende trauern gemeinsam
32 Menschen haben bei dem Untergang der Costa Concordia ihr Leben verloren. Viele Angehörige haben das Angebot der Costa Reederei angenommen, am Jahrestag noch einmal auf die Insel zurückzukehren. Es fließen viele Tränen - vor allem als eine Gedenktafel mit den Namen der Todesopfer im Hafen enthüllt wird.
Auch die Verantwortlichen der Costa Reederei sind anwesend, sie halten sich im Hintergrund, Der Vorstandsvorsitzenden Michael Thamm gab nur ein knappes Statement: "Ich glaube, das ist ein Tag für die Opfer und für die Familien der Opfer, mit denen wir gemeinsam trauern."
Auch Unglückskapitän Francesco Schettino meldet sich zu Wort - in Interviews aus dem Hausarrest. "Wenn mich der Steuermann richtig verstanden hätte, wäre nichts passiert", sagt er zu seiner Entschuldigung. Bald wird er das noch einmal wiederholen, dann vor Gericht. Der Prozess gegen Schettino soll in wenigen Wochen in Grosseto beginnen.
Stand: 14.01.2013 00:45 Uhr
