Bergung der "Costa Concordia": Länger, komplizierter, teurer

Bergung des Kreuzfahrtschiffes

Viel länger, viel teurer

Nach dem Unglück vor einem Jahr hieß es zunächst, die "Costa Concordia" könne binnen drei Wochen geborgen werden. Aber das Schiff liegt noch immer dort, wo es havarierte. Italiens Zivilschutzchef erklärte nun, frühestens im September solle es an Land gezogen werden. Gesamtkosten: 400 Millionen Euro.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom, zzt. Giglio

Eine Gruppe von Umweltschützern ist auf Giglio gelandet und hat ein großes Transparent entrollt: "Das Schiff muss weg - sofort". Damit sprechen die Aktivisten den Bürgern von Giglio aus der Seele. Die werden nämlich langsam ungeduldig, weil das gigantische Kreuzfahrtschiff immer noch dort liegt, wo es vor einem Jahr havarierte.

Rund um das Wrack ist vor Giglio eine schwimmende Stadt entstanden.
galerie

Rund um das Wrack ist vor Giglio eine schwimmende Stadt entstanden. (Foto: Tilmann Kleinjung)

Erst hieß es, innerhalb eines Jahres komme das Schiff weg, dann Ende Mai 2013 und jetzt ist auch dieser Termin nicht mehr zu halten. Italiens Zivilschutzchef Franco Gabrieli musste sich heute für diese Verzögerung rechtfertigen: "Ich war doch der erste, der von sieben bis zehn Monaten sprach, als alle noch von 20 Tagen ausgingen", verteidigt er sich. "Und auch als wir das Projekt Mitte Mai abgesegnet haben, wussten wir, dass wir erst einmal überprüfen müssen, ob das, was wir auf dem Papier geplant haben, auch wirklich machbar ist."

"September ist sie weg"

Heute ist man überzeugt: Es ist machbar. Die "Costa Concordia" kann wieder aufgerichtet und von Giglio weggeschleppt werden. Die amerikanische Spezialfirma Titan Salvage muss diesen ehrgeizigen Plan umsetzen. Nick Sloan ist der verantwortliche Ingenieur. Er versichert, dass die Concordia bis zum Herbst von der Insel entfernt ist: "Wir richten die Concordia Ende Juni auf und dann sechs, sieben Wochen später ist sie wieder fahrtüchtig, August, September ist sie weg."

Animation: So soll die Bergung funktionieren
11.01.2013, A. Caspari, ARD-aktuell

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

430 Ingenieure, Techniker und Taucher arbeiten rund um die Uhr daran, den Zeitplan einzuhalten. Auf der Insel bekommt man davon nicht viel mit. Die Spezialisten haben eine künstliche Stadt rund um die "Costa Concordia" errichtet. Eine schwimmende Containerstadt mit Schlafzimmern, Mensa und Fitnessraum. Selbst für einen Mann wie Nick Sloan, der schon viele große Schiffe geborgen hat, ist das eine einzigartige Erfahrung. "Das ist die größte Schiffsbergung, die es jemals gab", sagt er.

"Wie Schwimmflügel für Kinder"

Sloan belegt das mit ein paar Vergleichen: Allein die künstliche Plattform, die gerade unter dem Schiff errichtet wird, ist größer als ein Fußballfeld. Gigantisch sind auch die Stahlkästen, die in einem zweiten Schritt an dem Schiff angebracht werden.

"Die sind wie Schwimmflügel für Kinder", erklärt Sloan. "Wir befestigen an der Außenseite des Schiffes solche Schwimmflügel, aber die sind groß. Der größte Stahlkasten ist elf Stockwerke hoch, zehn Meter breit und zehn Meter tief." Die Stahlkästen müssen am Ende das Schiff tragen, denn von selbst kann die Concordia mit ihren Löchern und Rissen im Rumpf nicht mehr schwimmen.

Angehörige und Überlebende gedenken der Opfer
T. Kleinjung, ARD Rom zzt. Giglio
13.01.2013 12:22 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Es gibt noch viele Unwägbarkeiten bei diesem Projekt, zum Beispiel den Umwelt- und Gewässerschutz. Bisher, heißt es, sind noch keine irreparablen Schäden entstanden. Doch letzte Sicherheit gibt es erst, wenn das Schiff aufgerichtet und abgeschleppt ist. So gibt es zum Beispiel im Inneren des Schiffes eine hohe Konzentration von Wasser, von der noch nicht klar ist, ob es mit Ölen oder anderen gefährlichen Flüssigkeiten verunreinigt ist, wie Maria Sargentini von der Region Toskana erklärt: "Es geht um 230.000 Kubikmeter Wasser. Wir erforschen das in diesem Moment, um zu wissen, was uns erwartet, wenn das Schiff aufgerichtet wird."

Die größte und aufwendigste Schiffsbergung aller Zeiten hat vor allem einen großen Nachteil: Es gibt keine Erfahrungswerte, keine vergleichbaren Projekte. Wohl auch deshalb wird dies die teuerste Schiffsbergung aller Zeiten. Am Ende wird die Costa Reederei dafür wohl 400 Millionen Euro ausgeben müssen, das sind 170 Millionen mehr als geplant.

Teuer und kompliziert: Die Bergung der "Costa Concordia"
tagesschau 09:05 Uhr, 13.01.2013, Peter Dalheimer, ARD Rom

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Stand: 12.01.2013 17:52 Uhr

Darstellung: