Im Prozess hofft "Costa"-Kapitän auf Strafmilderung

Francesco Schettino im Gerichtssaal (Bildquelle: AFP)

Prozess gegen "Costa Concordia"-Kapitän

Schettino hofft auf Strafmilderung

Der "Costa Concordia"-Kapitän Schettino hofft auf einen strafmildernden Deal. Darüber werden die Richter in den kommenden Tagen entscheiden - mit einem Urteil wird dagegen erst 2014 gerechnet. Denn noch sind viele Fragen offen.

Von Gregor Hoppe, ARD-Hörfunkstudio Rom

Im Laufe des ersten Verhandlungstags ist Francesco Schettino offensichtlich lockerer geworden. Vielleicht auch, weil er selbst den Eindruck gewann, dass es bis zu einem Urteil in erster Instanz noch recht lange dauern könnte.

Das Wrack der "Costa Concordia" vor der Insel Giglio (Bildquelle: AP)
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Das Wrack der "Costa Concordia" vor der Insel Giglio

Zunächst mussten die Richter entscheiden: Die Reederei "Costa Crociere", Eigentümerin des gekenterten Schiffs, bleibt Nebenklägerin. Andere Nebenkläger und deren Vertreter hatten dies beanstandet. Die Reederei trage außergerichtliche Einigungen schon mit, gestehe damit Mitschuld. Das wies das Gericht ab.

Dennoch wird ein Vertreter einer Hinterbliebenenfamilie versuchen, Schadensersatz von der Reederei zu erstreiten. Schließlich sei die Reederei "Costa Crociere" für Schettino im zivilrechtlichen Sinne verantwortlich, "also werden wir den Schadensersatz direkt von der Reederei verlangen".

Schettinos Anwälte sehen mehrere Leute in der Verantwortung

Wäre es dann für die Verteidiger des Kapitäns Schettino nicht auch klug, der Reederei so viel Verantwortung wie nur irgend möglich zuzuschieben? Francesco Pepe, einer der Anwälte, sagt, sein Mandant suche keinen Sündenbock und wolle die eigene Schuld nicht von sich weisen: "Wir wollen nur, dass das Gericht sämtliche Verantwortlichkeiten klärt! Die unseres Mandanten, der der Kommandant war, und seine Verantwortung nie geleugnet hat, aber gerechterweise darf er auch nur diese zugewiesen bekommen."

Sicherlich gebe es aber noch mehr Verantwortlichkeiten, so der Anwalt des Kapitäns: "Nicht von ungefähr gibt es ja eine Reihe von Personen, die entweder schon Entschädigungen erhalten haben, oder aber verminderte Strafen auf sich zu nehmen bereit sind." Er fordert deshalb, seinen Mandanten strafrechtlich so zu bewerten, dass es korrekterweise auch seiner Verantwortung entspreche.

Anwälte bieten Deal an: mildere Strafe gegen Schuldeingeständnis

Und doch erneuert das Anwaltsteam um Schettino ein Kompromissangebot, das das Gericht schon einmal verwarf: drei Jahre und fünf Monate Haft würde Schettino hinnehmen – wenn keine Beweisaufnahme stattfindet, und damit eine schwerere Schuld also erst gar nicht erwiesen werden könnte. Kaum vorstellbar, dass das Gericht nun hinnimmt, was es schon einmal verwarf.

Am Samstag werden die Richter wohl über die im Raum stehenden abgekürzten Verfahren der Mitangeklagten befinden. Der Steuermann, zwei Offiziere, zwei weitere Beschäftigte der Reederei: sie würden dann ohne Hauptverhandlung verminderte Haftstrafen antreten, von einem halben bis zu drei Jahren.

Prozess gegen ehemaligen "Costa Concordia"-Kapitän Schettino wird fortgesetzt
tagesthemen 22:15 Uhr, 17.07.2013, Mira Barthelmann, ARD Rom

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Urteil erst für das kommende Jahr erwartet

Zwei weitere Verhandlungstage sind in Grosseto in dieser Woche noch angesetzt. Zu den ersten Zeugenaussagen vor Gericht wird es wohl erst nach der Sommerpause kommen. Schon dass man heute bis zur Verlesung der Anklageschrift kam, hatten viele Beobachter nicht erwartet. Dennoch: Ein erstinstanzliches Urteil ergeht mit Sicherheit nicht mehr in diesem Jahr.

Bis dahin wird man noch viel Fragwürdiges hören, von Schettinos Verteidigern in erster Linie, beispielsweise die Theorie des anormalen Verhaltens des Schiffs beim nicht mehr rechtzeitigen Steuerversuch. Man wird versuchen, technische Gutachten zu verstehen.

In welcher Beziehung stehen Schettino und die Frau auf der Kommandobrücke?

Domnica Cemortan (Bildquelle: AFP)
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Die Zeugin Domnica Cemortan. Ihre Anwesenheit auf der Brücke löste Spekulationen aus.

Zudem werden die Medien diese rätselhafte Gespielin des Kapitäns Schettino beobachten beim Versuch, berühmt zu werden. Sie bestreitet es zwar, doch war sie laut Anklageschrift während der Havarie auf der Kommandobrücke.

An diesem Tag wollte sie zumindest gegenüber den Reportern ihr Verhältnis zum Schiffskommandanten Schettino nicht näher beschreiben. Als Zeugin war sie noch nicht dran mit ihrer Aussage. Aber auch sie erhebt Anklage, nicht gegen Schettino, sondern gegen die Reederei. Gemessen an 32 Toten und vielen Verletzten fehlt manchem Prozessbeteiligten in Grosseto eine gewisse Ernsthaftigkeit.

Stand: 17.07.2013 21:17 Uhr

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