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Wrack der

Schiffsunglück der "Costa Concordia"

Der Wind war der Retter - nicht Schettino

Nach der Kollision mit einem Felsen war die "Costa Concordia" in den Hafen von Giglio gelangt - dadurch wurden wahrscheinlich Tausende Menschenleben gerettet. Doch das Manöver wurde offenbar vom Wind gesteuert, und nicht vom angeklagten Kapitän Schettino.

Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom

Francesco Schettino
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Francesco Schettino, Kapitän der Costa Concordia, hatte behauptet, das Schiff noch in den Hafen gesteuert zu haben.

Die "Costa Concordia" war direkt nach dem Aufprall auf die Felsen von Giglio manövrierunfähig. Die Maschinenanlage war ausgefallen, das Ruder blockiert: Das ist bei der Beweisaufnahme des Unfalls in Grosseto bekannt geworden. Diese Tatsache widerspricht der Behauptung von Kapitän Francesco Schettino, der gesagt hatte, er habe den Unglücksdampfer nach der Kollision vor den Hafen von Giglio gefahren und so Tausende Menschenleben gerettet.

"Hand Gottes statt Schettino"

Der Anwalt der italienischen Verbraucherschutzvereinigung Codacons sagte: "Es ist ziemlich deutlich, dass das Schiff 90 Sekunden nach dem Aufprall komplett manövrierunfähig war. Es ist also selbsterklärend, dass das Schiff vom Wind, der aus einer günstigen Richtung kam, ans Ufer vor Giglio getrieben wurde."

So sieht das auch der Chefankläger Francesco Verusio, der mit den Worten zitiert wird, da sei die Hand Gottes im Spiel gewesen und nicht ein Manöver von Kapitän Schettino. Wenn es an diesem Abend nicht so windig gewesen wäre, dann wäre das Schiff nämlich umgekippt und innerhalb einer Minute gesunken. Unterstützung bekommt er vom Anwalt des Ersten Offiziers, der dies ebenfalls für sehr wahrscheinlich hält.

Beweisaufnahme - Schiff war sofort manövrierunfähig
S. Troendle, ARD Rom
18.10.2012 04:09 Uhr

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Viele technische Defekte belasten Costa-Reederei

Unterdessen wird auch klar, dass es an Bord der "Costa Concordia" recht viele technische Defekte gab. So war das Echolot ausgefallen, mit dem man die Wassertiefe misst. Die Blackbox war ebenfalls defekt: Die Stimmen von der Brücke wurden mit einem Ersatzgerät aufgezeichnet, dessen Aufnahme aber früher abbrach, als das beim Hauptgerät der Fall gewesen wäre. Daher ist die Dokumentation des Unfallabends lückenhaft.

Und dann sprang das Notstromaggregat nicht an - sehr wahrscheinlich der Grund, dass vier Passagiere nach dem Stromausfall an Bord in einem Aufzug steckenblieben und ertranken.

Der italienische Nachrichtensender SKY TG24 meldete, Kapitän Schettino habe in der Unglücksnacht aus dem Krisenzentrum der Costa-Reederei die Anweisung erhalten, aus Kostengründen vorerst keine Schlepper zu rufen. Diese Aussage, deren Wahrheitsgehalt unklar ist, habe Schettino im Juli gemacht. Sie werde wahrscheinlich in die Beweisaufnahme einfließen. Sollte dies nachzuweisen sein, wäre das ein deutliches Indiz dafür, dass die Costa-Reederei, gegen drei deren Manager derzeit ermittelt wird, Mitschuld am Unglück hatte.

Mails und Computer nicht überprüft?

Die Verbraucherschützer von Codacons kritisieren die Arbeit der Unfall-Gutachter, sie sprachen schon im September von einem Gefälligkeitsgutachten gegenüber der Costa-Reederei. Der Mailverkehr des Schiffes und alle Computer seien nämlich überhaupt nicht kontrolliert worden, sagte der Sachverständige Bruno Neri im Bezug auf die angebliche Anweisung, von der Kapitän Schettino gesprochen haben soll.

Beweisaufnahme nach Schiffsunglück wird fortgesetzt
tagesschau 12:00 Uhr, 15.10.2012, Mira Barthelmann, ARD Rom

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"Das ist eine der möglichen Mitteilungen, die per Mail gekommen sein könnten, wie auch die, die Route zu ändern und die sogenannte 'Verbeugung’ vor Giglio zu machen", sagte Neri. "Die Gutachter haben aber nur den Funk- und Telefonverkehr ausgewertet. Auf dem Schiff gibt es ja ein Datennetz. Man hätte also auch da den Datenverkehr untersuchen müssen - zwischen dem Schiff der Kriseneinheit oder nach außen." Insbesondere, da die Reederei behauptet, sie habe von dem Manöver nichts gewusst, der Kapitän habe eigenständig gehandelt.

Costa Crociere, um deren Mitschuld es in Grosseto auch geht, hat im Bezug auf die ersten drei Verhandlungstage über Ihren Anwalt mitteilen lassen, dass Costa aus dieser Beweisaufnahme als Gesellschaft hervorgehe, die recht vollständige Prozeduren habe, sei es in Sachen Verwaltung, wie auch bei Notfällen. Und dass sie modernste Schiffe auf dem neuesten Stand betreibe und zwar unter allen Gesichtspunkten, vor allem unter dem der Sicherheit.

Prozess startet wohl im Frühjahr

Die Beweisaufnahme könnte nach Angaben des Chefanklägers noch eine Woche dauern, bis zum Ende des Jahres könnte dann das Ermittlungsverfahren abgeschlossen sein. Mit dem Beginn des Prozesses um das Unglück der "Costa Concordia" mit 32 Toten wird im späten Frühjahr gerechnet.

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Schiffsunglück vor Italien

Der Weg der

Die "Costa Concordia" lief am Abend des 13. Januar 2012 mit etwa 29 km/h westlichen Kurs auf die Insel Giglio - doch um 21:37 Uhr reißen die automatisch gesendeten Signale der Schiffsposition (AIS-Signal) offenbar ab. Gegen 21:45 Uhr havariert das Schiff an bislang unbekannter Position. Erst um 21:53 Uhr gibt es wieder ein Signal - die "Costa Concordia" fährt nur noch rund fünf km/h und ist etwa fünf Kilometer nordwestlich von der letztgemeldeten Position entfernt. Gegen 22:45 Uhr geht der Notruf bei der Küstenwache ein. Irgendwann wendet das Schiff und steuert gen Süden den rund 1,3 Kilometer entfernten Hafen der Insel Giglio an. Dort läuft sie etwa 500 Meter vor der Hafeneinfahrt auf Grund und kommt binnen Stunden in eine Schlagseite von fast 90 Grad. (Quelle: marinetraffic.com)

Stand: 18.10.2012 04:53 Uhr

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