Schettino (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Urteil gegen Ex-Kapitän bestätigt Schettino muss in Haft

Stand: 13.05.2017 01:46 Uhr

Der Ex-Kapitän der "Costa Concordia" hat seine 16-jährige Gefängnisstrafe angetreten - ein Revisionsgericht bestätigte das Urteil gegen Schettino. Er und seine Anwälte sehen ihn aber weiterhin als Sündenbock für weitere Schuldige.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD Rom, zzt. Bari

Francesco Schettino hat es vielleicht geahnt. Aber trotzdem war der Ort, an dem er auf sein definitives Urteil gewartet hat, ein sehr ungewöhnlicher. Im Gerichtssaal war er nicht erschienen, er war auch nicht im Kreise seiner Familie bei Neapel, sondern am Stadtrand von Rom, vor den Mauern des Rebibbia-Gefängnisses. Dort hat er sich gleich nach dem Urteilsspruch der Richter selbst der Justiz überstellt.

Gericht bestätigt Verantwortung Schettinos

Sein Anwalt Donato Laino beschreibt die Gefühlslage: "Verbitterung - weil nur Schettino bezahlen muss. Wie immer in Italien braucht man einen Sündenbock. Er hat jetzt am Rebibbia-Gefängnis angeklopft, aber es fehlt noch der Vollstreckungsbefehl, sonst können sie ja ihn nicht aufnehmen."

Das Kassationsgericht in Rom, die höchste Instanz der italienischen Justiz, hat die 16 Jahre Haft für Schettino bestätigt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass er die Verantwortung dafür trägt, dass das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia in der Nacht des 13. Januar 2012 auf einen Felsen auflief und vor der Insel Giglio kenterte. Mehr als 4000 Menschen, Passagiere und Besatzung, waren damals an Bord - 32, darunter zwölf Deutsche, haben die Katastrophe nicht überlebt.

Kapitel für Überlebende nun abgeschlossen

Schettino im Jahr 2012
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Schettino steht seit 2013 vor Gericht.

Für die Überlebenden und die Angehörigen der Toten ist der Urteilsspruch eine Genugtuung, sagt Alessandra Guarini, die als Anwältin einige von ihnen vertritt. "Jetzt wurde auch die Verantwortung des Kapitäns der Concordia anerkannt, die er bis zum letzten Moment stur abgelehnt hatte - bis jetzt, wo er sich noch einmal für unschuldig erklärte. Heute wurde endlich seine Verantwortung aber schwarz auf weiß bestätigt."

Mit dem Urteil geht ein Justizmarathon mit vielen Verhandlungstagen durch drei Instanzen zu Ende. Schettino hatte nach den beiden ersten Instanzen jeweils Berufung eingelegt. Dabei geben auch Opferanwälte zu, dass es nicht richtig ist, dass Schettino allein die volle Verantwortung für das Unglück zugesprochen wird. Vier Besatzungsmitglieder der Costa Concordia und der Krisenkoordinator der Reederei Costa Crociere hatten sich mit der Justiz vorab auf Haftstrafen zwischen 20 und 34 Monate geeinigt. Übrig blieb bis zum Schluss Francesco Schettino.

Anwälte sehen Schettino als Sündenbock

"Ein Kapitel wurde abgeschlossen", sagt Massimiliano Gabrielli, ein weiterer Opferanwalt, dazu. "Es ist schade, dass der einzige, der jetzt ins Gefängnis muss, Schettino ist. Schon immer fehlte die Verantwortung der Reederei, schon immer haben wir versucht, das mit einzubringen, genauso wie die Verantwortung der Zulassungsbehörden."

Rettungsmannschaften auf dem Schiff
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Das Ergebnis eines geschickten nautischen Manövers? Schettino meint, durch sein Geschick Passagiere gerettet zu haben.

Trotzdem: Die Richter sahen die besondere Schuld Schettinos als erwiesen an. Seiner Behauptung, er habe durch ein geschicktes nautisches Manöver erst dafür gesorgt, dass die Costa Concordia auf einem Felsen vor der Insel Giglio zu liegen kam und viele Menschen von Bord gerettet werden konnten, glaubten sie nicht. Als besonders schwerwiegend galt die Tatsache, dass der Kapitän sein Schiff verlassen hatte, lange bevor es vollständig evakuiert worden war.

Er selbst und seine Anwälte, wie Saverio Senese, glaubten hingegen immer an eine kollektive Verantwortung: "Es gab eine Führungsmannschaft, es gab unglaublich viele Dinge, die auf dem Schiff nicht funktioniert haben, und kritische Zustände, die vielleicht nicht richtig bewertet worden sind. Die Italiener müssen immer irgendjemanden ans Kreuz nageln. Diesmal hat es Schettino erwischt."

Zivilrechtlicher Streit geht weiter

Auch wenn die Anwälte nun prüfen, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu ziehen: Strafrechtlich ist der Fall damit aufgearbeitet. Die zivilrechtlichen Prozesse laufen indessen weiter. Da geht es um hohe Entschädigungssummen, für die unter anderem auch Schettino aufkommen soll. Sein früherer Arbeitgeber Costa Crociere hat ihn verklagt, weil die aufwändige Bergung der Costa Concordia nicht nur Jahre gedauert, sondern auch 1,5 Milliarden Euro gekostet hat - rund dreimal so viel wie der Bau des Kreuzfahrtschiffes.

16 Jahre Haft für Ex-Kapitän der "Costa Concordia"
J. Kitzler, ARD Rom, zzt. Bari
12.05.2017 22:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die Tagesschau am 13. Mai 2017 um 02:57 Uhr.

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