Der Kapitän des havarierten Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia, Francesco Schettino. | Bildquelle: REUTERS

Reaktionen auf "Costa-Concordia"-Urteil Schettino will weiterkämpfen

Stand: 12.02.2015 02:14 Uhr

Er sah sich das Urteil gegen ihn im Fernsehen an: "Costa Concordia"-Kapitän Schettino. Er will das Urteil nicht hinnehmen, sondern in Berufung gehen. Auch ein Opferverband und der Bürgermeister der Insel Giglio sind unzufrieden, die Nebenkläger aber freut es.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

In dem zum Gerichtssaal umfunktionierten Theater von Grosseto hängt ein Plakat über der Bühne - die Mahnung, die in keinem italienischen Gericht fehlen darf: "Vor dem Recht sind alle gleich!" Auch ein Francesco Schettino. Der Mann, der sich von den Staatsanwälten als "unvorsichtigen Idioten" beschimpfen lassen musste und von den Zeitungen "Kapitän Feigling" getauft wurde.

Ja, Francesco Schettino sei schuldig, urteilt das Gericht. Schuldig der mehrfachen fahrlässigen Tötung, eines fahrlässigen Unfalls und der Tatsache, dass er Schutzbefohlene an Bord der Costa Concordia zurückgelassen hat. Doch statt der von der Staatsanwaltschaft geforderten Freiheitsstrafe von 26 Jahren wird Schettino nur zu 16 Jahren und einem Monat Gefängnis verurteilt.

"Die Familien haben lebenslänglich"

Anna Decré war in der Unglücksnacht auf der Costa Concordia. Sie leitet den Verband, in dem sich französische Passagiere und Angehörige von Opfern zusammengeschlossen haben. Vor dem Urteil hatte sie für jeden der 32 Toten des Unglücks ein Jahr Haft gefordert. Danach sagt sie enttäuscht: "Die Familien der Opfer haben keine 16 Jahre, die haben lebenslänglich."

Ansonsten stellt das Urteil fast alle Beteiligten irgendwie zufrieden. Vor allem die zahlreichen Nebenkläger, die immer betont haben, dass sie in Schettino nicht den Alleinschuldigen sehen. Anwalt Guliano Leuzzi hat die Interessen des Verbraucherschutzverbandes Codacons vor Gericht vertreten. "Man kann zufrieden sein", sagt er. "Wir haben verhindert, dass hier ein Monster geschaffen wird, um vor allem außerjuristische Bedürfnisse zu befriedigen."

Auch Giglios Bürgermeister unzufrieden

Das Gericht in Grosseto hat die Costa-Reederei ebenfalls in die Verantwortung genommen und zur Zahlung von Schadenersatz verurteilt. Nicht nur an die Passagiere und Opferangehörigen, sondern auch beispielweise an die Insel Giglio, vor der die Costa Concordia am 13. Januar 2012 kenterte. Die Insel wollte sich den materiellen und den Imageschaden mit 20 Millionen Euro entgelten lassen. Das Gericht legte jetzt 300.000 Euro fest.

Sergio Ortelli, der Bürgermeister von Giglio, war nach dem Urteil richtig angefressen: "Wir haben uns unserer Aufgabe gestellt, nicht nur in dieser Nacht, auch in den Momenten danach, wo wir das Gesicht gewahrt haben, das die Costa Reederei in jener Nacht verloren hat."

Die Anwälte von Francesco Schettino kündigten noch in der Nacht an, dass sie gegen das Urteil in Berufung gehen. Das geht allerdings erst, wenn die Urteilsbegründung vorliegt. Bis zur Wiederaufnahme bleibt der 54-Jährige im Hausarrest, die Staatsanwälte hatten vergeblich die sofortige Inhaftierung gefordert - wegen möglicher Fluchtgefahr.

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"Wohin soll er denn fliehen?"

"Wohin soll er denn fliehen?", fragt Schettinos Anwalt Domenico Pepe. "Das Gericht ist zu dem Schluss gekommen, dass die Forderung der Staatsanwaltschaft exzessiv war. Und man hat vor allem anerkannt, dass er ständig der Justiz zur Verfügung stand. Er war ja auch während des Prozesses praktisch jeden Tag hier."

Nur am letzten Tag, beim Finale im Teatro Moderno von Grosseto fehlte der Hauptdarsteller, der einzige Angeklagte in diesem Prozess. Schettino blieb wegen Fiebers in seinem Hotel und sah den Urteilsspruch im Fernsehen. Danach ließ er mitteilen, dass er weiter kämpfen werde. Vor allem um zu beweisen, dass er die "Costa Concordia" in jener Nacht nicht vorzeitig verlassen habe.

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