Telefonat zwischen Hafen und Kapitän "Gehen Sie an Bord, verflucht nochmal!"

Stand: 17.01.2012 23:05 Uhr

Gerettete Passagiere | Bildquelle: dapd
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Gerettete Passagiere der "Costa Concordia"

Nach der Havarie der "Costa Concordia" führte der Kapitän des Kreuzfahrtschiffs in der Nacht zum Samstag mehrere Telefongespräche mit der zuständigen Hafenkommandantur. Besonders brisant ist das dritte Gespräch, dessen Mitschnitt von italienischen Medien veröffentlicht wurde. Es untermauert die Vorwürfe gegen Francesco Schettino, der in Untersuchungshaft sitzt.

Das Telefonat begann um 01.46 Uhr:

Kommandant Gregorio De Falco von der Hafenkommandantur in Livorno: "Ja, ich bin De Falco aus Livorno, spreche ich mit dem Kommandanten?"

Francesco Schettino: "Ja. Guten Abend, Kommandant De Falco"

De Falco: "Sagen Sie mir bitte Ihren Namen."

Schettino: "Ich bin der Kommandant Schettino, Kommandant."

Costa Concordia | Bildquelle: dapd
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Die Evakuierung der "Costa Concordia" dauerte die ganze Nacht.

De Falco: "Schettino? Hören Sie, Schettino. Es stecken Menschen an Bord fest. Jetzt begeben Sie sich mit Ihrem Rettungsboot auf die rechte Unterseite des Schiffsbugs. Da ist eine Leiter und Sie besteigen das Schiff. Sie gehen an Bord und Sie sagen uns, wie viele Leute da sind. Ist das klar? Ich zeichne dieses Gespräch auf, Kommandant Schettino."

Schettino: "Kommandant, ich möchte Ihnen etwas sagen ...."

De Falco: "Sprechen Sie laut. Halten Sie die Hand vor das Mikro und sprechen Sie lauter, alles klar?"

Kommentar - Das Chaos, der Kapitän und das sinkende Schiff
S. Troendle,
17.01.2012 17:42 Uhr

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"Sie müssen das Schiff besteigen"

Schettino: "Das Schiff hat sich gerade zur Seite gesenkt..."

De Falco: "Verstanden. Hören Sie: Leute sind dabei, die Leiter am Bug hinabzusteigen. Sie müssen diese Leiter in die umgekehrte Richtung hoch, das Schiff besteigen und mir sagen, wie viele Menschen da sind und was an Bord los ist. Ist das klar? Sie müssen mir sagen, wie viele Kinder, Frauen und hilfsbedürftige Menschen da sind. Und sie sagen mir, wie viele Menschen aus diesen Kategorien da sind. Ist das klar? Hören Sie, Schettino, Sie haben vielleicht geschafft, sich aus dem Meer zu retten, aber das da, das wird wirklich schlecht ausgehen .... Ich werde Ihnen verdammt viele Scherereien machen. Gehen Sie an Bord, verflucht nochmal!"

Schettino: "Kommandant, ich bitte Sie."

Kapitän Francesco Schettino wird von der italienischen Polizei abgeführt. | Bildquelle: AFP
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Schettino wurde festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft.

De Falco: "Nein, ich bitte Sie. Sie gehen jetzt dorthin, Sie gehen an Bord. Sie sagen mir zu, dass Sie dabei sind, an Bord zu gehen."

Schettino: "Ich bin bereits dabei, dorthin zu gehen, ich bin da, ich gehe nirgendwo hin, ich bin da ...."

De Falco: "Was machen Sie gerade, Kommandant?"

Schettino: "Ich bin da, um die Hilfe zu koordinieren."

De Falco: "Wer koordiniert dort? Jetzt gehen Sie wieder an Bord, um die Hilfe an Bord zu koordinieren. Weigern Sie sich?"

Schettino: "Nein, nein, ich weigere mich nicht."

Schwere Vorwürfe gegen Kapitän Francesco Schettino
tagesthemen, 22:15 Uhr, 17.01.2012, Bernhard Wabnitz, ARD Rom

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"Ein anderes Boot hat dort festgemacht"

De Falco: "Sie weigern sich, wieder an Bord zu gehen? Sagen Sie mir, aus welchem Grund Sie nicht dorthin gehen?"

Schettino: "Ich bin nicht dabei, dorthin zu gehen, weil das andere Boot (Anmerkung der Redaktion: Rettungsboot) dort festgemacht hat."

De Falco: "Sie gehen an Bord, das ist ein Befehl. Sie dürfen an nichts Anderes mehr denken. Sie haben die Evakuierung des Schiffs angeordnet. Jetzt habe ich hier das Kommando. Sie gehen zurück an Bord! Ist das klar? Haben Sie mich verstanden? Gehen Sie dorthin und rufen Sie mich sofort vom Schiff aus an. Meine Hilfe aus der Luft ist bereits da."

Schettino: "Wo ist Ihre Hilfe?"

De Falco: "Sie ist am Bug. Gehen Sie. Es gibt schon Leichen, Schettino."

Schettino: "Wie viele?"

De Falco: "Ich weiß nicht. Aber das ist sicher, ich hab es gehört. Es ist Ihr Job, mir zu sagen, wie viele es sind, in Gottes Namen!"

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Schiffsunglück vor Italien

Der Weg der "Costa Concordia" in den Abendstunden des 13. Januar 2012

Die "Costa Concordia" lief am Abend des 13. Januar mit etwa 29 km/h westlichen Kurs auf die Insel Giglio - doch um 21:37 Uhr reißen die automatisch gesendeten Signale der Schiffsposition (AIS-Signal) offenbar ab. Gegen 21:45 Uhr havariert das Schiff an bislang unbekannter Position. Erst um 21:53 Uhr gibt es wieder ein Signal - die "Costa Concordia" fährt nur noch rund fünf km/h und ist etwa fünf Kilometer nordwestlich von der letztgemeldeten Position entfernt. Gegen 22:45 Uhr geht der Notruf bei der Küstenwache ein. Irgendwann wendet das Schiff und steuert gen Süden den rund 1,3 Kilometer entfernten Hafen der Insel Giglio an. Dort läuft sie etwa 500 Meter vor der Hafeneinfahrt auf Grund und kommt binnen Stunden in eine Schlagseite von fast 90 Grad. (Quelle: marinetraffic.com)

"Aber es ist Nacht"

Schettino: "Aber Sie wissen, dass es Nacht ist und man hier nichts sieht?"

De Falco: "Was wollen Sie machen, Schettino, nach Hause gehen? Es ist Nacht, also wollen Sie nach Hause gehen? Gehen Sie die Leiter am Bug hoch und sagen Sie mir, was man tun kann, wie viele Leute da sind, was Sie brauchen. Sofort!"

Passagiere in einem Rettungsboot des Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" | Bildquelle: dpa
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Passagiere berichten, dass die Besatzung schlecht ausgebildet war.

Schettino: "Ich bin mit dem stellvertretenden Kommandanten (Anmerkung der Redaktion: Er meint im Rettungsboot)."

De Falco: "Gehen Sie beide an Bord. Sie und Ihr Adjutant gehen jetzt an Bord, ist das klar?"

Schettino: "Und, Kommandant, ich würde gerne an Bord, aber das andere Rettungsboot hier... Andere Rettungskräfte sind hier. Es hat angehalten und ist blockiert, ich habe andere Rettungskräfte gerufen."

De Falco: "Das sagen Sie mir schon seit einer Stunde. Jetzt gehen Sie an Bord, gehen Sie an Bord! Und Sie sagen mir jetzt gleich, wie viele Menschen da sind."

Schettino: "Jawohl, Kommandant."

De Falco: "Gehen Sie jetzt endlich!"

Nach Angaben der Hafenkommandantur hatte Schettino die "Costa Concordia" um kurz nach Mitternacht verlassen und das Kreuzfahrtschiff auch nach diesem Telefonat nicht wieder betreten. Die große Rettungsaktion dauerte bis 06.00 Uhr morgens an.

(Quelle: Übersetzung der Nachrichtenagentur AFP)

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