FBI-Chef Comey entlassen | Bildquelle: AFP

Porträt James Comey Der standfeste Polizist

Stand: 10.05.2017 09:38 Uhr

Comey gilt als Mann, der sich auch von seinem Präsidenten nicht einschüchtern lässt. Seine Untersuchungen zu Clintons E-Mail Äffäre und die Ermittlungen wegen möglicher Russlandkontakte des Trump-Teams sorgten für Schlagzeilen.

Von Sabrina Fritz, ARD-Studio Washington

Bekannt wurde James Comey 2004. Damals war er stellvertretender Justizminister der USA unter Präsident Georg W. Bush. Der amtierende Justizminister war wegen eines Notfalls ins Krankenhaus eingeliefert worden und Comey wurde ins Weiße Haus gerufen. Präsident Bush verlangte von seinem Parteifreund Comey, ein Abhörprogramm zu genehmigen, dass dieser jedoch für illegal hielt. Comey weigerte sich und drohte mit Rücktritt. Bush gab nach.

Viel Respekt auch von den Demokraten

Diese Standfestigkeit brachte ihm viel Respekt auch bei den Demokraten ein. Nach einem kurzen Ausflug in die Rüstungs- und Finanzbranche ernannte Präsident Obama James Comey 2013 zum obersten Polizisten des Landes: "Jim ist außergewöhnlich qualifiziert, die Herausforderungen des FBI zu bewältigen", stellte er den Zwei-Meter-Mann vor. 

Ganz schwere Fälle für das FBI

Das FBI, die amerikanische Bundespolizei, hat es mit den ganz schweren Fällen zu tun. Drogenhandel, Menschenhandel, Korruption, die Terroranschläge auf den Boston Marathon. Seit einigen Jahren geht es auch immer mehr um Verbrechen im Internet. James Comey tauchte erneut in der Öffentlichkeit auf, als es um die E-Mails der Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton ging. Als Außenministerin hatte Clinton ihre dienstlichen E-Mails von einem privaten Server in ihrem Keller verschickt. Comey musste herausfinden, ob sie damit gegen das Gesetz verstoßen hatte und vertrauliche Informationen unverschlüsselt verschickte. Er kam zu dem Ergebnis: "Sie handelte extrem fahrlässig, aber ohne kriminelle Absicht."

Donald Trump schäumte, den ganzen Wahlkampf über beschimpfte er James Comey, er habe Clinton nicht hart genug rangenommen. Und jetzt hat er ihn deswegen gefeuert? Das macht irgendwie keinen Sinn. Vor allem, weil sich Comey am 27. Oktober, eine Woche vor der Wahl, noch einmal mit einem Brief an die Öffentlichkeit wandte. Darin schrieb er, dass neue E-Mails aufgetaucht seien, die das FBI jetzt untersuche.

E-Mail-Affäre: Ganz Amerika rästelte

Das Monster der E-Mail-Affäre tauchte damit wenige Tage vor der Wahl wieder auf. Clinton sagte später, das habe sie die Präsidentschaft gekostet. Ganz Amerika rätselte damals. Was hatte den FBI-Chef dazu bewogen, wenige Tage vor der Wahl eine solche Bombe platzen zu lassen? Wollte er doch seinem Parteifreund Trump zur Wahl verhelfen oder sah er es als seine Pflicht an, die Öffentlichkeit doch über mögliche neue Ermittlungen gegen Clinton zu informieren? Die es dann später übrigens gar nicht gab.  

Brisanter Fall auf dem Tisch

In der Zwischenzeit hatte er einen noch brisanteren Fall auf dem Schreibtisch bekommen. Haben die Russen die US-Wahl beeinflusst und welche Verbindungen gibt es von Trump Vertrauten nach Moskau. Comey bestätigte: "Das FBI untersucht den Einfluss der Russen auf die USA-Wahl und alle Verbindungen zwischen dem Trump-Team zur russischen Regierung."

Clinton oder Russland, was hat den Vater von fünf Kindern tatsächlich das Amt gekostet? Zumindest hat er jetzt etwas mehr Zeit für seine Kinder.

 

James Comey - der aufrechte Polizist
S. Fritz, ARD Washington
10.05.2017 08:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Mai 2017 um 09:00 Uhr.

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