Nach Marihuana-Legalisierung Colorado feiert das Cannabis

Stand: 02.01.2014 05:09 Uhr

Seit Anbruch des neuen Jahres kann man in Colorado legal Marihuana kaufen. Cannabis-Aktivisten, die jahrelang für die Freigabe gekämpft hatten, feierten die Wende mit "Pot-Partys". Allerdings zeigen sich auch schon die ersten Probleme.

Von Jan Bösche, Washington

Cannabis-Verkauf in Colorado | Bildquelle: AP
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Cannabis-Fans kamen aus dem ganzen Land nach Colorado.

Die Marihuana-Fans feiern in Colorado eine große Party. Vor den Geschäften, die jetzt Cannabis für alle verkaufen, gibt es Live-Musik. Die Leute sind ausgelassen: Sich nicht mehr verstecken müssen, sich nicht mehr schuldig fühlen und keine Probleme mehr haben - dafür stehen manche mehrere Stunden an. 

"Ich komme aus Texas, Texas hat mit die strengsten Drogengesetze, das ist hier ganz anders", erzählt einer von ihnen. Auf Rezept bekommt man Marihuana in Colorado schon länger - wie in 19 anderen US-Bundesstaaten. Vor über einem Jahr stimmten die Wähler aber dafür, auch den Verkauf zum Spaß freizugeben. Im Gegenzug gelten strenge Regeln: Kein Verkauf an Minderjährige, kein Konsum auf offener Straße, und in andere Bundesstaaten mitnehmen darf man Cannabis auch nicht. Manche ziehen darum um - wie dieser Mann, der aus Virginia stammt. Er hat sein Haus dort verkauft.

Erste Erfahrungen mit der Cannabis-Freigabe in Colorado
J. Bösche, BR Washington
02.01.2014 05:07 Uhr

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Ohne besondere Vorkommnisse

So eine Begeisterung gibt es überall an den Verkaufsstellen, ansonsten ist der Tag weitgehend ruhig verlaufen. Die Polizei meldet keine größeren Probleme mit Cannabis-Käufern, in Denver wurde einer erwischt, der auf offener Straße rauchte. Die Interessengruppen fühlen sich bestätigt - so wie Betty Aldworth, von der Vereinigung der Cannabis-Industrie: "Marihuana muss keine Bürde für unsere Gemeinden sein, keine Bürde für das Rechtssystem und auch nicht für unsere Wirtschaft."

Wirtschaftswunder oder Gesundheitsproblem?

Cannabis-Verkauf in Colorado | Bildquelle: AP
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Vor den Cannabis-Clubs bildeten sich lange Schlangen.

Im Gegenteil: Die Befürworter rechnen mit tausenden neuen Jobs und Millionen Dollar Steuereinnahmen, wenn der Verkauf von Marihuana weiter ausgebaut wird. Die Kritiker warnen dagegen weiter davor, Marihuana zu legalisieren. Sie befürchten besonders, dass Jugendliche noch leichter an die Droge kommen. Behandlungszentren in Colorado melden bereits, die Zahl der Jugendlichen mit Cannabis-Problemen nehme zu. Ein Problem sei, dass der Stoff immer gehaltvoller und damit wirksamer wird.

Die Befürworter lassen sich von der Kritik nicht aufhalten. Sie sagen, auf einem legalen Markt sei Marihuana am besten zu kontrollieren. Der Lobbyist Mason Tvert hofft, dass andere Bundesstaaten dem Beispiel Colorados folgen: "Abgeordnete und Wähler im ganzen Land beobachten, was hier passiert und sind sehr interessiert, dem Weg zu folgen und ähnliche Aktionen zu starten."

Im Bundesstaat Washington ist der Verkauf von Marihuana ohne Rezept jetzt ebenfalls erlaubt, es sind nur noch keine Verkaufslizenzen vergeben. Im Laufe des Jahres soll auch in Alaska über ähnliche Regeln abgestimmt werden.

Dieser Beitrag lief am 02. Januar 2014 um 11:49 Uhr im Deutschlandfunk.

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