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27.05.2012

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Niederlande: Kabinett prüft Registrierungspflicht für Hasch-Kauf
Niederländisches Kabinett prüft Registrierungspflicht

Hasch-Genuss nur mit Sonderpass?

Coffeeshops gehören zu den Niederlanden wie Windmühlen und Fahrräder. Für viele Touristen dürfte der legale Genuss von Haschisch einer der Hauptgründe sein, nach Alkmaar oder Amsterdam zu fahren. Doch damit könnte es bald vorbei sein. Das Kabinett prüft die Registrierung von Hasch-Käufern.

Von Jürgen Kleikamp, ARD-Hörfunkstudio Den Haag

Nur die Touristen soll es treffen, nur ihnen soll der legale und allzu leichte Zugriff auf Haschisch und Marihuana verwehrt oder wenigstens erschwert werden. Die Coffeeshops selbst aber sollen erhalten bleiben. So sieht es zumindest der Plan des niederländischen Kabinetts vor. Denn jedem Regierungsmitglied ist klar, dass eine komplette Schließung der Coffeeshops einen Volksaufstand heraufbeschwören würde.

Darum will man den touristischen Gelüsten zunächst einmal in homöopathischen Dosen zu Leibe rücken. Für Geert Leers, Bürgermeister von Maastricht und Vorkämpfer für eine neue Regelung, funktioniert das am besten so: "Sie sollen kleiner werden und keine Attraktion mehr sein für Tausende und Millionen von Ausländern."

Tüte mit Marihuana und gedrehter Joint (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ist der Kauf von Marihuana in den Niederlanden bald nur noch mit Passkontrolle möglich? ]
Aber nicht nur kleiner, sondern auch deutlich besser kontrolliert sollen sie werden. Und die Spreu soll sorgfältiger vom Weizen getrennt werden - also der Rest der Welt von den einheimischen Hasch-Konsumenten. Auch dafür hat Leers einen Plan: "Als erstes können wir ein freiwilliges Pass-System einführen, mit dem sich jeder registrieren lassen kann. Ausländer wollen das natürlich nicht. Die zahlen ja auch immer in Bar und nicht per Kreditkarte."

Darum ist die Ursprungsidee, Hasch und Marihuana, ähnlich wie in Deutschland bei den Zigarettenautomaten, nur noch mit Kreditkarte bezahlen zu lassen, gleich wieder verworfen worden. Denn da es die Drogen nicht im Automaten gibt, könnte niemand das kontrollieren.

Umsatzrückgang von 90 Prozent?

Aber auch von der Idee mit dem Sonderpass zum Hasch-Genuss will sich die Vereinigung der Coffeeshop-Betreiber nun überhaupt nicht anfreunden. Michael Veling, Coffeeshop-Betreiber in Amsterdam und Vorsitzender der Vereinigung, befürchtete nicht nur gewaltige finanzielle Verluste für sich und seine Mitstreiter. Er erwartet einen dramatische Lage für die ganze Stadt: "Ich rechne im Zentrum mit einem Umsatzrückgang von 90 Prozent."

"Drei Monate Laden dicht"  

Kabinett und Vorkämpfer Leers halten diese Zahlenspiele für völlig überzogen und wollen ihren Plan möglichst zügig durchpauken. Touristen müssen also bald draußen bleiben, Niederländer dürfen ihren persönlichen Bedarf im Coffeeshop nur noch nach Passkontrolle decken. Sollten die Coffeeshop-Betreiber die Kontrollen allzu lässig handhaben, drohen drakonische Strafen. "Drei Monate den Laden dicht, das könnte erhebliche Konsequenzen haben", sagt Bürgermeister Leers unverblümt.

Dann bleiben nicht nur die Touristen draußen, sondern auch die Niederländer weg. Möglicherweise für immer. Letzte Hoffnung für den ungeprüften Hasch-Konsum ist darum - wie so oft - ein Gericht. Die Coffeeshop-Betreiber wollen juristisch prüfen lassen, ob die Passkontrolle mit den freiheitlichen Grundrechten der Niederländer überhaupt vereinbar ist. Die Verhandlung dazu steht noch aus.

Stand: 10.09.2009 02:21 Uhr

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