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09.02.2010

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Ausland
US-Außenministerin Hillary Clinton
Clinton-Interview: "Wir waren Kinder des Kalten Krieges"
Clinton-Interview zum Mauerfall

"Wir waren Kinder des Kalten Krieges"

US-Außenministerin Hillary Clinton hat den Mauerfall mit ihrem Mann Bill in Arkansas vor dem Fernseher erlebt. Im Interview mit Sebastian Hesse-Kastein, MDR-Studioleiter im ARD-Hauptstadtstudio, zeigt sie sich beeindruckt vom Freiheitswillen der Menschen und den politischen Veränderungen. Sie warnt vor neuen Gefahren und erklärt, wie sich Deutschlands Rolle in Afghanistan und beim Ringen um eine atomwaffenfreie Welt vorstellt.

Madame Secretary, erinnern Sie sich noch, wann Sie zum ersten Mal vom Fall der Berliner Mauer gehört haben?

Ich habe damals in Arkansas gelebt, mit meinem Mann und meiner Tochter. Er war damals Gouverneur von Arkansas. Und wir waren gefesselt davon, weil Bill und ich uns immer für internationale Beziehungen interessiert haben. Wir waren Kinder des Kalten Krieges: Wir hatten die Geschichte der Berliner Luftbrücke verfolgt, Präsident Kennedys Berlin-Besuch und all das Geschehen rund um den Mauerbau. Das war also ein ganz besonderer Moment und Tom Brokaw, die TV-Reporterlegende, berichtete aus Berlin und sagte: Jetzt ist der Krieg endgültig vorbei, die Mauer ist gefallen. Ein außergewöhnlicher Moment: Wir klebten am Fernsehschirm.

Zur Person:

US-Außenministerin Hillary Clinton (Foto: dpa)
Hillary Clinton ist seit Januar 2009 US-Außenministerin in der Regierung von Präsident Barack Obama. An der Seite ihres Mannes, des damaligen Präsidenten Bill Clinton, war sie von 1993 bis 2001 als First Lady im Weißen Haus und startete danach ihre eigene politische Karriere.
 

Haben Sie damals gedacht: Das ist der Beginn eines neuen Zeitalters?

Damals wusste ich nicht, was das bedeutet. Ich dachte, es bedeutet den Zusammenbruch der Sowjetunion. Aber würde es Gegenmaßnahmen geben? Würde Ostdeutschland ein eigenständiger Staat bleiben? Das konnte ich nicht wissen. Aber dieser Freiheitsdrang! Und die Leute, die jungen Leute, die die Mauer mit Meißeln, mit Hämmern und bloßen Händen eingerissen haben: Das sagte so viel über das Bedürfnis der Menschen, frei zu sein und eigene Entscheidungen treffen zu können. Und ich war sehr angetan von der cleveren politischen Führung in Deutschland.

Inwieweit hat sich die Welt seither verändert? Ist sie sicherer geworden, besser geworden?

Mit Sicherheit in Europa! Der Frieden in Europa, auch der soziale Frieden, ist beispielhaft. Länder, die gegeneinander zwei Kriege geführt haben im letzten Jahrhundert, arbeiten nun zusammen. Zuvor war es eine bipolare Welt: Da waren die Sowjetunion und der Westen, die sich hier in Berlin und andernorts feindselig gegenüber standen. Dieses Grundgefühl der Unsicherheit und Rivalität gibt es nicht mehr. Heute ist die Welt diffuser. Die Gefahrenlage hat sich verändert. Die Gefahr von nuklearer Auslöschung ist nicht mehr so groß wie damals. Aber wir müssen die Verbeitung von Atomwaffen verhindern, damit das nicht wieder kommt.

In dem Zusammenhang müssen wir Afghanistan ansprechen: In Deutschland ist eine Mehrheit gegen die Fortsetzung des Afghanistan-Einsatzes, jetzt steht die Verlängerung an. Warum sollte die Bundeswehr am Hindukusch bleiben?

Das müssen natürlich die deutsche Regierung und die Menschen in Deutschland entscheiden. Das respektiere ich. Präsident Obama hat einen schwierigen Meinungsbildungsprozess angestoßen und all die unbequemen Fragen gestellt. Wir glauben, dass wir in den vergangenen acht Jahren nicht genug erreicht haben unter der Bush-Regierung. Gleichzeitig glauben wir aber, dass wir verhindern müssen, dass Afghanistan wieder eine Zuflucht für Terroristen wird, die von dort aus Deutschland, Amerika oder andere Freunde rund um die Welt angreifen. Wir hoffen, Deutschland wird dabei sein, denn es ist in unser aller Sicherheitsinteresse.

"Das ist eine Entscheidung der Deutschen"

Was kann Deutschland dazu beitragen?

Deutschland hat schon einen Beitrag geleistet. Deutschland hat nicht nur Truppen geschickt und Verluste und Opfer bei diesen Truppen hinnehmen müssen. Deutschland hat auch zivile und finanzielle Unterstützung geleistet. Unsere große Aufgabe ist, die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte zu beschleunigen. Deutschland hat dafür die Erfahrung und die Expertise. Es gibt also eine ganze Reihe von Möglichkeiten, wie Deutschland mitmachen kann - aber das ist letztendlich eine Entscheidung der deutschen Bevölkerung.

Themenwechsel: Guido Westerwelle hat vergangene Woche in Washington angekündigt, er wolle die Abrüstungsinitiative von Präsident Obama nicht nur mit Worten unterstützen, sondern auch mit Taten.

Präsident Obama hat sich fest vorgenommen, die nukleare Aufrüstung einzudämmen. Und wir können natürlich Deutschlands Hilfe dabei gebrauchen, dafür zu sorgen, dass nukleares Material nicht in die falschen Hände gerät.

Können Sie uns sagen, wann die Amerikaner ihre Atomwaffen aus Deutschland abziehen?

Auch das muss innerhalb einer NATO-Strategie insgesamt entschieden werden. Aber ich glaube auch, dass wir sehr vorsichtig dabei sein müssen, wie wir verschiedene Bedrohungsszenarien und Abschreckungen bewerten. Meiner Meinung nach ist die NATO das richtige Forum, um all die Auswirkungen genau zu bedenken - denn wir haben auch Verpflichtungen gegenüber den Staaten weiter im Osten, auch gegenüber den Balkanstaaten und deren südlichen Nachbarn. Wir müssen alle Meinungen anhören, bevor wir entscheiden was wir tun.

Das Interview führte Sebastian Hesse-Kastein, MDR-Studioleiter im ARD-Hauptstadtstudio.

Stand: 09.11.2009 20:58 Uhr
 

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