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Gründer des Montreux Jazz Festivals
"Funky Claude" ist tot
Claude Nobs, der Erfinder des Montreux Jazz Festivals, ist an den Folgen eines Skiunfalls gestorben. Im vergangenen Sommer erst hatte der ARD-Hörfunkkorrespondent Hans-Jürgen Maurus die Gelegenheit, lange mit ihm zu sprechen. Ein Porträt von Nobs, den Deep Purple als "Funky Claude" verewigt haben.
Von Hans-Jürgen Maurus, ARD-Hörfunkstudio Zürich
Er war ein Mann mit einem großen Herz, witzig, charmant, engagiert, er lachte gern und er liebte die Musik. Die Musikwelt verliert mit Claude Nobs einen Impressario, der über fast fünf Jahrzehnte das Montreux Jazz Festival zu einer Marke "Made in Switzerland" machte.
Die Idee kam aus dem Nichts, erzählte er uns uns im vergangenen Sommer: "Die Idee zum Festival war wirklich ganz naiv. Ich war beim Fremdenverkehrsamt in Montreux beschäftigt und bin in dieser Funktion 1963 zum ersten Mal nach Amerika gereist, da hatte das Festival von Montreux noch nie stattgefunden."
Bei einem Jazzkonzert in Newport traf er zum ersten Mal auf Miles Davis. Nobs gewann den legendären Musiker für sich, indem er ihm sozusagen sein letztes Hemd schenkte: "Ich trug ein schönes Hemd, ein besticktes, aus Tunesien. Miles sah mich an, und sagte: 'Hey Man, you have a nice shirt, Du hast ein schönes Hemd'. Ich habe ihn gefragt, 'You like it? Magst Du es?' Dann habe ich mein Hemd ausgezogen, und ihm gegeben. Ich trug darunter nichts, aber es war Sommer. Er nahm es, und sagte, es sei das erste Mal, dass sich jemand für ihn das Hemd vom Leibe gerissen hätte."
Diese nackten Tatsachen überzeugten Miles Davis, später ebenfalls nach Montreux zu kommen. Lange vor Davis' Besuch musste Nobs viel Überzeugungsarbeit bei den Stadtvätern von Montreux leisten: "Die Leute haben gesagt: 'Spinnst Du? Das geht doch nicht! Jazz gehört nach Amerika.' Ich sagte: 'Ja - aber ich will trotzdem ein Festival machen."
Den Durchbruch schaffte Nobs aber erst, nachdem er den Galaabend der "Goldenen Rose von Montreux" organisiert hatte. Zuvor hatte er 1965 die Rolling Stones zum ersten Auslandskonzert in die Schweiz gebracht, zusammen mit Petula Clark. Das Konzept für das Montreux Festival lautete aufgrund des limitierten Budgets: "Jedes Land muss seine beste Jazzband auswählen, und auf eigene Kosten nach Montreux schicken. Der Gewinner darf dann nach Newport, zum dortigen Festival reisen."
Doch Claude Nobs gab sich keineswegs mit traditionellem Jazz zufrieden, schon bald holte er die erste Rock Band nach Montreux. "Bei Ten Years After war ich ganz naiv: Ich habe die Platte gehört, und gedacht, das ist angenehm bluesig. Was ich vorher nicht wusste: Am Tag des Konzertes kamen zwei große Lastwagen mit Lautsprechern. Ich sagte, dass wir alles haben - Anlage und Verstärker. Nein nein, sagten sie, das kommt auf die Bühne. Vorher stand dort nur ein kleiner Lautsprecher für Gitarre und Bass. Sie haben dann eine Wand aus Lautsprechern gebaut. Als Ten Years After dann den ersten Ton spielten, sind die Leute in der ersten Reihe umgekippt, so laut war das.
Zappa, ein Feuer und Funky Claude
Auch die Rockkonzerte, die Claude Nobs ab 1969 organisierte, sind Geschichte geworden und immer schaffte er es, grosse Namen in die Schweiz zu bringen: "Pink Floyd, Chicago, Led Zeppelin. Und an einem Abend war Frank Zappa da." Diesem Abend ist ein Musikstück zu verdanken, das Rockgeschichte geschrieben hat. Es war der 6. Dezember 1971. Während dem Konzert im Casino in Montreux bricht ein Brand aus, ein Zuschauer hatte einen Feuerwerkskörper gezündet. Binnen Minuten stand das Gebäude in Flammen. Claude Nobs half an dem Abend, die 2000 Besucher rauszuschleusen aus dem Gebäude, das am Genfer See liegt. "Die Leute standen draußen, blickten auf das Feuer und sagten: 'Frank Zappa - der weiß schon, wie man ein Konzert zum Abschluss bringt.'"
Nachruf Claude Nobs - Jazz und Rock Legende von Montreux
H.-J. Maurus, ARD-Hörfunkstudio Zürich
11.01.2013 11:57 Uhr
Nicht auf dem Konzert, aber ebenfalls in Montreux war an jenem Abend auch die Band Deep Purple. Der Rauch, der über den Genfer See zog, inspirierte die Band zu ihrem Megaghit "Smoke on the Water" - einschließlich Claude Nobs: Die Zeilen "Funky Claude was running in and out / He was pulling kids out the ground" beschreibt, wie er die Besucher evakuierte.
Stundenlang konnte man Claude Nobs zuhören.
An Weihnachten stürzte er im Kanton Waadt beim Langlauf, musste ins Hospital, wurde operiert und erwachte nicht mehr aus dem Koma. "Du hast uns verlassen, in Deinen geliebten Bergen über dem Genfersee", schrieben seine Mitarbeiter, "danke, dass Du uns weitergebracht hast."
Stand: 11.01.2013 17:21 Uhr
