US-Geheimdienstchef James Clapper | Bildquelle: AFP

US-Dienste über Trump-Dossier Bislang keine Belege für Echtheit

Stand: 12.01.2017 11:56 Uhr

Laut US-Geheimdienstchef Clapper gibt es bislang keine Belege, dass das "Russland-Dossier" über Donald Trump auf wahren Informationen beruht. Zusammengetragen hat das Material offenbar ein britischer Ex-Agent - den die US-Dienste gut kennen sollen.

Laut Chefkoordinator James Clapper haben sich die US-Geheimdienste noch kein Urteil gebildet, ob das Russland-Dossier über Donald Trump auf verlässlichen Informationen beruht. Er habe darüber auch mit dem künftigen Präsidenten gesprochen, hieß es in einer Stellungnahme.

In dem unverifizierten Dossier ist unter anderem von ungewöhnlichen Sexualpraktiken Trumps zu lesen. Zudem heißt es darin, enge Vertraute von Trump hätten sich bei den Hackerangriffen auf E-Mail-Accounts der US-Demokraten mit Russland abgestimmt.

Beobachter hatten darum die Sorge geäußert, der künftige Chef des Weißen Hauses könne sich womöglich erpressbar gemacht haben. Trump selbst allerdings bezeichnete Medienberichte über das Dossier gestern als "falsch" bzw. "gefälscht".

"Nazi-Deutschland hätte das getan"

Trump wurde laut US-Medien vergangene Woche von den US-Geheimdiensten über die angebliche Materialsammlung unterrichtet. Clapper sagte, er glaube nicht, dass Geheimdienstmitarbeiter diese Informationen an die Medien weitergegeben hätten. Damit reagierte er auf Trumps heftige Kritik an den Diensten.

Der künftige US-Präsident hatte zuvor bei seiner ersten Pressekonferenz seit dem Wahlsieg gesagt: "Es ist schändlich, schändlich, dass die Geheimdienste zugelassen haben, dass unwahre und gefälschte Informationen nach draußen gelangen." Dies sei "etwas, was Nazi-Deutschland getan hätte".

Das Internetportal BuzzFeed hatte den schon länger kursierenden Bericht gestern ins Internet gestellt, wo er sich rasch verbreitete. Trump sagte bei seiner Pressekonferenz, BuzzFeed sei "ein Haufen Müll" und werde "die Konsequenzen tragen". Was genau er mit dieser Drohung meinte, blieb unklar. Auch einen CNN-Reporter kritisierte Trump scharf.

Das Dossier soll von einem Briten stammen

Unterdessen wurden erste Hintergründe über das umstrittene Dossier bekannt. Nach Informationen der "New York Times" und des "Wall Street Journal" (WSJ) soll ein früherer britischer Agent die Informationen, die Russland angeblich über Trump sammelte, zunächst für einen republikanischen Gegner Trumps zusammengetragen haben. Später hätten die Demokraten den Informanten finanziert, berichtete das Magazin "Mother Jones" bereits im Oktober. Der Ex-Agent soll dann das Material an das FBI weitergegeben haben.

Das WSJ nannte auch den Namen des Ex-Agenten. Es handle sich um einen gewissen Christopher Steele, der Eigner der Londoner Orbis Intelligence Limited sei - einer Firma, die offenbar auf das Sammeln von Informationen spezialisiert ist. Den Medienberichten zufolge ist Steele den US-Diensten schon länger als Quelle für Geheimdienstmaterial bekannt gewesen. Frühere Erkenntnisse Steeles seien als vertrauenswürdig eingestuft haben.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieser Meldung hieß es, Clapper habe die Dokumente als "nicht glaubwürdig" bezeichnet. Diese Darstellung beruhte auf einem Übersetzungsfehler einer Nachrichtenagentur. Tagesschau.de hatte diese Übersetzung zunächst übernommen - den Fehler dann aber korrigiert. Die neue Version basiert auf einer eigenen Übersetzung englischsprachiger Agenturmeldungen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. Januar 2017 um 06:08 Uhr.

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