Gina Haspel | Bildquelle: AP

Neue CIA-Chefin Gina Haspel Spionin mit düsterer Vergangenheit

Stand: 14.03.2018 09:02 Uhr

Erstmals rückt eine Frau an die Spitze der CIA: Gina Haspel ist eine erfahrene Spionin, doch auch heftig umstritten - wegen eines dunklen Kapitels ihrer Vergangenheit.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

US-Präsident Trump lobte seine Entscheidung als "historischen Meilenstein": Gina Haspel soll - wenn eine Mehrheit im Senat der Personalie zustimmt - die erste Frau an der Spitze der CIA werden. Anders als der bisherige CIA-Chef und designierte Außenminister Mike Pompeo ist Haspel eine Geheimdienst-Insiderin. Seit über 30 Jahren arbeitet sie bei der CIA, als Spionin, als Leiterin der CIA-Büros in London und New York, später als Chefin aller Geheimoperationen der CIA weltweit.

James Clapper, Ex-Geheimdienstdirektor unter Präsident Obama, ist voll des Lobes über die 61-Jährige. "Sie ist eine hervorragende Geheimdienst-Mitarbeiterin", sagt er. "Ich habe mit ihr zusammen gearbeitet. Sie war großartig." Haspel sei höchst respektiert bei der CIA. "Sie wird gut für die Geheimdienste sein."

Mike Pompeo | Bildquelle: AFP
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Haspel folgt auf den bisherigen CIA-Chef und künftigen US-Außenminister Mike Pompeo.

Kritik von Menschenrechtsorganisationen

Persönliche Informationen über Haspel gibt es nur wenige. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde ihr Name erst vor einem Jahr bekannt, als sie stellvertretende Direktorin des Auslandsgeheimdienstes wurde. Schon damals gab es Kritik von Menschenrechtsorganisationen und demokratischen Politikern. Denn in einem Senatsbericht 2014 über die Foltermethoden der CIA während des Irak-Kriegs wird auch sie erwähnt.

Haspel leitete im Jahr 2002 in Thailand das erste der berüchtigten Geheimgefängnisse der CIA. Dort wurden zwei mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder brutalen Verhörmethoden unterzogen. Einer der beiden, ein Mann aus Saudi-Arabien, der auch heute noch im Gefangenenlager Guantanamo Bay festgehalten wird, sei innerhalb eines Monats mehr als 80 Mal einem sogenannten "Waterboarding" unterzogen worden. Bei dieser von Präsident Barack Obama als Folter abgeschafften Verhörmethode haben die Betroffenen das Gefühl, ertrinken zu müssen.

Diese Vorwürfe werde man in der Anhörung von Gina Haspel vor dem Senat ansprechen, kündigte der demokratische Senator Mark Warner an. "Wir wollen sicherstellen, dass die Führungen von Militär und der Geheimdienste unsere Überzeugung teilen, dass Folter nicht mehr die Politik der US-Regierung sein wird", sagt er.

Auch der republikanische Senator John McCain, selbst jahrelang Opfer von Folter während des Vietnam-Kriegs, erklärte in einer Stellungnahme, Gina Haspel werde in der Anhörung das Ausmaß ihrer Beteiligung am "Waterboarding" erläutern müssen. Diese Verhörmethode sei eines der "dunkelsten Kapitel der amerikanischen Geschichte", so McCain. Menschenrechtsorganisationen in den USA werfen Haspel außerdem vor, sie habe die Vernichtung von mehr als 90 Videobändern befohlen, auf denen die Qualen der beiden Gefangenen in Thailand dokumentiert waren.

Der republikanische US-Senator McCain | Bildquelle: dpa
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Der republikanische US-Senator McCain verlangt, dass sich Haspel wegen der Folter erklären müsse.

Rückkehr zu umstrittenen Methoden?

Phil Mudd, der viele Jahre mit Gina Haspel bei der CIA gearbeitet hat, verteidigte seine frühere Kollegin gegen solche Vorwürfe: "Bitte verurteilen Sie nicht eine CIA-Mitarbeiterin für etwas, was vor 16 Jahren jeder Amerikaner für richtig hielt. Sie war hervorragend", sagte Mudd im Sender CNN. Andere ehemalige CIA-Mitarbeiter betonten, Haspel habe Befehle ausgeführt, die direkt vom damaligen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und ihrem damaligen CIA-Chef George Tenet kamen.

Dennoch wird die Anhörung im Senat kein Durchmarsch für Gina Haspel. Denn viele befürchten, die Trump-Regierung könne zu umstrittenen Praktiken zurückkehren. Schließlich hatte Trump im Wahlkampf und zuletzt einen Monat nach seinem Amtsantritt gesagt: "Funktioniert Folter? Die Antwort ist: Ja, absolut!"

Erst Verteidigungsminister Jim Mattis soll Trump in einem persönlichen Gespräch davon überzeugt haben, dass er mit einer "Packung Zigaretten und ein paar Bier" mehr Informationen von Gefangenen bekomme als mit Folter.

Designierte CIA-Direktorin Haspel - dunkle Vergangenheit
Martin Ganslmeier, ARD Washington
14.03.2018 08:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. März 2018 um 20:00 Uhr.

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