Seitenueberschrift

Petraeus und Paula Broadwell

Chronologie der Petraeus-Affäre

Vom Harvard-Vortrag zum Karriereende

CIA-Chef und Kriegsheld Petraeus galt als maximal untadelig - bis er vor wenigen Tagen über die Affäre mit seiner Biografin Broadwell stolperte. US-Medien rekonstruieren nun immer detaillierter die Ereignisse der vergangenen Monate. Und: Die Affäre weitetet sich von Tag zu Tag aus.

Frühjahr 2006: David Petraeus, damals noch Generalleutnant, hält an der Harvard University einen Vortrag. Dabei begegnet er erstmals der Reserveoffizierin Paula Broadwell, die dort an einem Aufbaustudiengang teilnimmt. Die beiden halten anschließend Kontakt. Broadwell schreibt eine Biografie über Petraeus und besucht ihn mehrmals für längere Zeit in Afghanistan, als er dort im Juni 2010 ISAF-Oberkommandierender geworden war.

31. August / 6. September 2011: Petraeus wird nach 37 Dienstjahren aus der Armee entlassen. Wenige Tage später übernimmt er das Amt des CIA-Chefs.

November 2011 bis Sommer 2012: Petraeus und seine Biografin Broadwell haben laut US-Medienberichten eine Affäre.

24. Januar 2012: Broadwells Petraeus-Biografie "All In: The Education of General David Petraeus" erscheint. Co-Autor ist der "Washington Post"-Journalist Vernon Loeb.

David Petraeus (zweiter von links), Scott und Jill Kelley sowie Holly Petraeus bei einer Militärparade in Tampa, Florida.
galerie

David Petraeus (zweiter von links), Scott und Jill Kelley (Mitte) sowie Holly Petraeus (rechts) bei einer Militärparade in Tampa.

Mai: FBI-Agenten durchleuchten Petraeus' private E-Mail-Konten auf Sicherheitsaspekte. Anlass ist angeblich eine Bitte der 37-jährigen Jill Kelley, die anonyme Drohmails erhielt. Ihr würde unterstellt, sie flirte mit Petraeus. Die Ehepaare Petraeus und Kelley sind seit Jahren befreundet. Als das FBI nach dem Absender forscht, stößt es laut US-Medienberichten auf intime Mails, die Petraeus Broadwell geschickt haben soll.

Ende Oktober: Das FBI vernimmt laut Medienberichten Broadwell. Die 40-Jährige soll die Affäre zugegeben und auch freiwillig ihren Computer mit geheimen Dokumenten herausgegeben haben. Auch Petraeus sei vom FBI befragt worden. Auch er soll die Affäre eingeräumt haben. Beide sollen jedoch glaubhaft verneint haben, dass Petraeus seiner Geliebten geheime Dokumente gab.

6. November: Das US-Justizministerium informiert nach Medienberichten am Abend des Präsidenten-Wahltags den nationalen Geheimdienstdirektor James Clapper über Petraeus' Affäre. Clapper soll Petraeus daraufhin den Rücktritt nahegelegt haben. Petraeus wollte seinen Posten angeblich gern behalten.

7. November: US-Präsident Barack Obama wird laut Medienberichten erst einen Tag nach seiner Wiederwahl über die Affäre informiert. Petraeus galt zuvor als aussichtsreicher Kandidat für ein Ministeramt.

8. November: Petraeus reicht nach Medienberichten bei Obama sein Rücktrittsgesuch ein.

Ausgebranntes US-Konsulat in Bengasi
galerie

Das US-Konsulat im libyschen Bengasi brannte nach dem Angriff zu großen Teilen aus. Bei der Attacken starben mehrere Menschen, darunter der US-Botschafter.

9. November: Obama bestätigt den Rücktritt und würdigt öffentlich Petraeus' Verdienste. Gründe für den Schritt nennt Obama nicht. Die Geheimdienstexpertin der Demokraten, Dianne Feinstein, schließt politische Hintergründe für den Rücktritt aus. Der Streit um fehlerhafte CIA-Informationen zur Ermordung des US-Botschafters in der libyschen Stadt Bengasi am 11. September 2012 habe damit nichts zu tun. Petraeus sollte Mitte November vor einem Kongressausschuss über die Vorkommnisse in Bengasi aussagen.

11. November: Geheimdienstexperten des Kongresses fordern laut Medienberichten Aufklärung darüber, warum das Weiße Haus erst so spät über die vom FBI aufgedeckte Affäre unterrichtet wurde.

12. November: Dutzende FBI-Agenten durchsuchen Broadwells Haus im Bundesstaat North Carolina.

Weitere Enthüllungen nach Rücktritt von CIA-Direktor Petraeus
nachtmagazin 00:15 Uhr, 13.11.2012, Marion Schmickler, ARD Washington

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

13. November: Nach Medienberichten ermittelt das Pentagon nun gegen den bisherigen Kommandeur der Afghanistan-Schutztruppe Isaf, US-General John Allen. Dieser soll potenziell "unangebrachte" E-Mails an die Petraeus-Familienfreundin Kelley geschickt haben.

Allen soll das bestritten haben. Er ist für das Amt des NATO-Oberkommandierenden in Europa vorgesehen. Seine Nominierung wird bis zur Klärung der Vorwürfe verschoben.

14. November: Präsident Barack Obama betont in einer Pressekonferenz, dass es momentan keine Hinweise darauf gebe, dass wichtige geheime Informationen in der Petraeus-Affäre preisgegeben worden seien. Der in die Affäre verstrickte Allen sagte seine umfassende Zusammenarbeit mit den Ermittlern zu. Petraeus selbst kündigte an, doch vor dem US-Kongress zur Bengasi-Attacke aussagen zu wollen.

15. November: Die CIA bestätigt Ermittlungen gegen Petraeus.

16. November: Petraeus sagt im Kongress vor dem Untersuchungsausschuss zum Terrorangriff auf das US-Konsulat in Bengasi aus. Der Ex-CIA-Chef sagt dabei laut Teilnehmerangaben, er habe schon sehr bald nach der Attacke gewusst und gesagt, dass sie kein spontaner Angriff gewesen sei. Die CIA steht wegen des Vorfalls in Libyen in der Kritik.

Stand: 16.11.2012 15:42 Uhr

Darstellung: