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Mit der Verhüllung des Reichstags machten sie Furore: die Künstler Christo und Jeanne-Claude. 51 Jahre lang hatten sie zusammengelebt und -gearbeitet, laut Jeanne-Claude "mit viel Schreierei". Doch nun herrscht Stille. Jeanne-Claude starb mit 74 Jahren an einer Hirnblutung.
Von Lena Bodewein, ARD-Hörfunkstudio New York
Verpackte Inseln, Bäume und Küsten: Um ein Haar hätte die Welt solche Kunstaktionen verpasst, erzählte Jeanne-Claude einmal: "Ich bin Künstlerin geworden aus Liebe zu Christo. Wäre er Zahnarzt gewesen, wäre ich eben Zahnärztin geworden."
So führte sie die Liebe zur Kunst. Christo und Jeanne-Claude wurden, meist zur Freude der Öffentlichkeit, eine künstlerische Einheit, ein Yin und Yang. Sie verhüllten ein ganzes Stück australischer Felsenküste, hängten einen Vorhang in die Rocky Mountains, verwandelten mit Hilfe von rosa Plastikhüllen elf Inseln vor Miami in gigantische Seerosen und überspannten einen Fluss in Colorado.
"Oft verstehen die Menschen nicht, was wir tun, wir aber verstehen es. Wir leihen uns reiche, öffentliche Orte und erschaffen für einige Tage sanfte Störungen dieser Orte. Indem wir sie sozusagen ausleihen, vereinnahmen wir die reiche Präsenz dieser Orte." So erklärte Jeanne-Claude einmal ihre Kunst.
Ihr Zusammensein und - arbeiten schien Schicksal, oder zumindest gestalteten sie ihre Geschichte so: am selben Tag des selben Jahres geboren, der eine in Bulgarien, die andere in Casablanca. Getroffen haben sie sich in Paris, vor mehr als 50 Jahren, beide waren 23. Christo war Künstler und arm wie eine Kirchenmaus.
Er sollte Jeanne-Claudes Mutter porträtieren, so lernten sie sich kennen. Doch Liebe auf den ersten Blick war es nicht: Christo bändelte erst für ein paar Wochen mit Jeanne-Claudes Schwester an. Das währte nicht lange, und bald inspirierten sie sich gegenseitig. Einer half, die Träume des anderen zu verwirklichen: "Christo ist der Motor, ich bin sein Gaspedal", meinte Jeanne-Claude einmal. In dieser Kombination waren sie unschlagbar, oft haben sie über Jahre und Jahrzehnte hinweg hartnäckig ihre Ziele verfolgt und um Genehmigungen gekämpft.
Nach 23 Jahren wurde 1995 für das Künstlerpaar ein Traum wahr. Zwei Wochen lang wurde der historische Reichstag zum Kunstobjekt. Das verhüllte Gebäude wechselte die Farbe: Pink am Morgen, mittags platinsilber, zum Sonnenuntergang golden. Fünf Millionen Menschen aus aller Welt staunten aus nächster Nähe - der damalige Bundeskanzler Kohl als erklärter Gegner des Projekts NICHT.
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Jeanne-Claude, die Künstlerin mit der prägnanten Haarfarbe, erzählt von der Entstehung eines anderen Traums: "Als wir von Paris nach New York kamen, war unser Sohn Cyril vier Jahre alt. Er brauchte frische Luft und Platz zum Laufen, er kletterte im Central Park auf die Felsen - es war unser Park." Im Jahr 2005 errichteten sie in ihrem Park "The Gates", 7500 Tore, von denen safrangelbe Stoffbahnen herabhingen. "Wir lieben Safran - nicht wegen meiner Haarfarbe; obwohl Christo die Farbe meiner Haare ausgewählt hat".
Seit 15 Jahren hieß es nicht mehr Christo, sondern nur noch Christo und Jeanne-Claude. Sie entwarfen als eins, zumindest, was alle Freiluft-Arbeiten betrifft. Sie haben das Modell von Künstler und Muse auf eine zeitgemäße Version gebracht: Hier traten gleichberechtigte Schöpfer auf. "Wir machen alles zusammen. Alles. Nur drei Dinge nicht: Wir steigen nie in dasselbe Flugzeug. Ich zeichne nicht. Und Christo hat nie die Freude einer Steuererklärung empfunden. Ansonsten machen wir alles zusammen, und meistens mit viel Schreierei."
Doch jetzt herrscht Stille. Jeanne-Claude, Muse und Künstlerin zugleich, starb am Mittwoch an den Folgen einer Hirnblutung in New York. Christo und Jeanne-Claude ist nur noch Christo.
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