"Over the River" | Bildquelle: dapd

"Over the River" Christo gibt Projekt auf - wegen Trump

Stand: 26.01.2017 19:41 Uhr

Kilometerweit sollte Silberstoff über dem Arkansas River schimmern, doch nun kommt das Aus für das Projekt "Over the River". Ein Teil des Flusses gehört dem Staat - und diesem Besitzer solle das Projekt nicht zugutekommen, so Christo.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Seit 20 Jahren arbeiten Christo und anfangs auch noch seine inzwischen verstorbene Ehefrau Jeanne-Claude an diesem Projekt. Jetzt nicht mehr.

Nicht mit diesem "Landlord" - nicht mit diesem Landbesitzer, so erklärte es Christo der "New York Times". Er könne kein Projekt umsetzen, das diesem Grundherrn zugutekomme. Der heißt seit Ende vergangener Woche Donald Trump. Christos Verhüllung des Arkansas River hätte sich an einem Flussabschnitt abspielen sollen, der dem Staat USA gehört.

"Ein dramatisches Nein", nennt die "New York Times" die Absage. Damit habe ein bedeutender Künstler den Krieg der Kulturwelt gegen Trump eskaliert. Es ist eine mächtige Fortsetzung von J20, eines Künstlerprotestes, unter anderem unterstützt von Richard Serra und Cindy Sherman gegen den Amtsantritt Trumps am 20. Januar.

Langer Atem für das Projekt

Der besonders bei Wildwasser-Flößern beliebte Arkansas River schlängelt sich durch vier US-Bundesstaaten, bevor er sich in den Mississippi ergießt. Von den 2300 Kilometern des Flusses wollte Christo einen Bruchteil - rund 60 Kilometer - mit einem Gewebedach überspannen.

Es hätte ein silbrig schimmerndes Dach werden sollen. Der Stoff hätte womöglich dem geähnelt, den Christo bei seiner Reichstags-Verhüllung in Berlin nutzte. Am Ufer verankerte Stahlseile sollten ihn tragen.

Die Planungen begannen während der Clinton-Regierung. Danach gab es schwierige Zeiten mit Bush Junior. Schließlich kam Obama. 2011 genehmigte seine Regierung das Projekt. Damit war es aber noch immer nicht endgültig bewilligt. Denn ein Jahr später legte eine lokale Organisation Beschwerde gegen die Entscheidung ein, auch aus Umweltschutzgründen.

Keine Geduld, sondern Leidenschaft

Auf seiner Internetseite erwähnt Christo die Kontroverse mit Trump nicht. Dort heißt es nur: "Nach fünf Jahren Rechtsstreit möchte ich nicht länger auf das Ergebnis warten. Ich danke allen, die Teil dieser Reise waren."

Im vergangenen Juni hatte Christo mit seinen "Floating Piers" die Besucher des Iseo-Sees in Italien verzaubert. Es sei, wie über Wasser zu laufen, hatte Christo vorher ganz andächtig erklärt.

Besucher gehen über orangefarbenen Stoff auf schwimmenden Stegen vor Paratico im Rahmen des Projekts "The Floating Piers" von Christo auf dem Lago d'Iseo in Italien.
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Für viele Besucher ein unvergessliches Erlebnis: Der Gang über die "Floating Piers" von Christo.

Der Andrang auf die mit leuchtend orangenem Stoff abgedeckten Stege war so groß, dass sie vorübergehend gesperrt werden mussten. Es ist ein Erlebnis, das es nun am Arkansas River nicht geben wird.

Ob er denn noch etwas zu Präsident Trump sagen wolle, fragte die "New York Times". Christo erwiderte nur: Er habe niemals geglaubt, dass der gewählt werde und seine Entscheidung spreche doch wohl für sich.

Oder, wie er im ARD-Interview anlässlich seines 80. Geburtstags 2015 erklärt hatte: Viele seiner Ideen seien langwierig, davon lasse er sich nicht abhalten. Es brauche keine Geduld, sondern Leidenschaft. Die aber, so darf man annehmen, bringt Christo für den neuen Präsidenten wohl nicht auf.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Januar 2017 um 18:23 Uhr.

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