Rosen erinnern an die 115 Menschen, die im CTV-Gebäude in Christchurch ums Leben gekommen sind.  | Bildquelle: AFP

Fünf Jahre nach dem Erdbeben in Christchurch Die verwundete Stadt

Stand: 22.02.2016 11:18 Uhr

Die Neuseeländer in Christchurch sind an Erdbeben gewöhnt. Doch so schlimm wie am 22. Februar 2011 wurde die Stadt noch nie von einer Erschütterung getroffen - mit katastrophalen Folgen. Noch heute ist das Beben allgegenwärtig.

Von Udo Schmidt, ARD-Studio Singapur

185 Tote, die gesamte Innenstadt von Christchurch zerstört und zur sogenannten Roten Zone erklärt - nach dem verheerenden Erdbeben vor fünf Jahren war schwer vorstellbar, wie die Stadt mit ihren 360.000 Einwohnern jemals wieder aufgebaut werden könnte.

Fünf Jahre später ist vieles vollbracht, aber noch immer prägen Baukräne, Gerüste und leere Grundstücke das Bild. Bis Christchurch wieder ganz aufgebaut ist, wird es noch viele Jahre dauern. Das wissen alle, die man in der Stadt fragt. Und niemand sei darüber glücklich, sagt Peter Townsend, der Chef der Handelskammer von Christchurch.

Abrissarbeiten an einem vom Erdbeben zerstörtem Gebäude in Christchurch | Bildquelle: dpa
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Fünf Jahre nach dem Beben sind in Christchurch die Abrissarbeiten immer noch in vollem Gange.

45 Milliarden Dollar kostet der Wiederaufbau

"Die Menschen sind frustriert, weil alles so lange dauert. Aber viele verstehen jetzt zumindest, warum es so schwierig ist", so Townsend. "Das ist eine Riesenaufgabe und ich wüsste nicht, wo in der Welt 45 Milliarden Dollar aufgebracht wurden, um eine Stadt mit nur 360.000 Einwohnern wieder aufzubauen. Das hat es noch nie gegeben."

Bürgermeisterin Lianne Dalziel ist nach den vergangenen Jahren geübt in Durchhalteparolen. Sie weiß, was geleistet wurde in Christchurch. Sie weiß, was noch vor allen liegt - und sie weiß auch, was schief gelaufen ist. "Wir haben uns nach dem Beben sofort alles vorgenommen, was uns wichtig schien und was wir wieder aufbauen wollten", sagt Dalziel. "Doch das konnten wir natürlich nicht erreichen. Es fehlte an Kapazität, es fehlte an Grundstücken, es fehlte an allem." In diesem Jahr wolle man endlich einen realistischen Haushaltsplan aufstellen, den man auch erfüllen könne.

Trauer um das alte Christchurch

Doch auch wenn noch viel zu tun ist, ist die Stimmung in der Stadt besser, die Angst geringer geworden. Sue Turner hat die Kampagne "All Right?" ins Leben gerufen - eine Kampagne, die Anstöße geben soll. "Es sind mittlerweile weniger Menschen, die vor einem Erdbeben Angst haben. 2012 haben 54 Prozent der Befragten in der Stadt Angst eingestanden, jetzt sind es nur noch 42 Prozent", erläutert Turner. "2012 fanden 38 Prozent, dass das Leben schlechter geworden sei, jetzt sind es noch 28 Prozent. Das ist eine gute Entwicklung. Aber trotzdem sagen immer noch 61 Prozent, dass sie dem alten Christchurch nachtrauern."

Am 14. Februar, an einem Sonntagmittag vor gut einer Woche, bebte die Erde erneut in Christchurch, ein Erdstoß der Stärke 5,7 wurde verzeichnet. Kaputt ging wenig in der Stadt, aber es fühlte sich ein bisschen wie vor fünf Jahren an, sagt der Feuerwehrmann Steve Turek.

"Wir sollten an eine positive Zukunft denken"

Heute wird in Christchurch der 185 Toten vom Februar 2011 gedacht. Dabei werden wieder Blumen in die Tausenden Baustellen-Leitkegel gesteckt, die in der Stadt überall zu finden sind.

Die Idee mit den Blumen in den Kegeln stammt von dem Künstler Henry Sunderland. "Wir sollten jetzt auch lächeln und an eine positive Zukunft denken", sagt er.

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Erdbeben in Neuseeland (Bilder aus dem Jahr 2011)

Vom Erdbeben zerstörte Stadt

Knapp ein halbes Jahr nach einem schweren Erdbeben ist Neuseelands zweitgrößte Stadt Christchurch erneut von einem verheerenden Beben erschüttert worden. | Bildquelle: dapd

Christchurch fünf Jahre nach dem Beben
U. Schmidt, ARD Singapur
22.02.2016 09:36 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 22. Februar 2016 um 10:33 Uhr auf NDR Info.

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