Ein Mädchen im Jemen liegt auf einem kahlen Krankenbett. Es hat sich mit Cholera angesteckt. | Bildquelle: dpa

Cholera-Epidemie im Jemen Mehr als 500 Tote in einem Monat

Stand: 01.06.2017 16:44 Uhr

Im Bürgerkriegsland Jemen hat nur eine Minderheit Zugang zu sauberem Wasser. Das hat verheerende Konsequenzen: Innerhalb eines Monats sind mehr als 500 Menschen an Cholera gestorben, darunter 109 Kinder. Ein Ende der Epidemie ist nicht in Sicht.

Im Jemen grassiert eine Cholera-Epidemie: Innerhalb eines Monats sind nach Angaben der Vereinten Nationen 532 Menschen an Cholera gestorben, darunter 109 Kinder. In Wirklichkeit könnten es noch deutlich mehr sein. Denn bei den Zahlen handele es sich nur um die bestätigten Fälle, erklärte das Kinderhilfswerk Unicef. Symptome einer Infektion wie wässrigen Durchfall zeigen demnach insgesamt rund 65.000 Menschen. Allein etwa 1000 Kinder suchen täglich Hilfe bei den wenigen Gesundheitsstationen im Jemen.

Sauberes Wasser ist Mangelware

Die Zahl der Infizierten steigt von Woche zu Woche, doch noch immer ist ein Ende der Epidemie nicht in Sicht. Cholera wird vor allem durch verunreinigtes Trinkwasser ausgelöst. Im Jemen haben zwei Drittel der Bevölkerung laut Unicef keinen Zugriff auf sauberes Wasser. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben etwa 7,6 Millionen Menschen im Jemen in Gebieten mit einem hohen Risiko einer Cholera-Übertragung.

Doch nicht nur das Wassersystem ist zusammengebrochen. Auch die sanitären Anlagen und das Gesundheitssystem funktionieren mehrheitlich nicht. Eine Behandlung der Infizierten wird dadurch erschwert. Es fehlt an Medikamenten und medizinischer Ausrüstung. Die Leiterin von Unicef im Jemen, Meritxell Relaño, forderte die internationale Gemeinschaft dazu auf, dringend langfristige Investitionen in Wasser- und Sanitärsysteme zu unterstützen. "Sonst wird es immer wieder Ausbrüche von tödlichen Krankheiten geben", so Relaño.

17 Millionen Menschen leiden unter Hunger

Mit dem Jemen trifft die Epidemie ein Land, in dem mehr als 17 Millionen Menschen an Hunger leiden. Besonders gravierend ist auch die Situation der Kinder: Mehr als eine halbe Million Kinder leiden laut Unicef unter schwerer Mangelernährung und sind unmittelbar vom Tod bedroht sind.

Seit 2015 kämpfen schiitische Huthi-Rebellen im Jemen gegen die Truppen von Präsident Abd-Rabbu Mansour Hadi, die sunnitisch geprägt sind. Die Stadt Sanaa wird von Rebellen kontrolliert. Eine internationale Koalition unter der Führung Saudi-Arabiens versucht, die Aufständischen zu vertreiben. Diese haben Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht.

Viele Appelle, wenig Hoffnung
C. Wegerhoff, ARD Kairo
01.06.2017 19:00 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio am 23. Mai 2017 um 06:50 Uhr.

Darstellung: