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27.05.2012

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Ausland
Korruptionsvorwürfe gegen Chirac: Geldkoffer aus Afrika?
Vorwürfe gegen Frankreichs Ex-Präsidenten

Geldkoffer aus Afrika?

Robert Bourgi, ehemaliger Afrika-Berater von Jacques Chirac, hat ausgepackt: Im Auftrag von Chirac und Ex-Premier De Villepin habe er jahrelang Millionensummen nach Paris geschafft. Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück. Doch ein Polit-Skandal ist vorprogrammiert.

Von Anne Christine Heckmann, SR-Hörfunkstudio Paris

Robert Bourgis Geschichten klingen wie aus einem Thriller: Geldnoten in Kunstwerken versteckt, Sporttaschen voller Scheine, Francs-Bündel in Werbeplakate eingerollt. Methoden mit denen der Anwalt und offizielle Afrika-Berater von Frankreichs Ex-Präsident Chirac wohl jahrelang Millionenspenden aus Afrika heimlich in den Elysee-Palast transportiert hat. Neben Jacques Chirac beschuldigt Bourgi auch den ehemaligen Minister und späteren Premier Dominique de Villepin der Korruption. Auch ihm habe er prall gefüllte Geldkoffer vor die Tür gestellt.

Der Anwalt Robert Bourgi beantwortet Fragen von Journalisten in Paris. Er beschuldigt Frankreichs Ex-Präsidenten Jacques Chirac der Korruption. (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der Anwalt Robert Bourgi beantwortet Fragen von Journalisten in Paris. Er beschuldigt Frankreichs Ex-Präsidenten Jacques Chirac der Korruption. ]

"Was mich betrifft", sagt Robert Bourgi, "so schätze ich, dass ich insgesamt rund 20 Millionen Dollar an Chirac und De Villepin überbracht habe - und das zwischen 1997 und 2005." Alleine zehn Millionen Dollar seien für Chiracs Präsidentschaftswahlkampf 2002 geflossen. Die Spenden habe Bourgi im Senegal, in Burkina Faso, der Elfenbeinküste, dem Kongo und im Gabun abgeholt. Dessen Diktator Omar Bongo, der über 40 Jahre lang im erdölreichen afrikanischen Land herrschte, sei der Großzügigste gewesen, erklärte Bourgi. Er habe unter anderem den politischen Klub des derzeitigen Außenministers Alain Juppé jahrelang finanziert. Bongo gilt als Veteran der France-Afrique, dem politischen und wirtschaftlichen Geflecht zwischen Frankreich und Afrika nach dem Ende des Kolonialismus.

Chirac und De Villepin wollen Klage einreichen

Das sind Verstrickungen, die den Afrika-Experten und Journalisten Antoine Glaser nicht weiter verwundern. "Die Rolle von Robert Bourgi ist es, die Botschaften der afrikanischen Präsidenten an die Mächtigen und insbesondere an die Präsidenten in Frankreich zu überbringen", sagt Glaser. "Und diese Rolle hat er über einen sehr langen Zeitraum gespielt."

Frankreichs ehemaliger Premierminister Dominique de Villepin und Ex-Präsident Jacques Chirac im Juni 2010 in Paris. Auch Villepin beschuldigt Robert Bourgi der Korruption. (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Frankreichs ehemaliger Premierminister Dominique de Villepin und Ex-Präsident Jacques Chirac im Juni 2010 in Paris. Auch Villepin beschuldigt Robert Bourgi der Korruption. ]
Bis 2005 war Bourgi für die Regierung auf Spendenjagd - dann soll ihn der damalige Premier De Villepin geschasst haben, so der Anwalt. Aus Rache hat er dann wohl das Lager gewechselt: Er bot De Villepins Erzrivalen, dem ambitionierten Präsidentschaftsanwärter Nicolas Sarkozy seine Dienste an.

Der ehemalige Premierminister Dominique de Villepin, der sich derzeit in der Clearstream-Affäre dem Vorwurf stellen muss, er habe an einer Verleumdungskampagne gegen Sarkozy teilgenommen, sieht in der neuen Affäre nichts mehr als ein weiteres politisches Komplott. "Es ist ganz offensichtlich so, dass genau zum Zeitpunkt des Chirac-Prozesses und ein paar Tage vor der Entscheidung des Berufungsgerichts im Fall Clearstream, die Verlockung groß ist, bestimmte Verdächtigungen auszusprechen", meint De Villepin. "Die Vorwürfe sind schlimm, skandalös und beschämend. Deshalb werde ich genau wie Jacques Chirac Klage einreichen."

Bourgi hat keinen Beweis

Die oppositionellen Sozialisten haben die Justiz aufgefordert, schnellstens Ermittlungen in dem Fall einzuleiten um die Vorwürfe aufzuklären. Bourgi hat bereits erklärt, er habe keinen einzigen Beweis für seine Aussage. Ein Vertrauter des ivorischen Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo hat aber schon ausgepackt und Millionen-Transfers bestätigt. Für die Konservativen in Frankreich zeichnet sich ein ungemütlicher Herbst ab.

Audio: Schmiergeldtheater: Clearstream-Urteil erwartet

AudioEvi Seibert, SWR-Hörfunkstudio Paris 13.09.2011 15:45 | 2'43
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Stand: 12.09.2011 16:41 Uhr
 

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