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09.03.2010

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Ausland
Uiguren-Proteste
Neue Proteste in Uiguren-Provinz Xinjiang
Nach blutigen Unruhen in China

Neue Proteste in Uiguren-Provinz

Am Tag nach den blutigen Unruhen in der nordwestchinesischen Provinz Xinjiang haben sich trotz eines massiven Polizeiaufgebots erneut Hunderte Angehörige der Uiguren und auch Han-Chinesen versammelt. Han-Chinesen zogen laut Augenzeugen mit Knüppeln bewaffnet durch die Straßen der Hauptstadt Urumqi und demolierten Verkaufsstände von Muslimen. Bewohner einiger Viertel hätten sich zur Selbstverteidigung mit Holz- und Eisenknüppeln bewaffnet, berichtet hingegen die staatliche Agentur Xinhua. Die Menschen liefen "in Panik" durch die Straßen.

Eine Gruppe von 200 überwiegend weiblichen uigurischen Demonstranten versammelte sich in Urumqi, um gegen die Inhaftierung ihrer Männer und Kinder zu demonstrieren. Die Demonstranten blockierten eine Hauptstraße und forderten die Freilassung ihrer Angehörigen.

Polizei mit Großaufgebot in Urumqi

Uiguren-Proteste in Urumqi (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Polizei versuchte, am Tag nach den blutigen Unruhen große Kundgebungen zu verhindern. ]
Das Zentrum Urumqis gleicht einer Festung. In einigen Stadtvierteln herrscht nach Angaben der Regionalregierung das Kriegsrecht. Massenhaft zogen Sicherheitskräfte in der Innenstadt auf. Hunderte Polizisten mit Helmen und Schlagstöcken sichern den zentralen Platz der Stadt ab. Bei den gestrigen Unruhen hatten die Behörden nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua 1379 Männer und 55 Frauen festgenommen. Zuvor war von insgesamt 700 Festnahmen die Rede gewesen.

US-Präsident Barack Obama äußerte sich besorgt über die Ausschreitungen. Obamas Sprecher Robert Gibbs erklärte am Rande des Präsidentenbesuchs in Moskau, das Weiße Haus rufe alle Parteien zur Zurückhaltung auf.

Interview:

Chinesische Sonderpolizei patroulliert in Urumqi (Foto: AFP)
Weitere Meldungen "Der Unmut der Bevölkerung ist groß" Die Zusammenstöße in Urumqi kommen nicht überraschend, sagt China-Experte Sandschneider. [mehr]

Die im Exil lebende Uiguren-Führerin Rebiya Kadeer forderte eine internationale Untersuchung der Unruhen. "Wir hoffen, dass die UNO, die USA und die EU Ermittler schicken, um zu untersuchen, was wirklich in Xinjiang passiert ist", sagte Kadeer in Washington. Die chinesische Regierung wirft der Chefin des Uigurischen Weltkongresses vor, hinter den Ausschreitungen zu stecken. Die Uiguren machen dagegen die chinesische Seite für die Gewalt verantwortlich.

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Bei den Zusammenstößen zwischen muslimischen Uiguren und Han-Chinesen kamen seit Sonntag den Angaben von Xinhua zufolge mindestens 156 Menschen ums Leben – 1080 weitere wurden demnach verletzt. Ausgangspunkt der Unruhen war eine Demonstration mit bis zu 3000 Teilnehmern. Der zunächst friedliche Protest schlug offenbar in Gewalt um, als die Polizei die Demonstration auflösen wollte. Die muslimische Minderheit der Uiguren und die chinesische Führung geben sich für die Gewalt gegenseitig die Schuld.

Hintergrund:

Die Uiguren sind ein muslimisches Volk mit etwa zehn Millionen Menschen. Mehr als acht Millionen Angehörige der Volksgruppe leben in der Region Xinjiang im Nordwesten Chinas.

Seit sich Peking Xinjiang 1955 als "Autonome Region" einverleibte und dort Han-Chinesen ansiedelte, kämpfen Uiguren im ehemaligen Ost-Turkestan für ihre Rechte. Peking hat vier Uiguren-Gruppen zu terroristischen Vereinigungen erklärt.

Menschenrechtsgruppen werfen Peking vor, die Uiguren mithilfe von Folter, Massenverhaftungen und Todesurteilen zu unterdrücken.

Xinjiang grenzt unter anderem an Pakistan und Afghanistan und ist für Peking von großer strategischer Bedeutung. Die Region ist reich an Bodenschätzen wie Kohle, Gold und Uran. Große Erdöl- und Erdgasvorkommen werden dort vermutet. Xinjiang ist fast fünf Mal so groß wie Deutschland. 19,6 Millionen Menschen leben dort.
 

Einen Hintergrundbericht zur uigurischen Minderheit in China sehen Sie heute Abend um 22.30 Uhr in der Sendung "Weltbilder" im NDR Fernsehen.

Stand: 07.07.2009 14:10 Uhr
 

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