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Am Tag nach den blutigen Unruhen in der nordwestchinesischen Provinz Xinjiang haben sich trotz eines massiven Polizeiaufgebots erneut Hunderte Angehörige der Uiguren und auch Han-Chinesen versammelt. Han-Chinesen zogen laut Augenzeugen mit Knüppeln bewaffnet durch die Straßen der Hauptstadt Urumqi und demolierten Verkaufsstände von Muslimen. Bewohner einiger Viertel hätten sich zur Selbstverteidigung mit Holz- und Eisenknüppeln bewaffnet, berichtet hingegen die staatliche Agentur Xinhua. Die Menschen liefen "in Panik" durch die Straßen.
Eine Gruppe von 200 überwiegend weiblichen uigurischen Demonstranten versammelte sich in Urumqi, um gegen die Inhaftierung ihrer Männer und Kinder zu demonstrieren. Die Demonstranten blockierten eine Hauptstraße und forderten die Freilassung ihrer Angehörigen.
[Bildunterschrift: Die Polizei versuchte, am Tag nach den blutigen Unruhen große Kundgebungen zu verhindern. ]
Das Zentrum Urumqis gleicht einer Festung. In einigen Stadtvierteln herrscht nach Angaben der Regionalregierung das Kriegsrecht. Massenhaft zogen Sicherheitskräfte in der Innenstadt auf. Hunderte Polizisten mit Helmen und Schlagstöcken sichern den zentralen Platz der Stadt ab. Bei den gestrigen Unruhen hatten die Behörden nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua 1379 Männer und 55 Frauen festgenommen. Zuvor war von insgesamt 700 Festnahmen die Rede gewesen.
US-Präsident Barack Obama äußerte sich besorgt über die Ausschreitungen. Obamas Sprecher Robert Gibbs erklärte am Rande des Präsidentenbesuchs in Moskau, das Weiße Haus rufe alle Parteien zur Zurückhaltung auf.
Die im Exil lebende Uiguren-Führerin Rebiya Kadeer forderte eine internationale Untersuchung der Unruhen. "Wir hoffen, dass die UNO, die USA und die EU Ermittler schicken, um zu untersuchen, was wirklich in Xinjiang passiert ist", sagte Kadeer in Washington. Die chinesische Regierung wirft der Chefin des Uigurischen Weltkongresses vor, hinter den Ausschreitungen zu stecken. Die Uiguren machen dagegen die chinesische Seite für die Gewalt verantwortlich.
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Bei den Zusammenstößen zwischen muslimischen Uiguren und Han-Chinesen kamen seit Sonntag den Angaben von Xinhua zufolge mindestens 156 Menschen ums Leben – 1080 weitere wurden demnach verletzt. Ausgangspunkt der Unruhen war eine Demonstration mit bis zu 3000 Teilnehmern. Der zunächst friedliche Protest schlug offenbar in Gewalt um, als die Polizei die Demonstration auflösen wollte. Die muslimische Minderheit der Uiguren und die chinesische Führung geben sich für die Gewalt gegenseitig die Schuld.
Einen Hintergrundbericht zur uigurischen Minderheit in China sehen Sie heute Abend um 22.30 Uhr in der Sendung "Weltbilder" im NDR Fernsehen.
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