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Nobelpreis Literatur Mo Yan

Kritik aus China an Mo Yan

Literaturnobelpreisträger verteidigt Zensur

Mit Empörung haben Bürgerrechtler und kritische Intellektuelle in China auf die jüngsten Äußerungen von Literaturnobelpreisträger Mo Yan reagiert. In Stockholm hatte der chinesische Schriftsteller die Zensur in seinem Heimatland verteidigt. Ein Kritiker nannte ihn einen "Lakaien" des Systems.

Von Ruth Kirchner, ARD-Hörfunkstudio Peking

Mo Yan solle sich schämen, sagte der bekannte Künstler Ai Weiwei. Seine Äußerungen seien einfach ekelhaft. Mo Yan hatte gestern in Stockholm die Zensur als notwendiges Übel bezeichnet und mit lästigen Sicherheitskontrollen am Flughafen verglichen.

Als Autor habe Mo Yan auf eine einfache Frage nach der Meinungsfreiheit eine naive und empörende Antwort gegeben, so Ai Weiwei: "Er vertritt die Linie der Behörden. Ich kann nichts Gutes darin erkennen, keine Logik und keine Moral."

Andere Kritiker werfen Mo Yan einen blinden Glauben an die Staatsgewalt und Ignoranz gegenüber Bürgerrechten vor. Der im Exil lebende Autor Yu Jie bezeichnete Mo Yan als einen "Lakaien" des Systems.

Künstler Ai Weiwei kritisiert Literatur-Nobelpreisträger Mo Yan
R. Kirchner, ARD Peking
07.12.2012 12:26 Uhr

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"Er hat die Auszeichnung nicht verdient"

Der Direktor des Hongkonger PEN-Zentrums unabhängiger Schriftsteller, Patrick Poon, sagte, Mo Yan habe die höchste literarische Auszeichnung nicht verdient. Ein Schriftsteller werde nicht nur an seinen Werken gemessen, sondern auch an seiner Haltung gegenüber der Meinungsfreiheit. "Ich bin sehr enttäuscht. Jetzt ist Mo Yan in einer Position, wo er ohne Probleme etwas über den Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo und andere inhaftierte Schriftsteller hätte sagen können. Denn es ist jetzt undenkbar, dass die Behörden etwas gegen ihn unternehmen, wo er doch diese Auszeichnung erhalten hat."

Fragen nach Liu Xiaobo ausgewichen

Wiederholten Fragen nach Liu Xiaobo, der derzeit eine elfjährige Haftstrafe verbüßt, war Mo Yan bei der Pressekonferenz ausgewichen. Die staatlich kontrollierten Medien in China, die die Vergabe des Literaturnobelpreises an Mo Yan euphorisch gefeiert hatten, berichteten zwar über seinen Stockholmer Auftritt, aber nicht alle brachten seine Äußerungen zur Zensur.

Am Nachmittag wird Mo Yan in Stockholm die traditionelle Nobel-Vorlesung halten. Die Zeremonie zur Verleihung des Preises findet am Montag statt.

Dieser Beitrag lief am 7. Dezember 2012 um 11:51 Uhr auf NDR Info.

Stand: 07.12.2012 12:03 Uhr

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