Visum nicht verlängert China zwingt US-Journalisten zur Ausreise

Stand: 01.01.2013 17:01 Uhr

Die chinesischen Behörden haben das Visum des Pekinger Korrespondenten der "New York Times" nicht verlängert und ihn so gezwungen, das Land zu verlassen. Der 45-jährige Chris Buckley reiste mittlerweile mit seiner Familie nach Hongkong.

"Es ist eine komplizierte Situation. Ich bin nicht sicher, ob es korrekt wäre, den Begriff 'ausweisen' zu verwenden - ich tue es nicht", sagte er der "South China Morning Post". "Mein Visum ist heute abgelaufen und ich habe kein neues erhalten. Die Situation ist, dass ich bis Oktober für Reuters gearbeitet hatte und dann eine neue Position bei der 'New York Times' angenommen habe. Das Visum war jedoch während meiner Tätigkeit für Reuters gewährt worden." In Peking habe er darauf gewartet, dass die chinesischen Behörden ein neues Visum und eine Akkreditierung für seine Tätigkeit bei der "New York Times" erteilen würden. Dies sei jedoch nicht geschehen.

Chinas Premier Wen Jiabao (Bildquelle: dpa)
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Chinas Premier Wen gibt sich gern volksnah und bescheiden. Doch seine Familie hat laut "New York Times" ein Vermögen angehäuft.

Die "New York Times" hatte über die großen Reichtümer der Familie von Ministerpräsident Wen Jiabao berichtet. Als Reaktion hatten die Behörden schon die Webseite der Zeitung in China blockiert. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa begründeten die Behörden die Verweigerung der weiteren Akkreditierung nicht mit den Berichten über Wen Jiabaos Familie. Allerdings wartet auch der künftige Pekinger Bürochef der "New York Times", Philip Pan, schon seit Monaten auf sein Visum. Er hatte seine Akkreditierung bereits im März beantragt. Der Australier Buckley arbeitete seit 2000 als Journalist in China.

Undurchsichtige Visa-Politik

Die Probleme für Buckley überraschen, weil das Visum für den Autor der heiklen Enthüllungsgeschichten über Wen Jiabaos Reichtümer, David Barboza in Shanghai, offenbar verlängert worden war. Die "New York Times" hat fünf weitere Journalisten in China, deren Visa ebenfalls normal verlängert worden waren.

"Ich bedaure, dass Chris Buckley trotz unserer wiederholten Bitten, sein Journalistenvisum zu verlängern, gezwungen wurde, sich außerhalb Chinas niederzulassen", sagte Jill Abramson, Chefredakteurin der "New York Times", in einer Erklärung. Sie forderte das Pekinger Außenministerium auf, Buckley so schnell wie möglich ein Visum auszustellen und ihm zu erlauben, nach Peking zurückzukehren.

Erst im Mai hatte die amerikanische Journalistin Melissa Chan, die für das englische Programm des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira gearbeitet hatte, das Land verlassen müssen. Es war die erste Ausweisung seit 14 Jahren und wurde als weitere Maßnahme verstanden, den Druck auf ausländische Korrespondenten zu erhöhen. So wird ihnen immer wieder damit gedroht, ihre Visa nicht zu verlängern.

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