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Keine Blumen, keine Erinnerungstafel, keine öffentliche Trauer: Auch am 20. Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung schweigt die Führung in Peking. Die staatlich verordnete Verdrängung scheint bei den Bürgern langsam Wirkung zu zeigen.
Von Petra Aldenrath, ARD-Hörfunkstudio Peking
Auf der Changanjie, der Zufahrtsstraße zum Platz des Himmlischen Friedens, rollten vor 20 Jahren Panzer, Soldaten schossen auf Demonstranten. Heute braust dort der Verkehr. Auf dem Platz selber flanieren ausländische und chinesische Touristen und bewundern das Mao-Mausoleum mit der einbalsamierten Leiche des Gründers der Volksrepublik. In Peking ist heute ein ganz normaler Tag. Es finden keine öffentlichen Gedenkveranstaltungen statt. Es gibt keine Blumen, die niedergelegt werden, keine Tafeln zur Erinnerung an die Menschen, die bei der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung ihr Leben verloren.
Auch die Menschen auf der Straße scheinen sich nicht zu erinnern: "Der 4 Juni? Was da los war? Ich weiß es nicht", sagt ein Passant. Und ein anderer sagt: "Ich weiß nichts Genaues darüber. Ich weiß nur, dass ein paar Studenten an einer Kampagne teilgenommen haben."
[Bildunterschrift: Kein Zutritt für Journalisten, aber dafür noch mehr Sicherheitskräfte auf dem Tiananmen-Platz. ]
Viele junge Leute haben keine Ahnung, was damals geschah. Weder in den Schulbüchern noch in den Medien wird über das Massaker vom 4. Juni 1989 berichtet. Doch dass die chinesische Regierung aber auch 20 Jahre danach hochnervös ist, merkt man an den verstärkten Sicherheitsbedingungen. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens stehen mehr Soldaten herum als sonst, die Polizei ist präsenter, Sicherheitskräfte in Zivil sind allgegenwärtig.
Vor allem die ältere Generation, die damals bewusst alles hautnah miterlebte, habe nichts vergessen, sagt die Pekingerin Huamin, etwa 50 Jahre alt: "Wir haben alle an die Studenten gedacht. Wir haben die Studenten mit unserem Herzen unterstützt, wir fanden, dass sie etwas Gutes machen. Sie waren ja nicht gewalttätig. Sie waren Helden, sie haben es gewagt, der Regierung zu sagen, was alles nicht stimmt. Als die Regierung eingriff, waren wir geschockt."
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Damit es am Gedenktag des Massakers nicht zu Demonstrationen kommt, hat die chinesische Sicherheitsbehörde vorgesorgt. Regimekritiker, die die Erinnerung an das Massaker lebendig halten wollen, wurden entweder aus der Stadt herausgebracht, sie stehen unter Hausarrest oder werden rund um die Uhr bewacht. Auch den "Müttern des Tiananmen", die damals ihre Kinder verloren und seitdem Gerechtigkeit fordern, wird nicht erlaubt, aus dem Haus zu gehen. Ausländische Fernsehkanäle, die Beiträge über das Massaker senden, werden zensiert. Genau das gleiche gilt für Internetdienste, bei denen man sich Fotos von damals oder Dokumentationen anschauen kann. Eine Aufarbeitung der Ereignisse von damals wird nicht zugelassen.
Die Regierung rechtfertigt das Massaker bis heute als notwendige Niederschlagung eines Volksaufstandes und versucht, das Gedenken an den 4. Juni auszulöschen. Viele Erwachsene, die damals dabei waren, handeln heute unbewusst im Sinne der Regierung. Statt zu reden, schweigen sie - oft um ihre Kinder zu schützen, wie Huamin. Ihr Sohn ist heute 17 Jahre alt: "Eigentlich ist es ja merkwürdig, dass ich sogar mit meinem Sohn nie darüber geredet habe", sagt sie. "Ich hatte Angst, dass er, wenn er etwas wüsste, in der Schule darüber reden und dann Probleme bekommen könnte und dann wäre er später nicht an der Universität angenommen worden."
Sie habe Angst, dass ihr Sohn sich wie die Studenten von damals leidenschaftlich für eine Sache einsetzen könnte. Seine Zukunft wäre dann ruiniert. "Da dachte ich mir: Sprich lieber nicht darüber. Ich möchte nicht, dass mein Sohn später im Gefängnis sitzt, ich möchte nicht, dass er ein Dissident wird."
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