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Kampf gegen Zwangsumsiedlungen in China
Die Einsamkeit des Herrn Fu
Sein Kampf galt der Korruption und der Umweltzerstörung. Nachdem der chinesische Aktivist Fu darüber vor sechs Jahren mit einem ARD-Team gesprochen hatte, wurde er brutal zusammengeschlagen. Seitdem ist Fu gelähmt - doch er kämpft unermüdlich weiter.
Von Ruth Kirchner, ARD-Hörfunkstudio Peking, zzt. Yangguidian
Die Winter am Jangtse-Fluss sind kalt und feucht. Auch in Yangguidian, dem Dorf von Bauer Fu Xiancai. In seinem Haus sitzt die Familie um eine einfache Feuerstelle. Die Kohle glüht, warm ist es trotzdem nicht. Fu sitzt im Rollstuhl, in einen dicken grünen Armeemantel gehüllt, mit einer schwarzen Wollmütze auf dem Kopf. "Ich kann meinen Kopf bewegen und meine Schultern. Meine Finger aber nicht. Beim Essen und Trinken brauche ich Hilfe. Ich kann nicht aufstehen. Meine Beine kann ich nicht bewegen."
"Man hat versucht, mich umzubringen"
Fus Versorgung nimmt die ganze Familie in Anspruch - seine Frau und die beiden Söhne. Er muss nachts im Bett gedreht werden, hat oft Schmerzen, manchmal Fieber. Doch aufgeben will er nicht: "Mein größter Wunsch ist es, dass mein Fall gelöst wird. Ich wurde angegriffen, weil ich Korruption aufgedeckt habe. Man hat versucht, mich umzubringen. Ich will Klarheit. Die Täter ausfindig zu machen wäre ein großer Beitrag im Kampf gegen die Korruption."
Fu Xiancais Schicksal hatte vor sechs Jahren weltweit Schlagzeilen gemacht. Er hatte sich jahrelang für Tausende Bauern am Jangtse eingesetzt, die wegen des gewaltigen Drei-Schluchten-Dammes ihre Häuser verlassen mussten. Viel Geld, das für die Umsiedler bestimmt war, ist damals in den Taschen korrupter Beamter verschwunden. Fu hatte dagegen protestiert und sich so die örtlichen Behörden zum Feind gemacht. Deswegen sei er nach einem Interview mit einem Fernsehteam der ARD brutal zusammengeschlagen worden, sagt er.
Zwangsumsiedlungen in China: Die Einsamkeit von Bauer Fu
R. Kirchner, ARD-Hörfunkstudio Peking
04.02.2013 11:37 Uhr
Die Behörden behaupteten hingegen, Fu sei gestürzt. Der Bauer bleibt bis heute bei seiner Version. "Ich mache weiterhin Eingaben - beim Ministerium für öffentliche Sicherheit, bei der zentralen Disziplinarkommission der Partei, bei den obersten Anklagebehörden des Landes. Ich fordere, dass die oberen Behörden die örtlichen Stellen anweisen, ein Verfahren zu eröffnen. Aber bislang haben sie sich geweigert."
Ein Kampf auf verlorenem Posten
Fu kämpft auf verlorenem Posten. Der örtliche Parteichef, den er für einen der Hauptverantwortlichen des Überfalls hält, ist längst versetzt und befördert worden. Der neue will mit den alten Fällen nichts zu tun haben. Die internationalen Spendengelder, die 2006 vor allem aus Deutschland kamen, sind verbraucht. Die Familie lebt heute von Sozialhilfe und Spenden des örtlichen Behindertenverbandes.
Finanziell kommen die Fus über die Runden. Doch das Unrecht könne man mit Geld nicht wiedergutmachen, sagt Fu. "Ich bin enttäuscht. Aber mit der neuen Führung in Peking unter Parteichef Xi Jinping habe ich neue Hoffnung. Er ist ein aufrechter Mann. In den nächsten drei bis fünf Jahren könnte sich was tun. Wenn bis dahin nichts passiert, dann war die Hoffnung vergeblich."
Fu wartet bis heute auf Antworten
In der offenen Küche auf der Veranda kocht Frau Fu das Abendessen. Das Leben sei hart, sagt sie. Die Pflege ihres schwer behinderten Mannes koste sie ihre gesamte Kraft. Die feuchte Kälte zieht durch die Räume. Wie überall auf dem Land ist auch das Haus der Fus nur spärlich eingerichtet. Nackter Betonfußboden, kaum Möbel.
Es sei still geworden um ihn, räumt Fu ein. Auch die Unterschlagung der Entschädigungsgelder für rund 100.000 Bauern interessiere heute niemanden mehr. Nur Bauer Fu schreibt immer noch beharrlich an die Behörden, die Petitionsbüros, den Staatsrat. Eine Antwort hat er auch auf diese Eingaben bis heute nicht erhalten.
Stand: 10.02.2013 13:48 Uhr
