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Chinesisch-japanischer Konflikt
Hinter dem Streit steckt mehr als die Inseln
Der Inselstreit zwischen Japan und China schwelt schon seit Jahrzehnten. So heftig wie diesmal waren die anti-japanischen Proteste aber nie zuvor. Dabei geht es nicht nur um fischreiche Gewässer sowie Gas- und Ölvorkommen. Der tief sitzende Hass vieler Chinesen ist historisch bedingt.
Von Markus Rimmele, ARD-Hörfunkstudio Schanghai
"Nieder mit den japanischen Teufeln, gebt die Diaoyu-Inseln zurück", skandieren die Demonstranten vor dem japanischen Generalkonsulat in Schanghai. Sie tragen kleine und große China-Flaggen, Mao-Zedong-Bildnisse und Spruchbänder vor sich her. Aggression liegt in der Luft, aber auch Unwissenheit.
"Wir sind hier, um gegen die Invasion der Diaoyu-Inseln zu protestieren. Wir wollen ausdrücken, wie falsch diese Invasion ist. Die chinesische Regierung sollte die Japaner daran hindern. Es gibt so viele patriotische Chinesen. Die Regierung sollte uns unterstützen."
Anti-japanische Proteste in China
M. Rimmele, ARD Schanghai
17.09.2012 07:35 Uhr
Seit Jahrzehnten unter japanischer Kontrolle
Von einer neuerlichen Invasion durch Japan kann natürlich keine Rede sein, auch wenn im anti-japanischen Rausch das bei manchem so angekommen sein mag. Japan kontrolliert die Inseln seit Jahrzehnten. Der Fall der Diaoyu- oder Senkaku-Inseln, wie sie in Japan heißen, ist kompliziert, und - wie viele Territorialkonflikte der Region - uneindeutig.
Tokio erklärte die unbewohnte Inselgruppe 1895 während eines Krieges mit China zum japanischen Hoheitsgebiet. Nach dem Zweiten Weltkrieg kontrollierten zunächst die Amerikaner die Inseln, gaben sie aber 1972 an Japan zurück. China und Taiwan wiederum erheben historische Ansprüche, die bis in die Zeit der Ming-Dynastie zurückreichen. Der Streit schwelt seit Jahrzehnten. Doch noch nie hat er zu solch heftigen Protesten geführt.
Erzfeind Japan
Ökonomische Gründe spielen dabei eine Rolle. Die Diaoyu- oder Senkaku-Inseln liegen in sehr fischreichen Gewässern. Außerdem werden in der Nähe Erdöl und Erdgas vermutet.
Doch noch mehr scheint es den Demonstranten um den chinesischen Nationalstolz zu gehen. Sie empfinden es als unerträglich, dass ausgerechnet der Erzfeind Japan angeblich chinesisches Territorium besetzt hält. Der Hass auf Japan ist auch bei vielen jungen Menschen in China lebendig.
In Schanghai lebt die größte japanische Gemeinde außerhalb Japans - 56.000 Menschen. Viele fühlen sich derzeit nicht mehr sicher. "Ich mache mir Sorgen wegen der aktuellen Situation hier", sagt Tatsumi Tomoji. Er arbeitet in Schanghai für die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. "Wenn ich in der U-Bahn fahre und mein Telefon klingelt, gehe ich nicht ran, weil ich dann Japanisch sprechen müsste. Ich habe uns zu Hause mit Lebensmitteln eingedeckt. Meine Frau ist das ganze Wochenende nicht einmal vor die Tür gegangen", berichtet Tatsumi weiter.
Erneut anti-japanische Proteste in China
tagesschau 09:00 Uhr, 18.09.2012, Ariane Reimers, ARD Peking
Die nicht anerkannte Schuld
Die anti-japanischen Ressentiments wurzeln in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Dem brutalen Überfall der Japaner fielen mindestens 20 Millionen Chinesen zum Opfer. Zu einer Aussöhnung zwischen beiden Ländern kam es nie. Viele Chinesen haben das Gefühl, dass Japan seine Schuld nach wie vor nicht anerkennen will.
Chinas Regierung wiederum setzt die vorhandenen anti-japanischen Gefühle in der Bevölkerung geschickt politisch ein. So ließ die Polizei die Demonstranten auch dieses Mal gewähren. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass die Proteste von staatlicher Seite unterstützt wurden. Normalerweise gehen die Behörden in China entschieden gegen Demonstrationen vor, oftmals rabiat. Nicht so in diesem Fall.
Doch es ist ein Spiel mit dem Feuer. Wie am Wochenende zu sehen war, geraten die Proteste leicht außer Kontrolle. Viele Demonstranten kritisieren mittlerweile auch die chinesische Regierung und verlangen eine härtere Gangart gegenüber Tokio.
Am Dienstag drohen neue Proteste. Immer am 18. September erinnert China an Mukden-Zwischenfall, der die japanische Invasion Nordostchinas im Jahr 1931 nach sich zog.
Stand: 17.09.2012 13:31 Uhr
