Druck auf Pressemitarbeiter erhöht China weist ausländische Journalistin aus

Stand: 08.05.2012 09:58 Uhr

Melissa Chan | Bildquelle: dpa
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Melissa Chan

China hat eine akkreditierte ausländische Journalistin ausgewiesen - ein Vorfall, der in den vergangenen 14 Jahren nicht vorkam. Die langjährige Korrespondentin des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira, Melissa Chan, habe das Land bereits verlassen müssen, berichtete der Auslandskorrespondentenclub (FCCC) in Peking.

Al Dschasira teilte mit, es müsse nun sein englischsprachiges Büro in Peking schließen. Gleichzeitig kündigte das Medienunternehmen an, mit der chinesischen Regierung an einer Wiedereröffnung des englischen Büros zu arbeiten. Der Sender berichte aus China nun zunächst nur auf Arabisch.

Extremster Fall von Einschüchterung

Büroschild von Al Dschasira Peking | Bildquelle: AFP
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Al Dschasira hat nach eigenen Angaben sein englisches Büro in Peking geschlossen.

Chan gilt als erste ausländische Journalistin seit 1998, die von China ausgewiesen wurde. Damals war der "Spiegel"-Korrespondent Jürgen Kremb beschuldigt worden, im Besitz von "Staatsgeheimnissen" zu sein, und war des Landes verwiesen worden. Die Ausweisung Chans wurde von offizieller Seite nicht begründet. Laut FCCC warfen die Behörden Chan aber im Zusammenhang mit einer im November ausgestrahlten Dokumentation über Arbeitslager in China vor, gegen chinesische "Regeln und Regulatorien" verstoßen zu haben. Auch hätten die Behörden ihre Unzufriedenheit über die generelle redaktionelle Linie der englischen Berichterstattung des Senders aus China demonstriert.

"Es ist der extremste Fall in dem jüngsten Muster, Journalistenvisa zu benutzen, um ausländische Korrespondenten in China zu zensieren und einzuschüchtern", teilte der Korrespondentenclub mit. Der Korrespondentenclub äußerte sich "empört" über die Entscheidung. Auch anderen Journalisten seien die nötigen Visa verweigert worden.

ZDF-Kameramann zur Polizei einbestellt

Zuletzt waren auch bei der Berichterstattung über den blinden chinesischen Bürgerrechtler Chen Guangcheng, der in die USA ausreisen will, wieder mehrere Korrespondenten verwarnt worden. Ein ZDF-Kameramann war zur Polizei einbestellt worden, weil er mit Kollegen am Chaoyang-Krankenhaus eintreffende amerikanische Diplomaten gefilmt hatte, die den blinden Aktivisten Chen Guangcheng besuchen wollten. Ihm wurde gedroht, dass ihm "beim nächsten Mal" das Arbeitsvisum entzogen werde.

Die nun ausgereiste Chan ist US-Bürgerin und arbeitete seit 2007 in China. Unter Kollegen gilt sie als erfahrene, umsichtige Korrespondentin. Nach dpa-Informationen hatte die Visabehörde der Journalistin schon Ende des Jahres die normale Verlängerung der Akkreditierung verweigert und nur noch eine temporäre Arbeitserlaubnis erteilt. Trotz aller Bemühungen wurde dieses Visum nicht mehr verlängert, was nach Angaben von Diplomaten praktisch einer Ausweisung gleichkommt.

Das Komitee zum Schutz von Journalisten in New York (CPJ) protestierte. "Die Verweigerung, die Akkreditierung von Melissa Chan zu erneuern, zeigt eine echte Verschlechterung im Umfeld für Medien in China und sendet eine Botschaft, dass internationale Berichterstattung nicht erwünscht ist", teilte der CPJ-Koordinator für Asien, Bob Dietz, mit.

Chen berichtet von Zusicherungen seitens Chinas

Chen Guangcheng in dem auf YouTube hochgeladenen Video | Bildquelle: AFP
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Chen Guangcheng kann möglicherweise bald ausreisen.

Unterdessen berichtete der Bürgerrechtler Chen in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP, dass ihm die chinesischen Behörden Unterstützung zugesichert hätten. Regierungsvertreter hätten ihn im Krankenhaus besucht und gesagt, dass sie das Ausreiseverfahren einleiten würden, sagte Chen. Er habe dabei auf die Notwendigkeit verwiesen, für sich und seine Familie Pässe zu bekommen. "Sie sagten mir, dass sie mir helfen würden, sie zu bekommen, aber ich weiß nicht, ob sie es wirklich tun", sagte Chen.

Der Aktivist wird von den chinesischen Behörden weiter abgeschirmt. Er und seine Frau könnten das Krankenhaus weiter nicht verlassen, wo er wegen Verletzungen behandelt wurde, die er sich bei seiner Flucht zugezogen hatte, sagte er in dem Telefongespräch. Auch US-Vertreter seien daran gehindert worden, ihn zu besuchen. Dies gelte auch für seine Freunde.

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