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Künstler aus Haft entlassen
Ai Weiwei wieder frei
Nach gut zweieinhalb Monaten in Haft ist der chinesische Künstler und Regierungskritiker Ai Weiwei gegen Kaution auf freien Fuß gekommen. Einen entsprechenden Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua bestätigte die Schwester des Künstlers.
Ai sei wieder zu Hause, sagte die Schwester, Gao Ge. Sie habe von Ais Frau Lu Qing erfahren, dass sein Gesundheitszustand in Ordnung sei - er sei nur etwas dünner als vor der Haft.
Die Freilassung wurde laut staatlicher Nachrichtenagentur mit "Schuldeingeständnissen" in Steuerfragen und dem Gesundheitszustand des Künstlers begründet. Ai habe seine "Vergehen zugegeben" und damit eine "gute Haltung" bewiesen.
Festgehalten an einem unbekannten Ort
Der international renommierte Künstler und prominente Kritiker der chinesischen Führung war am 3. April festgenommen und seitdem an einem unbekannten Ort festgehalten worden. Die Regierung in Peking hatte ohne Angaben von Details lediglich mitgeteilt, dass Ai "Wirtschaftsverbrechen" vorgeworfen würden. Menschenrechtsgruppen wiesen darauf hin, dass chinesische Behörden auch schon in anderen Fällen den Vorwurf von Wirtschaftsverbrechen gegen Bürgerrechtler erhoben haben.
Froh und besorgt zugleich
Mit gemischten Gefühlen reagierte Ais Berliner Verleger Wolfgang Hörner vom Galiani Verlag, der die in China verbotenen Blogtexte des Künstlers herausbringt. "Wir sind natürlich zunächst unglaublich froh", sagte er. "Aber wir machen uns auch große Sorge, dass ihm Wirtschaftsverbrechen vorgeworfen werden. Das ist oft ein Weg, Regimekritiker ins Gefängnis zu bringen oder sie zu ruinieren."
Freilassung von Ai Weiwei: Politisches Kalkül der chinesischen Führung?
nachtmagazin 00:15 Uhr, 23.06.2011
"Nur ein kleiner Schritt"
Human Rights Watch rechnet mit schweren Auflagen für Ai. Der Regierungskritiker werde wahrscheinlich einige Zeit lang mit lästigen Beschränkungen seiner Aktivitäten und seines Kontakts zur Außenwelt konfrontiert sein, sagte eine Sprecherin der Menschenrechtsorganisation, Sophie Richardson.
Amnesty International sprach von einem "positiven Schritt, aber nur einem kleinen". Die Asien-Expertin der deutschen Amnesty-Sektion, Maja Liebing, kritisierte, dass Ai nur gegen Zahlung einer Kaution freigekommen sei. "Seine lange Haft ohne Anklage war, selbst nach den chinesischen Gesetzen, illegal." Neben Ai seien seit Februar mehr als 130 Internet-Aktivisten festgenommen worden, die zu Protesten aufgerufen hatten, sagte Liebing weiter. Ais Freilassung ändere nichts an der Menschenrechtslage in China.
Internationales Echo
Die Festnahme von Ai war international scharf kritisiert worden. Mehrere westliche Regierungen, darunter auch die deutsche, hatten die sofortige Freilassung gefordert. Aus ihrer Sicht war er wegen seiner Kritik am kommunistischen System festgesetzt worden. Mehr als 100.000 Menschen unterzeichneten eine Petition für seine Freilassung, die von dem New Yorker Guggenheim-Museum initiiert worden war.
Freigelassen wurde Ai nun wenige Tage vor den ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen, zu denen auch Chinas Regierungschef Wen Jiabao in Berlin erwartet wird.
Stand: 22.06.2011 18:21 Uhr
