Ein chinesischer Mann geht an einem Börsenbildschirm entlang, der den Composite-Index der Börse in Shanghai zeigt.  | Bildquelle: AP

Chinas Wirtschaft zu Trump Angst vor Zöllen und Protektionismus

Stand: 10.11.2016 15:16 Uhr

Nach dem Wahlsieg Trumps setzt China bewusst aufs Herunterspielen möglicher Gefahren für seine Wirtschaft. Dabei gibt es durchaus Bedenken, Trump könnte seine Ankündigung wahrmachen, Unternehmensübernahmen in den USA durch Chinesen stärker zu kontrollieren.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Die chinesische Wirtschaft gibt sich nach dem Wahlsieg von Donald Trump auf den ersten Blick gelassen. Die Börsenkurse in Shanghai, Hongkong und Shenzhen sind heute durchweg gestiegen.

Mittel- und langfristig aber fürchten Experten eine möglicherweise chinafeindliche Wirtschaftspolitik der neuen US-Regierung unter Trump. Im Wahlkampf hatte er gedroht, chinesische Waren mit Schutzzöllen zu belegen. Auf diese Art könnten chinesische Importe in den USA um 45 Prozent teurer werden. Nach Trumps Logik würden US-Produkte so wettbewerbsfähiger auf dem heimischen Markt.

Von China "gestohlene" Jobs zurückholen

"Er sagt, dass er Jobs in die USA zurückbringen will, die von China gestohlen wurden", analysiert Ye Yu vom regierungsnahen Institut für internationale Studien in Shanghai. "Das ist reine Politik, keine Wirtschaft. Selbst wenn China nichts mehr nach Amerika exportieren würde, könnten die Waren gar nicht alle in den USA selbst produziert werden. Die US-Industrie ist gar nicht dafür aufgestellt."

Statt aus China kämen die Produkte dann eben aus anderen Ländern, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin. Außerdem sei Trump Geschäftsmann, letztlich werde er das tun, was wirtschaftlich am Sinnvollsten sei, und das sei eben kein Handelskrieg.

"Wirtschaftliche Spannungen, die wir wohl mit den USA unter Trump erleben werden, drehen sich um etwas anderes: Um Unternehmensübernahmen in den USA durch Chinesen", so Ye. Investitionen und Übernahmen durch chinesische Staatskonzerne in den USA werden ihrer Einschätzung nach künftig schärfer kontrolliert werden, unter anderem im Hightech-Sektor.

Trump will keinen Ausverkauf heimischer Technologie

Tatsächlich hat Trump im Wahlkampf mehrfach gesagt, dass er keinen Ausverkauf heimischer Technologie an China will. Andererseits will er auch verhindern, dass zum Beispiel Boeing eine Flugzeugfabrik in China baut, das sagte er zumindest im Wahlkampf.

Auch, wenn in China im Gegensatz zu westlichen Demokratien nie gewählt wird, weiß man auch hier über die Prinzipien und Abläufe von Wahlkämpfen Bescheid und könne das entsprechend einordnen, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Ye. "US-Präsidentschaftskandidaten suchen sich für den Wahlkampf bewusst spektakuläre Themen und Aussagen. Das ist doch normal. Nach der Wahl sieht das dann oft ganz anders aus", so Ye. Sie glaube, dass es bei Trump sehr wahrscheinlich genauso laufen wird und er sich nach Amtsantritt anders verhalten wird.

China setzt bewusst aufs Herunterspielen

Aussagen wie diese zeigen: China setzt in Sachen Trump bewusst aufs Runterspielen möglicher Gefahren. Stabilität und Berechenbarkeit gehören zu den wichtigsten Zielen der chinesischen Politik. Und entsprechend gibt man sich in Peking auffällig entspannt und zurückhaltend, auch wenn es hinter den Kulissen vermutlich sehr wohl hektische Krisengespräche gibt.

Das chinesische Staatsfernsehen spielt den Wahlsieg Trumps demonstrativ herunter und widmet sich einem völlig anderen Thema: Chinas Erfolgen in der Raumfahrt. So wurde heute den ganzen Tag über in Dauerschleife Chinas Staatschef Xi Jinping gezeigt, wie er von Peking aus mit den Astronauten in der neuen Weltraumstation Tiangong telefoniert. Das ist Chinas Staatsmedien dann doch deutlich wichtiger als ein gewisser Donald Trump.

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