NSA-Skandal: China schweigt zu Snowden

Flagge China und USA (Bildquelle: AP)

NSA-Skandal

China schweigt zu Snowden

China kritisiert zwar Cyberspionage - will sich aber zu dem Fall des nach Hongkong geflüchteten Ex-NSA-Mitarbeiters Snowden nicht äußern. Der hatte dem US-Geheimdienst vorgeworfen, auch Ziele in China angegriffen zu haben.

Von Ruth Kirchner, ARD-Hörfunkstudio Peking

Der genaue Aufenthaltsort des 29-jährigen Edward Snowden ist weiterhin unbekannt. Ob er in der Sonderverwaltungszone Hongkong Asyl beantragen wird, oder ob die USA einen Auslieferungsantrag stellen werden, ist noch unklar. Hongkong gehört zwar zu China, hat aber ein eigenes Justizsystem - die Bürger genießen deutlich mehr politische Freiheiten als in Festlandchina. 

Auch über das Verhalten der Pekinger Regierung war in den letzten Tagen spekuliert worden. Doch auf wiederholte Fragen von Journalisten sagte die Außenministeriumssprecherin Hua Chunying lediglich, sie könne dazu leider keine Informationen anbieten.

China schweigt zu Snowden
R. Kirchner, ARD Peking
13.06.2013 14:01 Uhr

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Hunderte US-Hackerangriffe in China und Hongkong?

In einem Interview mit der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" hatte Snowden gestern auch von Hunderten Hackerangriffen auf Ziele in China und Hongkong gesprochen. Diese zeige die Scheinheiligkeit der US-Regierung, wenn diese behauptet, keine zivilen Ziele anzugreifen, sagte er. 

Sprecherin Hua ging auf diese Vorwürfe direkt nicht ein. Die Cybersicherheit sei ein globales Problem, und Cyberattacken seien für China wie auch für andere Länder eine große Gefahr, sagte sie: "China ist eines der großen Opfer von Hacker-Angriffen. Die Regierung nimmt Cybersicherheit sehr ernst und lehnt Hackerangriffe jeglicher Form ab." 

"Der Snowden-Fall verändert die ganze Diskussion"

Standbild von Edward Snowden aus einem Video-Interview mit dem "Guardian" (Bildquelle: AP)
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Edward Snowden - hier im Video-Interview mit dem "Guardian" - warf auch den USA unzählige Cyberangriffe vor.

Der Volksrepublik wird selbst immer wieder vorgeworfen, hinter Attacken auf westliche Stellen zu stecken - Peking bestreitet das aber. Einseitige Schuldzuweisungen könne es jetzt nicht mehr geben, sagt Wang Dong von der Peking-Universität. Der Fall Snowden verändere die ganze Diskussion um die Cybersicherheit, meint er: "Bislang haben die USA immer nur China kritisiert, und China musste sich verteidigen. Mit dem Snowden-Fall ist das jetzt anders. Jetzt haben alle den Beweis, dass die US-Regierung auch solche Sachen macht." Die Diskussion könnte sich also in eine "ausgewogenere Richtung" entwickeln, sagt Wang.

Auch im Internet wurde mit Kritik an den USA nicht gespart: Die US-Regierung zeige jetzt ihr wahres Gesicht, schrieb ein Kommentator. Aber im streng zensierten chinesischen Netz wurden auch Vergleiche mit dem eigenen Land gezogen: In Amerika gebe es immerhin einflussreiche Medien, die die Datensammelwut der Regierung scharf verurteilten, schrieb ein Kommentator und fügte hinzu: "Aber nicht bei uns in China."

Dieser Beitrag lief am 13. Juni 2013 um 13:35 Uhr auf NDR Info.

Stand: 13.06.2013 14:14 Uhr

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