Polizisten in Peking | Bildquelle: AP

Schwere Sandstürme Der "Gelbe Drache" sucht China heim

Stand: 04.05.2017 17:12 Uhr

Eine dichte Staubwolke liegt über Teilen Nordchinas - die Luftwerte sind katastrophal, es gibt keine Sicht. Die Bewohner sollen nur kurz im Freien bleiben. Grund sind Stürme, die Staub aus den Wüsten in Westchina heranwehen.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Die Sandstürme kamen in der Nacht und haben große Teile Nordchinas mit einer dichten Staubdecke überzogen. Im Frühjahr ist Sandsturm-Saison: Die Stürme fegen dann von den Ebenen im Westen Chinas über das Land hinweg und breiten sich über den ganzen Norden bis nach Peking aus. Die Behörden riefen ältere Menschen und Kinder dazu auf, am besten nicht vor die Tür zu gehen.

Die 24-jährige Zhang Liu Liu aus Peking trägt eine Spezialbrille und Atemmaske, um Augen und Lunge zu schützen. "Es fühlt sich sehr unangenehm an, sogar irgendwie schlimmer als der Smog im Winter. Es fühlt sich an, als atme man den Staub direkt durch die Lunge in seinen Magen."

Die Zeit des "Gelben Drachen"

Die Saison der Sand- und Staubstürme wird in China poetisch auch der "Gelbe Drache" genannt. Der Himmel verdunkelt sich, die Luft färbt sich gelb und rot, es wirkt geradezu apokalyptisch. Die Augen tränen, der Hals kratzt, manche bekommen Atemnot. In Peking erreichte der Index für den besonders gefährlichen Feinstaub am Morgen über 600 Mikrogramm pro Kubikmeter, rund das 25-fache des empfohlenen Grenzwertes der Weltgesundheitsorganisation. Auch der Wert für die größeren Staub-Partikel überstieg die Grenzwerte dramatisch.

He Chao arbeitet als Krankenpfleger in einem Pekinger Krankenhaus. "Weil ich im Medizinbereich arbeite, habe ich meine Mutter und unser Kind heute angewiesen, zuhause in der Wohnung zu bleiben. Auch ich werde heute meinen routinemäßigen Abendspaziergang durch die Nachbarschaft streichen. Mein Hals kratzt, meine Lunge fühlt sich schlecht an. Als der Regen gestern Abend kam, hatte ich schon den ersten Sand im Mund. Heute ist es wirklich ernst."

Für die nächsten drei Tage riefen die Behörden die Alarmstufe Blau aus. Insgesamt acht Provinzen sind von den Sandstürmen bereits betroffen oder werden es bis morgen sein. Die starken Sand- und Staubstürme sind auch ein Resultat der Verwüstung und Versandung von Chinas Nordwesten. Die Ausbreitung der Wüsten ist eines der größten Umweltprobleme der Volksrepublik. Mehr als ein Viertel der Landesfläche ist bereits Wüste. Und jetzt treibt der starke Wind den Staub und den Sand über das Land.

Keine Sicht, schlechte Luft: Sandstürme über Nordchina
A. Dorloff, ARD Peking
04.05.2017 17:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. Mai 2017 um 15:38 Uhr.

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