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Chinesische Proteste gehen weiter
Zehntausende gehen gegen Japan auf die Straße
In China, wo öffentlicher Protest sonst nicht geduldet wird, sind am Jahrestag der japanischen Invasion von 1931 wieder Tausende auf die Straßen gegangen. Sie protestieren gegen Japan und den Kauf der umstrittenen Inselgruppe. Manche skandieren "Blut für Blut". Die Japaner in China haben Angst.
Von Markus Rimmele, ARD-Hörfunkstudio Schanghai
Um 10 Uhr morgens Ortszeit strömen Demonstranten auf den Renmin Guangchang, den Platz des Volkes im Herzen von Shanghai. Von hier soll einer von drei Protestzügen losgehen. In einem Sternmarsch wollen die Demonstranten zum japanischen Generalkonsulat ziehen.
Doch die Polizei lässt sie nicht. Sie schiebt die meist jungen Protestierer geschickt in bereitstehende Busse. Die bringen die Demonstranten direkt zum Konsulat. Die Regierung will den Protest offenbar konzentrieren und unter Kontrolle halten.
Neue anti-japanische Proteste in China
M. Rimmele, ARD Schanghai
18.09.2012 11:10 Uhr
Öffentlicher Protest ausnahmsweise geduldet
Eine halbe Stunde später haben sich am Generalkonsulat im Westen der Stadt über 1000 Menschen versammelt - ein Meer aus roten Flaggen. "Ich liebe China", rufen die Demonstranten und "Gebt uns die Diaoyu-Inseln zurück!" In China, wo sonst öffentlicher Protest nicht geduldet wird, konnten sich die Anti-Japan-Demonstranten offenbar frei und ungestört verabreden.
Es gab viele Nachrichten im Internet, erzählt ein Demonstrant. Die Menschen seien alle freiwillig hier. Vorher hätten sie sich gar nicht gekannt, jetzt seien alle Freunde. Ihre Kleider haben sie in der Nacht bedruckt. "Wir sind Chinesen, wir alle lieben unser Land", ruft einer von hinten dazwischen. Es ist der Jahrestag der japanischen Invasion in Nordostchina. 1931 besetzte Japan das Gebiet der Mandschurei, um die rohstoffreiche Region auszubeuten.
"Nieder mit den japanischen Zwergen"
Es bleibt zunächst friedlich, doch der Ton der Demonstranten ist aggressiv. Sie trampeln auf japanischen Flaggen herum. Auch ihre Spruchbänder sind voller Hass: "Nieder mit den japanischen Zwergen", "Boykottiert japanische Produkte", "Blut für Blut". Ja, sogar: "Tötet die Japaner"
Ein Mann gelobt, er werde von jetzt an keine japanischen Produkte mehr kaufen. Weil er Chinese ist. Die Chinesen würden schon zu lange gedemütigt. Damit sei jetzt Schluss.
Auch in Peking und vielen anderen Städten protestierten Tausende gegen den Kauf der Diaoyu- oder auf Japanisch Senkaku-Inselgruppe durch die japanische Regierung. Nach den gewaltsamen Protesten vom Wochenende scheinen die Behörden die Lage nun aber stärker kontrollieren zu wollen. Die Regierung hat angekündigt, hart gegen Gewalttäter vorzugehen.
Die Japaner in China leben in Angst
Die Japaner in China, allein in Shanghai bis zu 100.000 Menschen, leben derweil in Angst. Japans Ministerpräsident Noda forderte seine Landsleute zu erhöhter Wachsamkeit auf. "Sogar meine chinesischen Kollegen haben mir empfohlen, nicht vor die Tür zu gehen", erzählt Toshihiro Kanamaki in fließendem Mandarin. Er lebt seit zwölf Jahren in China und geht in diesen Tagen nicht zur Arbeit. Er spreche auf der Straße kein Japanisch und fahre nicht U-Bahn. Denn da könne er nicht weglaufen im Notfall. "Ich glaube nicht unbedingt, dass ich angegriffen würde, aber ich kann es nicht ausschließen", sagt Kanamaki.
Viele japanische Unternehmen lassen heute die Arbeit in ihren chinesischen Fabriken ruhen aus Angst vor Randalierern. Darunter sind Sony, Toyota, Panasonic, Canon und Suzuki. Unklar ist noch der langfristige ökonomische Schaden für die Japaner. Ein Kommentator der "Volkszeitung", dem Sprachrohr der Kommunistischen Partei, droht Japan offen mit einem Handelskrieg.
Anti-japanische Proteste in China nehmen zu
tagesschau 17:00 Uhr, 18.09.2012, Christine Adelhardt, ARD Peking
Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht
Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Zum Beginn der Fangsaison haben sich Hunderte chinesische Fischerboote in Richtung Diaoyu- oder Senkaku-Inseln aufgemacht. Japans Küstenwache will verhindern, dass die Boote in japanische Hoheitsgewässer eindringen. Chinas Küstenwache wiederum kündigte an, die Fischer zu beschützen.
Abzuwarten bleibt auch, ob es der chinesischen Regierung gelingt, die Wut der radikalen Japan-Hasser im Land weiterhin unter Kontrolle zu halten.
Stand: 18.09.2012 20:16 Uhr
