Tiangong-1 | Bildquelle: picture alliance / dpa

Chinesisches Raumlabor Absturz aus der Tiefe des Raums

Stand: 15.01.2018 16:30 Uhr

Das chinesische Raumlabor "Tiangong 1" kreist seit Herbst 2016 unkontrolliert um die Erde und verliert dabei an Höhe. Nun werden Teile des Labors voraussichtlich in einigen Wochen auf der Erde einschlagen.

Teile des chinesischen Raumlabors werden nach Einschätzung von Raumfahrtexperten voraussichtlich im Frühjahr auf die Erde stürzen. "Wir rechnen irgendwann zwischen Mitte März und Mitte April mit dem Eintritt in die Erdatmosphäre", sagte Holger Krag von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. "Die Wahrscheinlichkeit, dass auf der Erde etwas passiert, ist aber sehr, sehr gering."

Ausgeschlossen sei, dass Teile des rund 8,5 Tonnen schweren "Himmelspalasts" auf Deutschland oder Österreich stürzen.

Krag spricht von "einem Gürtel von 43 Grad südlich bis 43 Grad nördlich des Äquators mit allen Längen". Weiter können die Raumfahrtexperten das Gebiet nicht eingrenzen, in das die Trümmer des 2016 außer Kontrolle geratenen Raumlabors eintreten werden. Damit kann es alle Kontinente - bis auf die Antarktis - und alle Ozeane treffen. Die Wahrscheinlichkeit sei innerhalb dieses Gebietes nahezu gleich verteilt.

Das chinesische Raumlabor "Tiangong 1" umkreist die Erde | Bildquelle: dpa
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Das Raumlabor "Tiangong 1" wurde im September 2011 ins All geschossen.

Lediglich der nördliche und der südliche Rand seien etwas mehr gefährdet. Dazu gehörten beispielsweise Italien und Spanien. Weil die mögliche Absturzregion auch so viel Wasser und Wüsten umfasse, sei es fraglich, ob sich nach dem Absturz überhaupt ein Teil des "Himmelspalasts" finden lasse. "Es fällt auch nicht alles auf einen Fleck, sondern verteilt sich über eine Schleppe von 1000 bis 1200 Kilometer", erklärte Krag.

Genaues Eintrittsdatum unklar

Auch wann genau die Trümmer von "Tiangong 1" auf die Erde fallen, lasse sich nicht exakt sagen. Denn das Raumlabor kreise innerhalb eines Tages 16 Mal um die Erde. Zehn Tage vor dem Eintritt in die Atmosphäre gebe es immer noch eine Ungenauigkeit von zwei Tagen mehr oder weniger.

Etwa 1,5 bis 3,5 Tonnen des 8,5 Tonnen schweren Raumlabors würden voraussichtlich den Wiedereintritt überstehen. "Nicht in einem Stück, sondern in mehreren Fragmenten", sagte Krag.

70 bis 80 Tonnen Raumfahrtschrott würden dem Experten zufolge durchschnittlich in einem ganzen Jahr unkontrolliert auf die Erde stürzen. Darunter sei alle drei bis vier Jahre auch etwas Größeres wie die "Tiangong 1".

China hatte "Tiangong 1" im September 2011 ins All geschossen, wo das Raumlabor im Laufe der Jahre sechs Kopplungsmanöver mit chinesischen Raumschiffen der "Shenzhou"-Reihe absolvierte. Seit 2016 umkreist auch der Nachfolger der "Tiangong 1" die Erde. In dem neuen chinesischen Raumlabor können zwei Astronauten länger als im Vorgängermodell leben. Sollte die Internationale Raumstation (ISS) wie vorgesehen 2024 ihren Dienst einstellen, wäre China danach die einzige Nation mit einem permanenten Außenposten im All. Chinas Raumstation ist mit rund 60 Tonnen aber deutlich kleiner als die ISS mit ihren 240 Tonnen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Januar 2018 um 21:05 Uhr.

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