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Pressekonferenzen in China Da kann man nur mit den Augen rollen

Stand: 14.03.2018 11:57 Uhr

Entnervte Grimasse folgt auf blödsinnige Frage - eine urmenschliche Reaktion sollte man denken. Wenn so etwas jedoch auf einer Pressekonferenz in China passiert, ist das ein Fall für die Zensur.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Pressekonferenzen in China haben mit denen in Europa nicht viel zu tun. Vor allem, wenn Politiker auf dem Podium sitzen. Meistens wird brav und zurückhaltend gefragt, die Journalisten fungieren vor allem als Stichwortgeber. Entsprechend wenig Neues erfährt man also in der Regel. Besonders eindrücklich zu erleben ist das zurzeit wieder bei Pressekonferenzen während der Sitzung des Nationalen Volkskongresses, also des chinesischen Scheinparlaments in Peking.

Am Dienstag fragte eine ganz offenkundig sehr regierungsfreundlich gesinnte Fernsehreporterin nach chinesischen Firmen, die im Ausland investieren und danach, wie denn sichergestellt werde, dass chinesisches Geld nicht einfach im Ausland verschwindet. Das Ganze in säuselndem Tonfall, mit aufgesetztem Lächeln und einer anbiedernden Wortwahl, die aus der Feder der Propaganda-Abteilung der regierenden Kommunistischen Partei stammen könnte.

Augenrollen im Staatsfernsehen - geht gar nicht

Das Staatsfernsehen überträgt. Die in rot gekleidete fragende Reporterin ist groß zu sehen, außerdem im Bild eine zufällig neben ihr sitzende Kollegin in Blau. Die schnauft zu Beginn der anbiedernden Frage zuerst einmal kräftig durch - sichtbar genervt von ihrer Nebensitzerin. Danach verzieht sie das Gesicht, runzelt die Stirn und beugt sich schließlich mit demonstrativ verdrehten Augen zur Seite.

Steven Jiang @StevenCNN
#China #NPC #eyerollgate rages on: Ppl seem to be siding w/ eyeroller - as netizens dig up more on the questioner, who supposedly works for an “American” TV station but kept referring to China as “our country.” #fakeforeignmedia https://t.co/ycodwnerxU

Der Ausschnitt dieser Szene hat sich rasend schnell im Internet verbreitet. Inzwischen kursieren kleine nachgespielte Szenen. Smartphone-Nutzer schicken sich selbstgemachte Memes und GIF-Sticker und die BBC, die "New York Times" und andere internationale Medien berichten über den Vorfall.

Die Reporterin ist offline

In China hat das Ganze inzwischen längst eine politische Ebene erreicht. Die fragende Fernsehjournalistin in Rot steht sinnbildlich für Chinas staatlich vorgegebenen Medienblödsinn. Die augenverdrehende Reporterin in Blau für das kleine Fünkchen inneren Widerstands gegen den inhaltsleeren Phrasen-Mainstream der Pekinger Politik.

Liang Xiangyi heißt die Frau in Blau und offensichtlich hat sie nun ein Problem. Nur wenige Stunden nachdem der Ausschnitt online ging, wurde er von der staatlichen Zensur gelöscht. Die Akkreditierung der Wirtschaftsreporterin wurde offenbar zurückgezogen, ihr persönlicher Account bei Weibo, dem chinesischen Twitter-Pendant, ist offline. Suchanfragen nach ihrem Namen laufen in China ins Leere.

Die staatlichen Zensoren verstehen keinen Spaß - und sie wollen ganz offensichtlich jegliche öffentliche Debatte über unkritische und lobhudelnde Reporterfragen verhindern.

Pressekonferenzen in China: Da hilft nur noch Augen verdrehen
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
14.03.2018 10:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. März 2018 um 11:50 Uhr.

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