Fußgängerbrücke in Shanghai | Bildquelle: AP

Neue Aktienhändler in China Jung, furchtlos und keine Ahnung

Stand: 25.01.2016 15:23 Uhr

Der Handel mit Aktien ist bei Chinas Besserverdienern momentan "in". Auch die 29-jährige Zhang Yixuang macht jetzt mit. Wie für die meisten Chinesen ist es für sie ein Glücksspiel. Nach sechs Monaten im Börsenhandel hat sie 7000 Euro verloren.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Zhang Yuxiang sitzt in einem Café im Zentrum von Shanghai. Sie hat nur wenig Zeit. In diesen Tagen, kurz vor dem chinesischen Neujahrsfest, muss sie eine Menge Überstunden machen im Büro. Aber: Um über ihre Erfahrungen an der Börse zu sprechen, dafür nimmt sich die 29-Jährige gerne etwas Zeit.

"Mit dem Aktienmarkt ist das so 'ne Sache ... für Chinesen ist das wie ... ein neues iPhone-Modell", sagt Yuxiang. Alle würden darüber reden und jeder habe Meinung zu dem Thema. Ihre Freunde, ihre Familie, egal welchen Job-oder Bildungs-Hintergrund sie haben: "Alle haben dieses eine Gesprächsthema: Aktien."

Experten raten zur Anlage

Zhang Yuxiang arbeitet in der Einkaufsabteilung einer japanischen Elektronikfirma in Shanghai. Sie verdient nicht schlecht und so hat sie vergangenes Jahr angefangen, an der Börse Geld zu investieren. "Ich habe Aktien gekauft, als der Index bei 5200 Punkten stand", berichtet die Chinesin. Viele Experten hätten damals - im Sommer 2015 - gesagt, dass der Kurs noch locker auf 8000 Punkte steigen werde. Da sei noch Potenzial, hieß es. "Ich habe mir damals gar keine Sorgen gemacht. Auch nicht vor kurzzeitigen Kursverlusten", erzählt sie.

Investoren beobachten die Börsenkurse | Bildquelle: dpa
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Für viele Chinesen ist der Handel mit Aktien wie ein Glücksspiel.

Heute steht der Shanghai Composite Index bei rund 3000 Punkten. Für Zhang Yuxiang bedeutet das ein Minus von rund 42 Prozent. Von Anfangs umgerechnet fast 17.000 Euro hat sie rund 7000 verloren. "Ich habe nur von Ersparnissen, die ich nicht brauche, Aktien gekauft. Das Rauf und Runter setzt mich deswegen nicht allzu sehr unter Druck", sagt die junge Börsenanlegerin. Wenn sie dabei einen Gewinn mache, sei das gut. Aber wenn nicht, lasse sie die Aktien einfach als Langzeit-Investment liegen.

"Learning by doing" im Börsenhandel

Mit dieser Einstellung ist Zhang Yuxiang eine ziemliche Ausnahme unter Chinas Kleinanlegern. Für die meisten ist Börse gleichbedeutend mit Glücksspiel, Wetten, Casino. Schnell rein mit dem Geld und schnell wieder raus. Hohes Risiko? Egal. In einem Punkt aber entspricht die 29-Jährige aus Shanghai komplett dem Klischee chinesischer Anleger. Von Geldanlage, Börsen und Finanzprodukten hat sie eigentlich keinen blassen Schimmer. Das sagt sie selbst.

"Ich kann wirklich nicht behaupten, dass ich viel vom Aktienmarkt verstehe", gesteht Yixuang. Es ist "Learning by doing", wie sie sagt. Inzwischen lese sie manchmal Business-Blogs und höre Wirtschafts-Nachrichten im Radio. "Manchmal frage ich auch ältere Leute um Rat. Bevor ich aber angefangen habe mit der Börse, hatte ich aber keine Ahnung", erläutert die junge Aktienhändlerin. Wenn andere Leute darüber gesprochen haben, habe sie meist gedacht: "Das ist unwichtig für mich."

Inzwischen gehört das ständige Checken der Aktienkurse zum Alltag von Zhang Yuxiang. Manchmal, so sagt sie, erkennt sie sich selbst kaum wieder. "Bevor ich angefangen habe zu investieren, habe ich nur Unterhaltungsshows im Fernsehen geschaut. Soaps oder Talkshows. Heute ist der erste Sender, den ich einschalte China Business News."

Chinas gebeutelte Kleinanleger
S. Wurzel, SWR, Shanghai
25.01.2016 14:23 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 25. Januar 2016 um 05:54 Uhr im Deutschlandfunk.

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