Oettinger | Bildquelle: dpa

Kritik an EU-Kommissar Oettingers "Schlitzaugen"-Spruch verärgert Peking

Stand: 02.11.2016 15:11 Uhr

Mit seiner "Schlitzaugen"-Äußerung hat EU-Kommissar Oettinger in Deutschland für Empörung gesorgt - und nun auch in China. Seine Bemerkung offenbare "ein irritierendes Gefühl der Überlegenheit", sagte eine Außenamtssprecherin in Peking.

Die chinesische Regierung hat sich empört über die umstrittenen Äußerungen des deutschen EU-Kommissars Günther Oettinger über Chinesen und andere Asiaten geäußert. Eine Sprecherin des Außenministeriums sagte in Peking, die Bemerkungen Oettingers spiegelten ein bei einigen westlichen Politikern tief verwurzeltes und irritierendes Gefühl von Überlegenheit wider. "Wir hoffen, dass diese Leute lernen können, sich und andere objektiv zu beurteilen und dass sie gegenseitigen Respekt und Gleichbehandlung erlernen", sagte die Ministeriumssprecherin.

Oettinger hatte in einer Rede vor Unternehmern in Hamburg von Chinesen als "Schlitzohren und Schlitzaugen" gesprochen. Beim Thema Zukunft Europas warnte er mit einem umstrittenen Beispiel vor der politischen Schwächung der EU. "Letzte Woche waren die chinesischen Minister bei uns, zum Jahresgipfel 'China-EU'. Neun Männer, eine Partei. Keine Demokratie, keine Frauenquote, keine Frau - folgerichtig." Und er fügt hinzu: "Alle: Anzug, Einreiher dunkelblau, alle Haare von links nach rechts mit schwarzer Schuhcreme gekämmt."

Später nannte Oettinger seine Äußerung "etwas salopp". Sie seien aber in keiner Weise respektlos gegenüber China gemeint gewesen. Der CDU-Politiker ist in der Brüsseler Behörde für den Bereich Telekommunikation zuständig. Künftig soll er das Haushaltsressort der Europäischen Kommission übernehmen.

"Sicherlich nicht die Sprache der Bundeskanzlerin"

Nach der scharfen Kritik aus China reagierte auch die Bundesregierung: "Jeder hat seine Sprache und seinen Vortragsstil. Und das, was da zu hören war, war in einigen Passagen ganz sicherlich nicht die Sprache und der Vortragsstil der Bundeskanzlerin. Es muss eben auch jeder aufpassen, dass er mit seiner Sprache andere nicht verletzt", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Die Grünen-Ko-Fraktionsvorsitzende Rebecca Harms forderte Oettingers Rücktritt. Dem "Tagesspiegel" sagte sie, Deutschland könne in Brüssel "bestimmt besser vertreten werden". "Sein sogenannter Witz kommt von den Altherren-Stammtischen", fügte sie hinzu. Als Energiekommissar habe er "Kohle und Atom verteidigt", in der Welt der Digitalisierung finde er sich "nicht zurecht".

Oettinger hatte neben seinen Äußerungen zu China unter anderem von einer vermeintlichen "Pflicht-Homoehe" gesprochen und durchblicken lassen, dass er glaubt, Frauen könnten ohne Quotenregelung keine Spitzenpositionen erreichen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. November 2016 um 14:00 Uhr

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