Das havarierte Schiff "Sanchi" vor der Küste Chinas und ein Ölteppich, der sich ausbreitet | Bildquelle: AFP

Nach Schiffsunglück vor China Großer Ölteppich und viele Worthülsen

Stand: 19.01.2018 09:08 Uhr

Nach dem Untergang des Tankers "Sanchi" breiten sich vor Chinas Küste Ölteppiche aus. Experten warnen vor heftigen Umweltschäden - die Regierung äußert sich dazu aber kaum.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Das Schiffsunglück vor der Küste Chinas ist nun schon fast zwei Wochen her, die Folgen sind aber weiterhin nicht absehbar. Klar ist: Der inzwischen gesunkene iranische Tanker "Sanchi" hatte rund 140.000 Tonnen Öl an Bord - sogenanntes Kondensat, also eine relativ leichte und helle Ölsorte. Wie viel von dem Öl nach dem Zusammenstoß der beiden Schiffe verbrannte und wie viel auslief, ist unklar. Fest steht aber, dass sich inzwischen vier riesige Ölteppiche auf dem Meer gebildet haben.

Das Öl könnte eine Art biologische Kettenreaktion auslösen, warnt Chen Shunsheng, Professor an der Shanghaier Universität für Meeresbiologie: "Das ausgelaufene Öl kann die Photosynthese von Algen stören. Dadurch und durch den Zersetzungsprozess des Öls wird dem Wasser Sauerstoff entzogen. Das wiederum hat Einfluss auf das gesamte maritime Leben dort. Ein Mangel an Sauerstoff könnte viele Fische und Krebstiere sterben lassen."

Nach dem Untergang des Tankers "Sanchi" breitet sich vor der Küste Chinas ein Ölteppich aus | Bildquelle: AP
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Nach dem Untergang des Tankers "Sanchi" breitet sich vor der Küste Chinas mehrere Ölteppiche aus

Zusammenstoß zweier Schiffe

Zum Schiffsunglück kam es am Samstag vor knapp zwei Wochen, rund 300 Kilometer vor der Küste Shanghais. Ein iranischer Öl-Tanker war mit einem chinesischen Getreidefrachter zusammengestoßen. Der Tanker geriet in Brand, mehrere Tage lang gelang es Hilfskräften nicht, das Feuer zu löschen. Während die Crew des Getreidefrachters gerettet werden konnte, kamen die 32 Seeleute an Bord des iranischen Tankers ums Leben. Das Schiff ist inzwischen gesunken.

Regierung sagt wenig über die Folgen

Chinas Staatsmedien berichten über das Schiffsunglück, allerdings kaum über die möglichen Folgen. Alle verfügbaren offiziellen Informationen kommen von Regierungssprecher Lu Kang. Auf einer Pressekonferenz im Außenministerium redete dieser minutenlang über die große Anerkennung, die China für die Rettungs- und Löscharbeiten an der Unglücksstelle erfahren habe. Über die möglichen konkreten Folgen des Unglücks sagt er kaum etwas.

"Nach solchen Unglücken finden häufig nicht genug Untersuchungen statt", kritisiert Experte Chen. "Die chinesische Regierung hat daran kein Interesse, weil das für negative Schlagzeilen sorgen könnte. Die Informationen, die wir haben, sind so minimal, dass wir die Folgen nicht wirklich abschätzen können."

Gefahr für Tiere im Meer

Klar sei, so der Experte, dass selbst wenn das Öl nicht an die Küsten geschwemmt werde, es Pflanzen und Tiere im Meer massiv schädigen könnte. Anaerobe Lebewesen, also die, die kein Sauerstoff benötigen, könnten Algen, Fische und Krebse verdrängen. Davon betroffen wäre auch Chinas Fischereiwirtschaft. Das Gebiet, in dem sich die Ölpest nun ausbreitet, ist ein wichtiges Fischfanggebiet.

Chinas Behörden haben inzwischen angekündigt, Tauchroboter zum Wrack der "Sanchi", das in rund 115 Metern Tiefe liegt, zu schicken. Ansonsten kamen von Seiten der Staats- und Parteiführung in Peking seit Tagen vor allem Worthülsen zum Unglück. Soch auch vom Außenamtssprecher Lu: "China wird auch weiterhin die Kommunikation mit relevanten internationalen Organisationen aufrechterhalten, einschließlich der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation. Wir werden rechtzeitig über die neuesten Entwicklungen im Umgang mit dem Unfall berichten."

Großer Ölteppich im Ostchinesischen Meer nach Tanker-Unglück
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
19.01.2018 08:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. Januar 2018 um 09:45 Uhr.

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