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Nach kritischem Artikel über Regierungschef Wen
Chinesen sollen "New York Times" gehackt haben
Die "New York Times" ist eigenen Angaben zufolge von Hackern angegriffen worden, die möglicherweise in Verbindung mit dem chinesischen Militär stehen. Es seien klare Hinweise Richtung Peking entdeckt worden, erklärte die US-Zeitung.
Nach Ansicht von IT-Experten seien die Angriffe von den selben Universitätscomputern ausgegangen, von denen aus chinesische Militärs in der Vergangenheit Rüstungsfirmen in den USA angegriffen hätten. Das FBI hätte Hinweise, die diese Annahme stützen würden, erklärte Marc Frons, IT-Leiter der Zeitung, im ARD-Interview. Die Hacker hätten in den vergangenen vier Monaten unter anderem Passwörter von Journalisten abgegriffen.
Keine Nutzerdaten gehackt
Den Erkenntnissen der IT-Experten zufolge konzentrierten sich die Hacker auf den Schanghaier "NYT"-Bürochef David Barboza und seinen E-Mail-Account. Barboza hatte in der Zeitung im Oktober über den immensen Reichtum der Familie von Wen Jiabao berichtet. Das Blatt vermutet nun einen Zusammenhang der Angriffe mit dem Bericht. "Sie haben gezielt nach den Quellen und Informanten unserer Reporter gesucht", erklärte Frons. "Es ist deshalb ein Eingriff in die Pressefreiheit, weil dadurch unsere Informanten eingeschüchtert werden und sie uns deshalb möglicherweise weniger vertrauen werden in der Zukunft."
Überhaupt hätten die Hacker offenbar nur nach Informationen im Zusammenhang mit dem Wen-Bericht gesucht, erklärte die Zeitung. Nutzerdaten beispielsweise seien nicht abgezogen worden.
New YorkTimes spricht von "schwerem Angriff auf die Pressefreiheit"
tagesschau 12:00 Uhr, 01.02.2013, Markus Schmidt, ARD New York
Die chinesische Regierung wies die Vorwürfe empört zurück: Die Anschuldigungen seien "haltlos", sagte Außenamtssprecher Hong Lei in Peking. "Ohne harte Beweise zu sagen, dass China an derartigen Hackerangriffen teilnimmt, ist völlig verantwortungslos."
China: Militär hat keine Hackerangriffe unterstützt
Ähnlich äußerte sich das Verteidigungsministerium: "Das Militär hat niemals irgendwelche Hackerangriffe unterstützt." Cyber-Attacken seien eine internationales Problem und würden anonym verübt. "Angesichts dessen ist es unprofessionell und haltlos, das chinesische Militär des Lancierens von Netzangriffen zu beschuldigen."
In dem Bericht vom Oktober hatte die "NYT" geschrieben, Wens Familie habe während seiner Amtszeit riesige Vermögen angehäuft. Dem Bericht zufolge besitzt die Familie Beteiligungen in Höhe von 2,1 Milliarden Euro an Firmen im Banken-, Tourismus- und Telekommunikationssektor. Die Zeitung berief sich auf eine Auswertung von Unternehmens- und Börsenmitteilungen zwischen 1992 und 2012. Dem Bericht zufolge verfügt Wen selbst über keine Beteiligungen, genannt wurden aber unter anderem seine Mutter, seine Frau, sein Sohn und seine Tochter.
Auch das WSJ betroffen
Auch das "Wall Street Journal" teilte inzwischen mit, es sei Zielscheibe von chinesischer Hackern geworden. Die Computersysteme seien infiltriert worden, Hacker hätten versucht, die Berichterstattung über China auszuspionieren, sagte eine Sprecherin des WSJ-Verlags Dow Jones & Co.
Man habe inzwischen eine Generalüberholung ihres Netzwerks abgeschlossen, um die Sicherheit zu verstärken. Wie genau die Hacker ins System gekommen waren, sagte die Sprecherin nicht. Die Angriffe dienten jedenfalls nicht dem Zweck, "einen kommerziellen Vorteil zu erlangen oder Kundendaten zu missbrauchen".
Stand: 01.02.2013 00:16 Uhr
