Stahlproduktion in Hefei, Provinz Anhui (China) | Bildquelle: REUTERS

Stahlindustrie in China Der Tod der "Zombie-Unternehmen"

Stand: 15.02.2016 05:47 Uhr

Trotz sinkender Nachfrage produzieren chinesische Konzerne Unmengen an Stahl. Die Überproduktion wird dann zu Niedrigpreisen auf den internationalen Markt geworfen. Doch damit soll bald Schluss sein. Die Führung in Peking wünscht sich mehr Klasse statt Masse.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Es dampft und faucht und scheppert in Chinas Stahlhütten. Die Konzerne produzieren weiter, als sei nichts gewesen, als habe sich das schwächer werdende Wirtschaftswachstum der Volksrepublik noch nicht herumgesprochen. Obwohl die Nachfrage nach Stahl sinkt, wird er immer noch in großen Mengen hergestellt. "Die nachlassende Nachfrage hier in China hat mit unserem Wirtschaftsmodell zu tun, das sich gerade grundlegend ändert. Die Wirtschaft Chinas wandelt sich zu einer modernen Service- und Konsumgesellschaft", sagt Han Xiaoping, Stahl-Experte beim Fachdienstleister China Energy Network. In den vergangenen Jahren seien in der Branche viele Gebäude und Straßen gebaut worden - jedoch seien nun alle Ziele erreicht.

So kommt es, dass die Stahlkonzerne der Volksrepublik in den vergangenen Jahren riesige Überkapazitäten aufgebaut haben. Und die landen zu Niedrigstpreisen auf dem Weltmarkt. Die Konkurrenz in Japan, Korea und vor allem in Europa kann da nicht mithalten. "Die Stahlkonzerne sorgen für hohe Steuereinnahmen in den Provinzen", erklärt Han Xiaoping. Deswegen hätten die Provinzregierungen den Ausbau der Kapazitäten lange unterstützt: "Wenn ein Stahlwerk irgendwie überleben kann, dann ist das im Interesse der Regionalregierung. Denn neben Steuereinnahmen sorgt es auch für Arbeitsplätze."

Chinas Stahlindustrie steht sich selbst im Weg
S. Wurzel,
15.02.2016 05:02 Uhr

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Peking will Produktion herunterfahren

Doch die Zentralregierung in Peking sieht inzwischen ein, dass die Überkapazitäten abgebaut werden müssen. Geplant ist, dass die Produktion in den nächsten drei bis fünf Jahren um 100 bis 150 Millionen Tonnen heruntergefahren wird. Sprich: Sehr viele unrentable Stahlwerke sollen geschlossen werden. Dass das passieren muss, ist in China seit langem bekannt.

In der Wirtschaftspresse des Landes ist immer wieder von so genannten "Zombie-Unternehmen" die Rede - also von eigentlich toten Schwerindustrie-Unternehmen, die künstlich am Leben gehalten werden. "Wenn einige dieser 'Zombie-Firmen' geschlossen werden und aus der Branche rausgenommen werden, wird das gut sein für die restlichen Unternehmen. Diese haben dann ein besseres Umfeld und sind eher dazu bereit, sich zu modernisieren und zu investieren", sagt Wang Tao, die Chef-Ökonomin für den Bereich China bei der Schweizerischen Großbank UBS.

Ein chinesischer Arbeiter vor einem Stapel von Stahlrohren. | Bildquelle: REUTERS
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Stahlindustrie: Führung in Peking will Produktion deutlich zurückfahren.

Millionen Chinesen werden profitieren

Mehr Investitionen in moderne Ausrüstung: Das wird auch dazu führen, dass die Qualität des chinesischen Stahls besser wird. Bisher ist diese längst nicht so gut wie die der Konkurrenz aus Japan oder Europa. Wenn viele Werke schließen müssen, bedeutet das aber auch: Hunderttausende Menschen dürften in den nächsten Jahren ihren Job verlieren. Nach Ansicht von Energie-Analyst Han Xiaoping kann das zu Protesten führen, aber: "China hat es mit einem gewissen Fachkräftemangel zu tun. Selbst wenn im Stahlsektor die Arbeitslosigkeit steigt, gibt es andere Branchen, die neue Leute einstellen." Angegangen werden müssten jetzt die Themen Umschulung und Jobvermittlung.

Auch Hunderte Millionen Chinesen, die nicht in der Stahlindustrie arbeiten, werden vom Schließen unrentabler Betriebe profitieren: Denn die Luft wird sauberer werden. Die Schwerindustrie ist bisher am meisten verantwortlich für die hohen Feinstaubwerte in China.

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