Ein junger Chinese in Peking | Bildquelle: REUTERS

Wie junge Chinesen auf die Wirtschaftsflaute reagieren Krise? Nicht bei den "Chuang Ke"

Stand: 26.01.2016 11:41 Uhr

Die Talfahrt an den chinesischen Börsen geht weiter - heute auf den tiefsten Stand seit 13 Monaten. Doch in einer Start-up-Schmiede in Peking kümmert das die "Chuang Ke" - die neuen Macher - wenig. Ihre Zuversicht ist ungebrochen.

Von Axel Dorloff, ARD-Hörfunkstudio Peking

Hier sind die chinesischen Träume von der Lokalregierung subventioniert: ein modernes Hochhaus im Nordwesten von Peking, in Zhongguancun. Im Eingangsbereich steht mit großen Buchstaben "Traum-Labor". Weiter oben: der Beijing Makerspace. Ein Ort mit Start-ups, Designern oder einfach nur Leuten mit Ideen. Lichtdurchflutete Büros, voll mit 3D-Druckern, kleinen Drohnen, Schaltplatinen und Menschen in den Zwanzigern.

Ein Ort, an dem die Krise in China - sollte es denn eine geben - noch nicht angekommen ist, sagt Mitgründerin Wang Chenwei: "Wir haben nie das Gefühl, dass wir morgen unser Leben nicht mehr finanzieren könnten. Ob Designer oder Programmierer - unser jährliches Einkommen auf dem Arbeitsmarkt steigt jedes Jahr. Selbst wenn ich es nicht schaffe, hier mein eigenes Start-up zu etablieren - ich finde immer einen Job."

Für die neuen Macher musste erst ein Wort erfunden werden

Es sind vermutlich diese jungen Leute, die sich Chinas Führung ausmalt, wenn sie mal wieder mehr Innovation fordert, um Chinas Wirtschaft weiter zu entwickeln - wie Ministerpräsident Li Keqiang. Oder immer wieder vom chinesischen Traum redet, wie Staats- und Parteichef Xi Jinping.

Bis vor wenigen Jahren gab es das Wort Macher in der chinesischen Sprache gar nicht. Das musste man erst noch erfinden: Chuang Ke. Und so sind sie noch verhältnismäßig neu: Die jungen Macher und Macherinnen, die halb im Silicon Valley wohnen und halb in Peking, wie Wei Qiao. Ebenfalls Mitgründerin vom Beijing Makerspace. "Wir haben sehr große Unterstützung der Regierung bekommen. Wir bekommen diesen ganzen Raum hier kostenlos gestellt. Wir bekommen die Ressourcen gestellt, um unsere Projekte zu verfolgen", sagt sie.

Verlängerte Werkbank war gestern

Eine Frau bemalt Spardosen. | Bildquelle: REUTERS
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Eine Frau bemalt in Dehua Spardosen. Geht es nach der chinesischen Regierung, liegt die Zukunft der Wirtschaft jedoch in Technik statt Arbeitskraft.

Smart Hardware, virtuelle Realität, die Digitalisierung der Industrie: das sind die neuen Schlagworte für die Start-up-Elite. Nichts mehr mit verlängerter Werkbank der Welt. Geht es nach Chinas Führung, soll das Land zu einem fortschrittlichen Forschungs- und Entwicklungszentrum werden.

Und obwohl viele Wirtschaftsindikatoren derzeit nach unten zeigen, glauben die jungen Macher hier weiter an Chinas Aufstieg: "Ich mache mir keine Sorgen und bin auch nicht nervös. Chinas Fundament ist sehr stark", sagt Wei Qiao. "Die Regierung sieht die Potenziale der verschiedenen Industrien. Ministerpräsident Li Keqiang erwähnt es immer wieder: die Macher, die Innovation. Vielleicht auch, weil er die Krise sieht und einen Weg daraus finden will."

Die junge Technik-Elite

Derzeit leben rund 140 Millionen Menschen in China, die in den 1990er-Jahren geboren sind. Das heißt: Es gibt fast doppelt so viele junge Chinesen zwischen 16 und 26 wie Deutschland Einwohner hat. "In meinem Freundeskreis geht es um neue Technologien und neue Ideen, nicht um das Auf und Ab der Finanzmärkte", erzählt Wang Chenwei. "Viele Chinesen haben den Weg aus der Armut geschafft. Und egal, welches Projekt wir anpacken: China hat eine riesige Bevölkerung, so dass es immer ein paar gibt, die sich dafür interessieren und einen Absatzmarkt bieten. Das gibt uns Sicherheit. Egal, ob wirtschaftliche Krise oder nicht: Wir haben die vielen Menschen und wir haben Möglichkeiten."

Viel schöner hätten das die Führung in Peking auch nicht formulieren können. China ist ein Land, das in den letzten 30 Jahren vor allem den Weg nach oben kannte. Manche sagen: China hat nur eine Chance, wenn es sich neu erfindet. Aber irgendwann muss man dann raus aus dem Ankündigungs-Modus.

Angst vor dem Absturz? Was junge Chinesen über ihr Land denken
Axel Dorloff, ARD Peking
26.01.2016 11:09 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 26. Januar 2016 um 08:35 Uhr auf bei Inforadio.

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