die iranische Flagge | Bildquelle: REUTERS

Irans Handelspartner ... dann eben mit China

Stand: 08.06.2018 15:38 Uhr

Nach dem US-Ausstieg aus dem Atomabkommen wollen EU-Unternehmen nicht mehr im Iran investieren. Aus Angst vor Sanktionen. China hat andere Möglichkeiten - und will die nutzen.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Wenn Irans Präsident Hassan Rouhani in China eintrifft, wird er die Zahlen an geeigneter Stelle nochmal fallen lassen: Vor zwei Jahren haben Iran und China vereinbart, ihren gegenseitigen Handel bis 2026 mehr als zu verzehnfachen - auf über 500 Milliarden Euro. China war 2017 bereits der größte Handelspartner Irans und so soll es bleiben. Trotz der neuen Politik der USA, die aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen sind.

China kann US-Bankensystem umgehen

Ding Long ist Professor und Nahost-Experte an der Universität für Außenwirtschaft und Handel in Peking. "China hat mit dem Iran traditionell enge Handels- und Wirtschaftsbeziehungen. Iran ist für Chinas Projekt der Neuen Seidenstraße von zentraler Bedeutung. Diese Beziehung soll noch intensiviert werden. Auch wenn das durch die Sanktionen der USA schwieriger wird."

Aber nicht so schwierig wie für Länder aus der EU. Während europäische Großbanken Sanktionen durch die USA fürchten, kann China seine Geschäfte mit dem Iran über sein eigenes Bankensystem abwickeln. In der chinesischen Währung. "Die Finanzierungssituation ist unterschiedlich. Das europäische und amerikanische Finanz- und Bankensystem ist offen und eng miteinander verzahnt. Chinas Bankenwesen nicht. Chinas Währung - der Yuan - ist noch nicht vollständig internationalisiert. China und der Iran können Geschäfte machen - und das US-Bankensystem dabei umgehen."

Hafen von Shanghai | Bildquelle: dpa
galerie

China und Iran wollen ihren Handel deutlich ausbauen.

Europäisches Unternehmen zieht sich aus Angst zurück

Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass die Sanktionspolitik der USA europäische und auch deutsche Unternehmen dazu bewegen wird, sich aus dem Iran zurückzuziehen. Davon könnten chinesische Investoren profitieren.

Im Mai reiste eine Delegation des chinesischen Energieriesen Sinopec nach Teheran, um über die Entwicklung des gigantischen iranischen Erdölfelds Jadawaran zu verhandeln. Zuvor war noch das niederländisch-britische Unternehmen Royal Dutch Shell an dem Drei-Milliarden-Dollar-Deal interessiert, kündigte aber aus Sorge vor den Folgen der US-Sanktionen seinen Rückzug an.

"China geht es vor allem um Energie"

Das sei exemplarisch, sagt Iran-Experte Ding Long: "China geht es vor allem um Energie. China importiert Erdöl und Gas aus dem Iran - und exportiert industrielle Produkte. Der Rest ist dann vor allem Infrastruktur. Zum Beispiel Kraftwerke, U-Bahnen, Zugstrecken und Ölfelder." China baut im Iran unter anderem die wichtige Hochgeschwindigkeits-Zugstrecke zwischen der Hauptstadt Teheran und der Stadt Mashhad im Nordosten des Landes.

Chinesische 100-Yuan-Banknoten | Bildquelle: dpa
galerie

Die eigene Währung und das Bankensystem ermöglichen China alternative Handelswege.

China setzt im Nahen und Mittleren Osten auf Stabilität, schon aus wirtschaftlichem Eigeninteresse. Die Region gilt als wichtiger Korridor für das Großprojekt der Neuen Seidenstraße. Neue Handelswege von China über Asien nach Europa und Afrika sollen entstehen. China investiert deshalb in vielen Ländern in großem Stil in Infrastruktur.

Pro Atomabkommen

Erst kürzlich, beim Merkel-Besuch in Peking, hat Chinas Ministerpräsident Li Keqiang nochmal betont: Wie Deutschland sei auch China der festen Überzeugung, an dem Atomabkommen mit dem Iran festhalten zu wollen. "Wir dürfen das atomare Abrüstungssystem nicht beschädigen. Und wir müssen Frieden und Stabilität im Nahen Osten bewahren. China begrüßt alle Anstrengungen, auch von Deutschland, das Atom-Abkommen mit dem Iran zu schützen."

Am Samstag beginnt in der ostchinesischen Küstenstadt Qingdao der Regionalgipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit. Der Iran hat dort Beobachterstatus, zu den neun Mitgliedsstaaten gehören unter anderem China, Indien und Russland. Wie China setzt auch Russland auf Milliarden-Investitionen im Iran. Auch Indien hat angekündigt, dass es sich nicht an den US-Sanktionen gegen den Iran beteiligen werde. Gemeinsam wird man mit dem Iran in Qingdao nach Lösungen suchen - auch als Zeichen gegen die Politik der USA.

Das große Geschäft: China setzt auf den Iran
Axel Dorloff, ARD Peking
08.06.2018 11:00 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Juni 2018 um 10:41 Uhr in der Wirtschaft sowie um 12:50 Uhr.

Darstellung: